Henschel-Glocke in Escherode erzählt ein Stück Geschichte
StartseiteLokalesHann. MündenStaufenbergStand: 24.07.2026, 06:41 UhrKommentareUns auf Google folgenGroße Freude in Escherode über diesen besonderen Fund: Küsterin Carmen Arndt, Pastorin Franziska Ede und Britta...
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Stand: 24.07.2026, 06:41 Uhr
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In Escherode hängt eine Bronze-Glocke aus dem Jahr 1794. Sie könnte die erste sein, die Georg Christian Carl Henschel unter eigenem Namen goss.
Escherode – Bis vor Kurzem wussten wohl nur wenige Escheröder, welcher besondere Schatz unter dem Dach ihrer denkmalgeschützten evangelisch-lutherischen Paul-Gerhardt-Kirche verborgen lag. Ein Anruf von Egbert Weisheit vom Henschel-Museum half weiter: Was zunächst wie eine gewöhnliche Kirchenglocke wirkte, entpuppte sich als außergewöhnliches Zeugnis nordhessischer Geschichte.

Pastorin Franziska Ede, Küsterin Carmen Arndt und Britta Werner vom Kirchenvorstand begaben sich daraufhin auf Spurensuche. Sie sichteten vorhandene Unterlagen und suchten den Austausch mit Nachfahren früherer Generationen, um möglichst viele Hinweise über die Geschichte der Glocke zusammenzutragen. Eine lückenlose Rekonstruktion ihrer Vergangenheit ist bis heute nicht möglich. Sicher ist jedoch: Die Glocke war bereits rund 150 Jahre alt, als sie die Kriegsjahre überstand.
Die Inschrift am Glockenhals gibt entscheidende Hinweise auf ihre Herkunft: „J. D. Hagedorn als Prediger. J. Bartels als Greve. GCC Henschel aus Cassel Fecitt 1794, G. Lambsbach I. H. Lambsbach Vorsteherin zu Erscheroda“. Weitere Namen am Glockenrand erinnern an Verantwortliche aus den damaligen Gemeinden Dahlheim und Escherode.
Für Egbert Weisheit vom Henschel-Museum, der zum Verbleib der Henschel-Glocken recherchiert, ist diese Inschrift ein besonderer Hinweis: Die Glocke gilt vermutlich als die erste Bronzeglocke, die Georg Christian Carl Henschel nach dem Tod seines Schwiegervaters im Jahr 1794 unter eigenem Namen gegossen hat. Damit steht sie am Beginn einer außergewöhnlichen Familien- und Unternehmensgeschichte. Aus der Kasseler Glocken- und Geschützgießerei entwickelte sich später die Henschel-Dynastie mit sechs Generationen, deren Unternehmen Nordhessen über viele Jahrzehnte prägte – insbesondere mit dem Bau von Lokomotiven und der Rüstungsproduktion.
Für Escherode ist die Glocke deshalb weit mehr als ein historisches Objekt. Sie verbindet das kleine Dorf mit der großen Industriegeschichte Kassels und weckt Erinnerungen an Generationen von Menschen, die mit Henschel als Beschäftigte verbunden waren oder selbst bei Reparaturen und Arbeiten rund um die Kirche geholfen haben.
Das Geläut der Paul-Gerhardt-Kirche besteht aus zwei Glocken. Die kleinere Henschel-Glocke kommt nicht bei jedem Läuten zum Einsatz, erklingt aber zu besonderen Anlässen und beim letzten Geläut. „Gerade dieser Gedanke macht die Geschichte noch einmal besonders emotional“, sagt Britta Werner.
Dass die Glocke heute noch im Kirchturm hängt und erklingt, ist keine Selbstverständlichkeit. Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Kirchenglocken als wertvoller Rohstoff für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt und eingeschmolzen. Warum die Escheröder Henschel-Glocke erhalten blieb, lässt sich heute nicht mehr vollständig nachvollziehen.
Von der Deutschen UNESCO-Kommission anerkannt, gehören Glockenguss und Glockenmusik seit 2025 zum Immateriellen Kulturerbe in Deutschland. Gewürdigt wird damit die lebendige Tradition der Herstellung und heutigen Nutzung dieser besonderen Kulturgüter. Die Escheröder Henschel-Glocke ist damit ein klingendes Zeugnis aus Bronze, das die Verbindung zwischen Dorfleben und der Geschichte Nordhessens bis heute hörbar macht.