Gustav Mahler Jugendorchester in Kloster Eberbach: Ab Mezzoforte war Schluss
Das Gustav Mahler Jugendorchester spielte Mahlers 7. Sinfonie in der Basilika von Kloster Eberbach. Die Akustik des riesigen Tonnengewölbes verwandelte die Detail-Solo-Partien im Forte in reinstes Tohuwabohu.
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Stand: 30.08.2026, 13:02 Uhr
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Das Gustav Mahler Jugendorchester spielte Mahlers 7. Sinfonie in der Basilika von Kloster Eberbach. Die Akustik des riesigen Tonnengewölbes verwandelte die Detail-Solo-Partien im Forte in reinstes Tohuwabohu.
Man war beim Gastspiel des Gustav Mahler Jugendorchesters in der Basilika von Kloster Eberbach im Rahmen des Rheingau Musik Festivals auf einiges gefasst, gab es doch eine der zumindest in den Ecksätzen großmächtigen Kreationen Gustav Mahlers zu hören. Die 7. Sinfonie mit jenen wie aufgesetzt wirkenden Durchbruchs-Chorälen, die das Strahlende mit dem Dräuenden wuchtig vereinen.
Ein typisches Klang-Design des Wiener Hofoperndirektors Mahler, der im Zuge seiner Etablierung auf dem damals höchsten Posten des europäischen Musikbetriebs, der Leitung der Hofoper in Wien, seinen Hintergrund der bunten „Wunderhorn“-Herkunft abgelegt hatte und zu einem der exponierten Schöpfer gründerzeitlicher Gewaltigkeit freudig-düsterer Sinfonie-Narration geworden war.
In der Siebten sind die Beziehungen zu seiner vormaligen Klangsprache in den Mittelsätzen ins sacht oder krass Grollende transformiert mit Anlehnungen an Schmerzensgesten aus der „Parsifal“-Atmosphäre, die sich im Finale zur Jubel-Rhetorik im Bombastformat transformiert. Das Gustav Mahler Jugendorchester ist ein exponierter Klangkörper, der jetzt unter Leitung des zu den profiliertesten Dirigenten zählenden Philippe Jordan stand. Natürlich konnte der gute Wille im Chorraum des riesigen Tonnengewölbes an der Resonanzkraft der Halle nichts ändern. Ab Mezzoforte war Schluss mit Klangdifferenz, aus der statt dessen eine Art gründerzeitliches Heavy-Metal-Volumen wurde.
Die Unmenge der freigestellten Detail-Solo-Partien, die in einem Geflecht aus Differenz und Variabilität den Reizstoff des Ganzen bildet, war im Bereich Forte, gar Fortissimo, reinstes Tohuwabohu in e-Moll. Das fast nur in der Makroperspektive verfolgbare Geschehen hatte in den erschütternden Schlägen und Detonationen der Schlagwerkgruppe im Verein mit den Blech-Interventionen seinen einzigen Strukturgeber. In den Nachtmusiken der Sätze 2 und 4 und deren beruhigter Sphäre erschien so manches Detail unter dem basilikanischen Klangvergrößerungsglas wie ein Sonoritäten-Gigant.
Im Klangbrei
Immerhin ließen sich hier Qualitäten der Interpretation in ihrer feinen Artikulation erleben. Da man sich angesichts der Raum-Egozentrik der Klangabsonderung um so etwas wie Werktreue oder Differenzprofile keine Gedanken machen musste, konnte man sich dem An- und Abschwellen im aufkochenden und abkühlenden Klangbrei, der zuletzt noch Wagners Festwiese der „Meistersinger“ zu einer der „Meisterdröhner“ machte, ganz hingeben.