ICE bekommt in München Konkurrenz durch Italo – Verkehrsminister will intervenieren

Die Deutsche Bahn bekommt voraussichtlich auch im Fernverkehr mehr Konkurrenz. Die Bundesnetzagentur machte am Freitag den Weg frei für den Markteintritt des italienischen Bahnunternehmens Italo. Dieses will als erstes ab München fahren.

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ICE bekommt in München Konkurrenz durch Italo – Verkehrsminister will intervenieren

Stand: 17.07.2026, 18:52 Uhr

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Italy Railway Transport.

Auf dem Weg nach München? Ein Zug von Italo. © IMAGO/Aleksander Kalka

Die Deutsche Bahn bekommt voraussichtlich auch im Fernverkehr mehr Konkurrenz. Die Bundesnetzagentur machte am Freitag den Weg frei für den Markteintritt des italienischen Bahnunternehmens Italo, das ab München starten will. Für den Fahrplan ab 2028 muss die Bahntochter DB InfraGo auf wichtigen Fernverkehrsstrecken Platz für Konkurrenten machen.

München/Bonn – Italo will ab 2028 mit Siemens-Zügen auf den stark frequentierten und daher profitablen Strecken München-Köln-Dortmund und München-Berlin fahren. Für ihr 3,5-Milliarden-Investment forderten die Italiener eine Garantie, dass sie ganze Bündel bestimmter Trassen mit festen Abfahrtszeiten erhalten. Das sagte die Bundesnetzagentur zwar nicht zu. Aber DB InfraGo wird nun verpflichtet, Trassen auf stark befahrenen Korridoren ab München und Frankfurt künftig nur noch zu maximal 60 bis 75 Prozent an ein einziges Unternehmen zu vergeben. Dann bleiben Trassen für Unternehmen wie Italo oder auch Flixtrain übrig.

Bedenken der EVG - wird Augsburg abgehängt?

Im Vorfeld hatten die Gewerkschaft EVG und einzelne Bundesländer (auch Bayern) vor der Marktöffnung des Fernverkehrs gewarnt. Sie befürchten „Rosinenpickerei“ und beschrieben ein Szenario, in dem die DB als Reaktion auf die Konkurrenz und Einnahmeverluste mit ihren ICE-Zügen manche Großstädte nicht mehr anfährt. Der Verband Mofair, der die Privatbahnen vertritt, warnte indes vor übergroßer Angst. Schließlich sei Italo mit geplanten 30 Zügen viel kleiner als die DB mit ihren 400 ICEs. Außerdem bezweifelt Mofair die Stichhaltigkeit der geäußerten Sorgen. Dass sogar der Augsburger Hauptbahnhof mit täglich 150 Fernzug-Abfahrten abgehängt werde, „dürfte mit der Realität nicht viel zu tun haben, zumal die Westbahn den Halt bereits heute bedient und Italo künftig dort halten würde“, heißt es in einer Stellungnahme vom Freitag. Allerdings ist auch Mofair kein nibelungentreuer Anhänger von Italo, zumal der Verband viele Nahverkehrsunternehmen als Mitglieder hat – die jetzt in Sorge sind, dass die Trassenvergabe von Italo zu ihren Lasten gehen könnte. Das müsse ausgewogen gestaltet werden, heißt es bei Mofair. Die Deutsche Bahn ist eine Spur härter unterwegs: Sie schließt rechtliche Schritte gegen den Beschluss der Bundesnetzagentur vor dem Verwaltungsgericht nicht aus.

Bayerns Verkehrsminister in Sorge

Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) reagierte. Er hatte schon vor mehreren Wochen kritisch geäußert. „Ich bedauere, dass weder meine Bedenken noch die vieler anderer Stimmen und Stellungnahmen aus dem Eisenbahninfrastrukturbeirat bei der Bundesnetzagentur für eine ausgewogeneres Vorgehen gesorgt haben“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Zeitungsgruppe „Münchner Merkur/tz“. Es sei aber nicht sicher, ob die Garantien für Italo ausreichten, „nachdem man dort ja eigentlich mehrjährige Trassensicherheit gefordert hat“. Er werde „alle Hebel in Bewegung setzen“, dass die Entscheidung der Bundesnetzagentur „nicht zulasten der Mobilität abseits der Metropolen führt“. Warnend fügte er hinzu: „Da gibt es schon noch die eine oder andere Stellschraube wie den Bundesrat oder die Verkehrsministerkonferenz.“ Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Bahnspezialist Matthias Gastel äußerte sich enttäuscht: „Ich hatte der Bundesnetzagentur eine ausführliche Stellungnahme mit Vorschlägen zukommen lassen.“ Leider, so Gastel weiter, „kann ich nicht erkennen, dass die Behörde irgendwelche Anregungen aus der Mitte des Deutschen Bundestags aufgegriffen hat“.