In der Südeifel: Der Katzenkopf sollte den Westwall sichern – heute mahnt er zum Frieden
Hoch über Irrel liegt ein außergewöhnliches Relikt der Geschichte. Das Westwallmuseum im Panzerwerk Katzenkopf zeigt, wie Aufrüstung und Kriegsvorbereitung einst bis an Luxemburg heranreichten.
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In der Südeifel Der Katzenkopf sollte den Westwall sichern – heute mahnt er zum Frieden
Irrel · Hoch über Irrel liegt ein außergewöhnliches Relikt der Geschichte. Das Westwallmuseum im Panzerwerk Katzenkopf zeigt, wie Aufrüstung und Kriegsvorbereitung einst bis an Luxemburg heranreichten.
07.09.2026 , 07:20 Uhr
45 Räume, eine Besatzung von 84 Soldaten und 138 Meter unterirdische Stollen: Das Panzerwerk Katzenkopf hoch über Irrel war kein gewöhnlicher Bunker. Die Anlage gehörte zum Westwall, einem rund 630 Kilometer langen Befestigungssystem, das das NS-Regime ab 1936 entlang der deutschen Westgrenze errichten ließ. Der Katzenkopf selbst entstand zwischen 1937 und 1939 auf einer Anhöhe über dem Nimstal. Während viele Bunkeranlagen aus der Zeit zerstört wurden, beherbergt das Panzerwerk heute das Westwallmuseum.
Bollwerk mit Waffentürmen überblickte das gesamte Tal
Der Begriff Panzerwerk kann dabei täuschen. Am Katzenkopf wurden keine Panzer gebaut. Mit dem Begriff wurde eine besonders stark ausgebaute Befestigungsanlage mit gepanzerten Waffen- und Beobachtungstürmen bezeichnet. „Die Lage war für so eine Anlage hier geradezu perfekt. Vom Katzenkopf aus konnte das ganze Tal überblickt werden“, sagt Dennis Roßbach, der sich seit vielen Jahren mit dem Grenzraum zwischen Luxemburg und Deutschland zu Zeiten des Nationalsozialismus befasst und jüngst die Ergebnisse seiner Arbeit veröffentlicht hat.
Doch kurz zurück zur Anlage selbst: Die Außenwände bestanden aus bis zu zwei Meter dickem Stahlbeton. In den oberen Etagen lagen unter anderem Mannschafts-, Kampf- und Beobachtungsräume, Sanitätsbereich, Munitionslager, Küche, Fernmeldezentrale und Stromversorgung.
Im tiefsten der ursprünglich vier Stockwerke zweigen zwei Stollen ab. Einer führte zu einem abgesetzten Sechs-Scharten-Panzerturm, also einem vom Hauptbau getrennten gepanzerten Turm mit Schießöffnungen. Der andere endete an einer Brunnenkammer. Gemeinsam mit dem Panzerwerk Nimsberg sollte der Katzenkopf einen nördlichen Eckpfeiler des Westwalls bilden und die Hauptverbindung zwischen Köln und Luxemburg sichern.
Das Düsseldorfer Infanterie-Regiment 39 besetzte das Werk bis nach dem Frankreichfeldzug 1940. Von Dezember 1944 bis zum Eintreffen amerikanischer Truppen im Februar 1945 waren dort erneut einige Soldaten und Mitglieder der Hitlerjugend untergebracht.
Autor ist seit seiner Kindheit an der Zeit des Zweiten Weltkriegs interessiert
Der gebürtige Göttinger interessiert sich seit seiner Kindheit für die Kriegsgeschichte, arbeitete in Frankfurt und wanderte 2019 nach Luxemburg aus. „Ich war so zehn oder elf, als ich im ZDF eine Reportage über den Krieg sah, und habe mich dann immer mehr mit dem Thema befasst“, sagt er. In Luxemburg habe er begonnen, sich intensiv mit seiner Familiengeschichte zu befassen. „Ich schrieb eine private Chronik. Bei der Arbeit stieß ich auf einen 1944 gefallenen Soldaten mit dem Namen Ernst Roßbach. Recherchen zeigten schließlich, dass er wirklich ein entfernter Vorfahre war – und schon war ich noch weiter im Thema drin.“
Mit der Zeit habe er quasi alle größeren Gedenk- und Dokumentationsorte im Grenzland besucht und schließlich damit begonnen, die Fakten und Erkenntnisse dieser Besuche niederzuschreiben. „Dass es nun ein Buch geworden ist, war so nicht von Anfang an geplant, aber nun liegt es eben vor.“
In einem Kapitel richtet er den Blick gezielt auf Irrel. Für ihn verdichtet sich am Katzenkopf die Geschichte eines Grenzraums, in dem deutsche Kriegsvorbereitung unmittelbar an das neutrale Luxemburg heranrückte.
Roßbach betrachtet das Bauwerk nicht als bloßes technisches Relikt. „Beton ist in diesem Fall politisch“, schreibt er. Die Nationalsozialisten präsentierten den Westwall als Schutzanlage. Tatsächlich entstand er aber in einem Staat, der den Krieg vorbereitete, gewaltige Materialmengen und zahlreiche Arbeitskräfte mobilisierte und die Bevölkerung mit der Vorstellung eines unüberwindbaren Bollwerks auf den Krieg einschwor.
Sprengungsversuche nach Kriegsende scheiterten
„Für mich ist das Besondere der Anlage neben ihrer geschichtlichen Bedeutung vor allem der Erhaltungszustand“, sagt Roßbach. Nach dem Kriegsende schien den Katzenkopf zunächst das gleiche Schicksal zu ereilen wie die meisten Bunker und Befestigungsbauten des Westwalls. Er sollte verschwinden.
1947 sprengte die französische Besatzungsmacht das Obergeschoss und ließ die Reste zuschütten. Die Bunker sind nämlich alles andere als leicht zu zerstören. „Man muss sich einfach vor Augen führen, wie massiv eine drei Meter dicke Stahlbetonwand ist. So was lässt sich nicht einfach demontieren, aber eben zuschütten“, sagt Roßbach. Im Falle des Panzerwerks Katzenkopf war das Vorgehen der Franzosen allerdings durchaus aus heutiger Sicht ein Glücksfall. „Durchs Zuschütten wurde die Anlage erst einmal versiegelt und so alles, was drin war, auch erhalten.“
Im Juli 1976 begann nämlich die Freiwillige Feuerwehr Irrel, die erhaltenen Strukturen wieder freizulegen und für Besucher herzurichten. Seit 1979 ist in drei begehbaren Geschossen das Westwallmuseum untergebracht. Nach Angaben der Stiftung Grüner Wall im Westen ist es die älteste der fünf Museumsgründungen in Rheinland-Pfalz, die sich ausschließlich mit dem Westwall befassen. „Dafür können wir heute nicht mehr genug danken.“
Auf den Betontrümmern erinnert heute eine Gedenkstätte an die Gefallenen und Vermissten des Füsilier-Regiments 39. Am Eingang steht der Satz: „Panzerwerk Katzenkopf. Einst Werkzeug des Krieges, heute Mahnung zum Frieden.“ Die Einrichtung als Museum ist aus heutiger Sicht nur zu begrüßen. „Ohne Orte wie diesen ist die Gefahr noch größer, dass Geschichte einfach immer weiter vergessen wird“, sagt der Autor. „Wenn wir schauen, was 1933 passiert ist, kann nur schwer übersehen werden, dass es erschreckende Parallelen gibt – hier stehen wir vor einer Anlage, die greifbar macht, wohin Geschichtsvergessenheit führen könnte“, sagt Roßbach.
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