Hielten einst Krokodile im Ottoneum, heute Fische aus aller Welt
StartseiteKasselStand: 30.08.2026, 13:03 UhrKommentareUns auf Google folgenAustralien: Regenbogenfische tummeln sich in dem Becken mit 800 Litern Fassung. © Foto: Verein NympheaDer Verein für Aquarien- und Terr...
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Stand: 30.08.2026, 13:03 Uhr
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Der Verein für Aquarien- und Terrarienkunde Nymphaea betreibt in Kassel eine 80 Quadratmeter große Anlage mit vier Aquarien. Ewald Kunz ist mit 57 Jahren Mitgliedschaft das Vereinsgedächtnis.
Kassel – Mit routinierten Schritten bewegt sich Ewald Kunz zwischen Schläuchen, Becken und Eimern. Der 89-Jährige ist im hinteren Teil der Aquarienanlage des Vereins für Aquarien- und Terrarienkunde Nymphaea. Von hier aus kontrollieren Kunz und die anderen Mitglieder regelmäßig den Wasserzustand, füttern die Tiere und reinigen Becken.
Mit 57 Jahren Mitgliedschaft ist Ewald Kunz aus dem Verein am längsten mit dabei. Er gilt als das Gedächtnis des Vereins. Seit seinem Eintritt 1969 hat sich aber einiges getan. Früher beheimatete noch das Naturkundemuseum die Aquarien und Terrarien des Vereins. Denn auch wenn es sie heute nicht mehr gibt, wurde der Verein 1929 ursprünglich für Aquarianer und Terrarianer gleichermaßen gegründet. „Wir hatten Giftschlangen, eine Königspython und kleine Krokodile“, erinnert sich der Pensionär. Im Naturkundemuseum konnten Besucher sich die Python auf die Schultern legen lassen.

Wegen Umbauarbeiten musste der Verein die Museumsräume in den 90er-Jahren verlassen. Ein neues Zuhause fand er in der alten Druckerei an der Heinrich-Plett-Straße 44. Damit die Aquarianer die Räume entsprechend nutzen konnten, wurde drei Jahre lang intensiv alles entsprechend umgebaut. „Das war viel Schweiß- und Fleißarbeit der Mitglieder“, erinnert sich Kunz, der damals schon Geschäftsführer im Verein war.
Eröffnet wurde die 80 Quadratmeter große Anlage im Oktober 2000 mit fünf Aquarien. Heute stehen noch vier davon, und darin schwimmen Fische aus aller Welt. Ein Becken mit 1200 Litern ist als südamerikanisches Salmlerbecken angelegt. Drei Becken mit jeweils 800 Litern Inhalt sind als australisches Becken, als Becken mit Großcichliden – das sind Buntbarsche aus Süd- und Mittelamerika – und als südostasiatisches Becken angelegt. „Sie sollen die fünf verschiedenen Kontinente darstellen“, erklärt Kunz. Nur Europa könne man nicht anlegen, da man keine Fische aus den heimischen Gewässern entnehmen dürfe.
Der Anblick der erleuchteten Aquarien hat in dem ansonsten dunklen Raum eine beruhigende Wirkung. In dem australischen Becken tummeln sich die Regenbogenfische. Sie flitzen von rechts nach links, verstecken sich zwischen den Pflanzen. Im Becken daneben blitzen die bunten Farben verschiedener südostasiatischer Fische auf.
Die Unterwasserwelten werden von den Mitgliedern von Nymphaea selbst gebaut. Das erfordere viel mehr handwerkliches Geschick und Kreativität, als sich auf den ersten Blick vermuten lasse. Für den Bau nutzen sie Styropor oder Kunststoff, den sie dann verkleiden. Dazu kommen Pflanzen und Sand oder Erde – je nach natürlichem Lebensraum der Fische. Denn es sei für den Verein wichtig, dass die Tiere so lebten, wie auch zu Hause. „In unserer Satzung steht, dass wir Naturschutz betreiben und nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen die Tiere halten und pflegen.“
Heute ist der Verein nicht nur in der Zahl der Tiere, sondern auch in der Zahl der Mitglieder deutlich kleiner. „Leider ist das Interesse bei den Leuten nicht mehr so da“, sagt Ewald Kunz. Er sei deshalb besonders froh über Florian Röhl und Leon Schäfer, die beiden jüngeren Mitglieder im Verein, die seit 2023 auch die Vorstandsarbeit machen. Gemeinsam treffen sie sich mit den anderen aktiven Mitgliedern jeden Donnerstag von 19 bis 21 Uhr, um die Becken zu putzen und weiter am neuen Becken zu bauen. Das sei jedes Mal aufs Neue viel Arbeit, doch im Ergebnis sehr lohnenswert. Und für Ewald Kunz steht nach 57 Jahren fest: „Ohne den Verein würde mir etwas fehlen.“