Jens Spahn ist endlich Vater: Aber Kanzler wird er so nie

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Jens Spahn ist endlich Vater: Aber Kanzler wird er so nie

Stand: 17.07.2026, 17:30 Uhr

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Zum zweiten Mal vermasselt der Unions-Fraktionschef Friedrich Merz die Sommerpause. Es hagelt Rücktrittsforderungen. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

München – Wieder ist in Berlin Sommerpause. Wieder großes Theater. Und wieder ist Jens Spahn in der Hauptrolle: Seit der Unions-Fraktionschef in einer großen Boulevardzeitung sein junges Familienglück hinausposaunte, schlingern CDU und CSU. Wie vor einem Jahr mit dem Tamtam um die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf.

ARCHIV - 07.07.2026, Berlin: Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, äußert sich vor der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu aktuellen Themen.

ARCHIV - 07.07.2026, Berlin: Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, äußert sich vor der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu aktuellen Themen. © Bernd Von Jutrczenka/dpa/Collage

Debatte in der CDU: Spahn verletzt eigenen Grundsatz der Partei

Spahns (Mit-)Vaterschaft durch eine Leihmutter in den USA empfinden Parteifreunde und Bürger zu Recht als doppelten Schlag ins Gesicht: Mit ihm umgeht ausgerechnet der zweitmächtigste Mann der Regierungspartei CDU das deutsche Recht, gönnt sich als wohlhabender Privatmann, was er als Politiker anderen Bürgern verwehrt. Und er missachtet die Beschlusslage seiner Partei auf dem für Konservative besonders sensiblen Feld der Familienpolitik. Dort gilt: Kinder dürfen nicht zur Ware werden, Frauen nicht zu Gebärmaschinen. Spahn hat das Verbot der Leihmutterschaft bisher mitvertreten.

Seine Ego-Tour richtet schweren Schaden an, kostet Glaubwürdigkeit, zerstört Vertrauen: darauf, dass es im Land gerecht zugeht, es kein Sonderrecht für Reiche und Mächtige gibt. Und darauf, dass Wähler sich auf das verlassen können, was ihnen die Politik verspricht. Wie konnte den 46-Jährigen das Gespür für das Richtige und politisch Vertretbare nur so verlassen? Die schmallippige Gratulation des Kanzlers an den jungen Vater verrät seine Verzweiflung. Gerade hat die Kanzlerpartei nach einem Jahr zum Vergessen wieder Tritt gefasst. Und jetzt das. Wie vor einem Jahr steht die Union und mit ihr die Regierung im Hagelsturm.

Spahn galt lange als einer der talentiertesten Politiker der Union. Er traute sich, selbst der mächtigen Kanzlerin in der Asylpolitik zu widersprechen, zu einer Zeit, als Angela Merkel in der Union noch unantastbar war. Das machte ihn eine Zeit lang zum Hoffnungsträger der Konservativen und dauerhaft zum Hassobjekt des linken Mainstreams.

Spahns Ego-Tour richtet schweren Schaden an. Und vermasselt Merz die Sommerpause.

Auch wenn seine Beliebtheit in der Öffentlichkeit zu wünschen übrig ließ, der er wahlweise zu kontrovers, zu elitär, zu rechts oder zu schwul war: Als wichtigster Strippenzieher im Bundestag gehörte er zum engsten Kreis der möglichen Merz-Nachfolger. Damit ist es vorbei. Jens Spahn hat sich seinen Traum vom Vatersein erfüllt. Den Traum von der Kanzlerschaft muss er dafür aber wohl beerdigen.