Rave-Party in Aarau: Schüsse töten 22-Jährige in Schweiz

Bei einer Party im Schweizer Aarau feiern Tausende, als Schüsse fallen. Eine 22-Jährige stirbt, fünf weitere Menschen werden verletzt. Die Fahndung nach dem Schützen läuft auch Hochtouren. Indizien sprechen gegen einen Anschlag.

  • 4 min read
Rave-Party in Aarau: Schüsse töten 22-Jährige in Schweiz

Nach der Schussattacke auf einer Techno-Party im Schweizer Kanton Aargau sucht die Polizei nach dem Täter. „Die Fahndung läuft landesweit auf Hochtouren“, sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Aargau am frühen Sonntagnachmittag auf einer Pressekonferenz. Das gesamte Polizeikorps des Kantons sei im Einsatz, hinzu kämen Spezial- und Sonderkräfte.

Auf dem Rave am Rande der Stadt Aarau ist in der Nacht zum Sonntag eine 22 Jahre alte Frau durch Schüsse getötet worden. Sie starb vor Ort. Vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren wurden leicht bis schwer verletzt. Alle Opfer haben ihren Wohnsitz in der Schweiz.

Ob es sich um einen oder mehrere Täter handelte, ist noch unklar. Daher sprach die Polizei von einer „Täterschaft“. Auch die Motive für die Tat liegen im Dunkeln. Dass sich der „dramatische Vorfall“ spät in der Nacht ereignet habe, also zu einem Zeitpunkt, als die meisten Besucher die Veranstaltung schon verlassen hatten, spreche gegen die Hypothese, es könnte sich um einen Anschlag gehandelt haben. Denkbar sei, dass es um eine (persönliche) Auseinandersetzung gegangen sei, durch die zufällig auch andere Personen getroffen worden seien, sagte der Polizeisprecher.

„Die meisten dachten, es seien Böller oder Feuerwerk“

Die Polizei sperrte das Gebiet rund um die Pferderennbahn weiträumig ab, um Spuren und Beweise zu sichern. Sie rief Augenzeugen dazu auf, ihr Videos und Bilder zur Verfügung zu stellen. Auch die deutsche Polizei nimmt an der Fahndung teil. Denn die Schweizer Ermittler gehen davon aus, dass die Täterschaft bereits aus der Region Aarau geflohen ist.

Rund 3000 Party-Gänger waren auf die Pferderennbahn von Aarau gekommen, um beim „Aarauer Rave Vol. 7“ zu elektronischer Musik zu tanzen. Der Ort im Kanton Aargau liegt rund 40 Kilometer westlich von Zürich.

Ein Augenzeuge berichtete im Regionalfernsehsender Tele M1, dass am Ende der Veranstaltung um etwa halb drei Uhr morgens mehrfach ein Knallen zu hören gewesen sei. „Die meisten dachten, es seien Böller oder Feuerwerk.“ Doch nachdem einige gerufen hätten, „geht runter, es wird geschossen“, hätten sich die Leute hinter der Bar und dem Kühlschrank versteckt. Eine Frau in seiner Nähe sei verletzt worden und habe schwer geblutet. „Sie hatte einen Schuss in die Brust und wohl einen Streifschuss an den Hals bekommen.“

„Wir wollten helfen, aber konnten nichts machen“

Mehrere Besucher hätten vergeblich versucht, sie zu reanimieren. „Die Frau starb vor unseren Augen. Wir wollten helfen, konnten aber nichts machen. Das geht einem schon nahe“, sagte der Augenzeuge. Nach rund 30 Minuten sei die Polizei eingetroffen. „Die ganze Situation war sehr schlimm“, sagte der Mann. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass hier jemand kommt und schießt.“

Der Aargauische Rennverein betreibt die Pferderennbahn als Veranstaltungsort. Ein Vertreter des Rennvereins sagte gegenüber Journalisten, der Verein vermiete die Rennbahn seit Jahren für den Rave; bislang seien die Veranstaltungen aus seiner Sicht problemlos verlaufen und das Sicherheitskonzept habe funktioniert.

Als Veranstalter fungierte die Zürcher Eventagentur Agency Events AG. Deren Geschäftsführer Olivier Grein schrieb auf Instagram: „Wir sind schockiert. Und erschüttert. Und traurig. Der hinterhältige Anschlag auf die Gäste des Aarauer Raves hat unsere Herzen gebrochen.“ Ein Rave solle immer ein Ort der Freude und der Liebe sein, niemals ein Ort, an dem Menschen getötet, verletzt und in Angst versetzt werden. Grein sprach den Angehörigen und Freunden der Opfer seine aufrichtige Anteilnahme aus und versprach, alles zu tun, um die Polizei bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Waffen sind im Land weit verbreitet

Am Sonntagvormittag hatte sich der DJ Tekibo auf Instagram zu Wort gemeldet. Der Schweizer hatte kurz vor der Attacke noch Musik aufgelegt. Was geschehen sei, sei herzzerbrechend. Techno und Raves stünden für Freiheit und Sicherheit. Er versuche nun, das Geschehene zu verarbeiten. Dafür die richtigen Worte zu finden, falle ihm schwer, denn er habe eine wichtige Freundin verloren. Sein Eintrag endete mit dem Kürzel „RIP M“. Das bedeutet „Rest in Peace“, also „Ruhe in Frieden“.

In der Schweiz sind Schusswaffenangriffe sehr selten. Waffen sind in der Alpenrepublik jedoch weit verbreitet. Mangels eines landesweiten Registers ist es schwierig, ihre genaue Anzahl zu ermitteln. Laut dem Schweizer Studienprogramm Small Arms Survey kamen im Land im Jahr 2017 fast drei Waffen auf zehn Einwohner. Damit lag die Schweiz weltweit auf Platz 16 bei der Anzahl der Waffen pro Kopf.