Helikopter-Anreise zu Luxusresort in Südtirol: Anwohner wehren sich
StartseiteWeltStand: 24.07.2026, 17:59 UhrKommentareUns auf Google folgenMit Helikopter zum Luxushotel: Das Andreus Resort im Passeiertal spaltet Südtirol – Bürgermeister und Landeshauptmann reagieren mit Kriti...
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Stand: 24.07.2026, 17:59 Uhr
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Mit Helikopter zum Luxushotel: Das Andreus Resort im Passeiertal spaltet Südtirol – Bürgermeister und Landeshauptmann reagieren mit Kritik.
St. Leonhard – Weite Täler, unberührte Berglandschaften und vergleichsweise wenig Trubel – das Passeiertal gilt vielen Gästen und Einheimischen als einer der ruhigeren Rückzugsorte Südtirols. Gerade die Abgeschiedenheit und die intakte Natur locken seit Jahren Erholungssuchende an, die dem Alltag entfliehen wollen. Umso mehr Beachtung fand nun eine Ankündigung, die dieses Bild infrage stellt.

In einem mittlerweile gelöschten Social-Media-Post kündigte das Fünf-Sterne-Haus Andreus in St. Leonhard eine besondere Form der Anreise an: Wer möchte, soll ab sofort per Hubschrauber auf dem hoteleigenen Landeplatz eintreffen können – vorausgesetzt, Kennzeichen, Pilotenname und Abflugort werden vorab gemeldet. Innerhalb kurzer Zeit hagelte es online scharfe Kritik an dem familiengeführten Resort. Auch die Gemeindepolitik im Tal befasst sich bereits mit dem Thema.
Luxus-Resort in Südtirol wirbt mit Helikopter-Anreise – Anwohner üben Kritik
„Südtirol ist das Dubai der Berge“, kommentiert ein Anwohner auf Facebook. Ein anderer wird noch deutlicher und verweist auf die hohe Lärmbelästigung, die Wildtiere verschrecke und Einheimische vergraule. „Reine Spaß- und Komfortflüge gehören stark eingeschränkt, wenn nicht gar verboten. Es wird Zeit, dass wir uns wieder auf das besinnen, was Südtirol wirklich ausmacht, anstatt für den Showeffekt weniger Privilegierter die Lebensqualität aller anderen zu opfern.“ Südtirol verwandle sich in „ein Reservat für Jetset-Allüren“. Von den Gemeindeverwaltungen erwarte der Nutzer nun „ein klares Signal“.
Rettungs- und Ambulanzflüge würden von den Menschen im Tal ohne Weiteres akzeptiert, bestätigt Dominik Alber, Bürgermeister der benachbarten Gemeinde St. Martin in Passeier, bei stol.it. Bei privaten Lufttaxis oder Vergnügungsflügen sehe die Stimmungslage aber anders aus. Er habe zahlreiche Beschwerden erhalten. Für das Ansehen des Tourismus in der Bevölkerung sei ein solches Angebot seiner Einschätzung nach nicht förderlich. Seine Gemeinde selbst habe in dieser Sache allerdings keine rechtlichen Zuständigkeiten, da sich das Hotelareal offiziell auf dem Gebiet von St. Leonhard befinde.
Hotel bezieht Stellung: Heliport ist „ordnungsgemäß genehmigt“ – Landeshauptmann will neues Gesetz
Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media teilt Familie Fink, die das Resort führt, mit: „Wichtig ist uns zu betonen: Wir haben nicht vor, den Helikopterverkehr aktiv zu fördern. Unsere Gäste entscheiden sich bewusst für unser Haus, weil sie die Ruhe, die Natur, die sportlichen Möglichkeiten, die Erholung und unser Wellnessangebot schätzen.“ Der Heliport sei „ordnungsgemäß genehmigt“ und biete „im Bedarfsfall eine geordnete, sichere und rechtlich klare Lösung“. Zudem verweisen die Resortbetreiber auf Sicherheitsaspekte: Im Falle medizinischer Notfälle sei das Hotel für einen Notarzthubschrauber ausgestattet.
Landeshauptmann Arno Kompatscher positioniert sich laut stol.it in der Debatte deutlich. Er stellt klar: „Wir wollen das nicht und wollen es entsprechend regeln.“ Durch die jüngste Autonomiereform verfüge das Land nun über die Zuständigkeit für Umwelt- und Ökosystemfragen, wozu auch der Schutz vor Lärmbelastung zähle. Auf dieser Grundlage solle ein neues Gesetz entstehen, kündigte Kompatscher an.
Bisher konnte das Land nur innerhalb von Naturparks und Landschaftsschutzgebieten in den Flugverkehr eingreifen. Das soll sich ändern: Mit der Novelle ist vorgesehen, private und nicht zwingend erforderliche Hubschrauberflüge landesweit zu unterbinden oder stark zu limitieren. Weiterhin erlaubt blieben demnach Einsätze der Rettung und des Zivilschutzes sowie Flüge, die beruflich unumgänglich sind – ebenso denkbare Ausnahmen für Dreharbeiten. Da das Land selbst keine luftfahrtrechtlichen Befugnisse besitzt, setzt Kompatscher auf einen indirekten Hebel: Über das Landesgesetz soll die nationale Luftfahrtbehörde ENAC künftig verpflichtet werden, ökologische Kriterien bei der Genehmigung neuer Landeplätze mit einzubeziehen.
Private Freizeitflüge sorgen in Südtirol regelmäßig für Unmut
Auseinandersetzungen um Hubschrauberlärm und private Landungen sind in Südtirol kein neues Phänomen. Bereits im Mai dieses Jahres hatte ein ähnlicher Vorfall im Raum Jenesien, genauer in Flaas, für Diskussionen gesorgt: Dort war laut Südtirol News ein Hubschrauber auf einer freien Wiese niedergegangen, die Passagiere machten Fotos und kehrten anschließend in einem nahegelegenen Gasthaus ein.
Öffentlich wurde die Angelegenheit vor allem, weil die Grünen-Politikerin Brigitte Foppa den Fall auf Facebook aufgriff und ihn als Beispiel für die zunehmende Belastung durch private Freizeitflüge nannte. Die betroffenen Flugbetriebe wollten diese Darstellung nicht gelten lassen und argumentierten unter anderem mit dem Ausbildungsbedarf angehender Piloten. Landeshauptmann Kompatscher hatte schon in diesem Zusammenhang signalisiert, über strengere Regeln nachzudenken. (Quellen: Eigene Recherche, stol.it, Südtirol News) (jaka)