Goldpreis unter Druck: Ist Gold noch ein sicherer Hafen?
Gold hat sich binnen weniger Monate um 30 Prozent verbilligt. Die starken Schwankungen bei dem Edelmetall beunruhigen Investoren und Zentralbanken. Wie sind jetzt die weiteren Aussichten?
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Kursrutsch beim Edelmetall Gold kein sicherer Hafen mehr?
Stand: 24.07.2026 • 06:05 Uhr
Gold hat sich binnen weniger Monate um 30 Prozent verbilligt. Die starken Schwankungen bei dem Edelmetall beunruhigen Investoren und Zentralbanken. Wie sind jetzt die weiteren Aussichten?
Wenn Krieg herrscht und die Börsen schwanken, suchen Anleger normalerweise Schutz im sicheren Hafen Gold. Doch zuletzt funktionierte diese alte Regel kaum noch. Seit dem Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar Ende Januar ist der Preis zeitweise um fast 30 Prozent eingebrochen.
Goldpreis: erst Rekordrally, dann Kursrutsch
Ein Grund für den Absturz: Die Rally war zuvor schlicht zu weit gelaufen. "Das ist einfach zu viel gewesen in kurzer Zeit, da war zu viel Spekulation drin", betont Michael Blumenroth, Rohstoffexperte von Deutsche Bank Research, gegenüber der ARD-Finanzredaktion.
Bereits 2024 begann der große Run aufs Gold, der Preis legte um rund ein Viertel zu. 2025 beschleunigte sich die Rally dann noch einmal drastisch: Der Goldpreis stieg um 67 Prozent und erreichte im Jahresverlauf 53 neue Allzeithochs.
Gold schwankte stärker als Bitcoin
Der Rückschlag ist damit auch eine Korrektur der vorherigen Übertreibung. Zumal Gold zu Jahresbeginn selbst inflationsbereinigt so teuer gewesen sei wie nie zuvor, betont Rohstoffexperte Thomas Benedix von Union Investment im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Insofern sei der jüngste Preisrückgang "ganz gesund".
Der Rückgang allein ist aber gar nicht das größte Problem. Schwerer wiegt, wie unruhig der Markt zuletzt geworden ist - ablesbar an der stark gestiegenen Volatilität. "Gold war zeitweise sogar schwankungsanfälliger als der Bitcoin", so Benedix. Das habe auch viele Zentralbanken abgeschreckt, die daraufhin ihre Goldkäufe verlangsamt haben.
Einige Notenbanken wollen Goldreserven erhöhen
Nun könnte allerdings ein Wendepunkt erreicht sein. Laut einer aktuellen Umfrage des World Gold Council, der Interessenvertretung der internationalen Goldbergbauindustrie, erwarten 89 Prozent der befragten Zentralbanken, dass die weltweiten Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten steigen. 45 Prozent wollen auch die eigenen Bestände erhöhen: ein Rekordwert.
Warum steigende Zinsen den Goldpreis belasten
Gegen weitere Kurssteigerungen sprechen allerdings die Zinserwartungen. Diese sind zuletzt gestiegen - vor allem wegen höherer Ölpreise und der damit verbundenen Inflationsrisiken infolge des Iran-Kriegs. Die Futures-Trader erwarten derzeit für September eine erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank und eine weitere im April 2027. Zum Vergleich: Zu Jahresbeginn hatten die Finanzmärkte für 2026 noch mit zwei Zinssenkungen der US-Notenbank gerechnet.
Steigende Zinsen belasten den Goldpreis, denn das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. "Und wenn jetzt andere als sicher geltende Anlagen, beispielsweise deutsche oder amerikanische Staatsanleihen, höhere Zinsen abwerfen oder die Aussicht auf höhere Zinsen besteht, dann wird Gold aus relativer Sicht weniger attraktiv", unterstreicht Rohstoffexperte Benedix.
Hält die Marke von 4.000 Dollar?
Doch wie geht es jetzt weiter? Die Marke von 4.000 Dollar gilt vor allem psychologisch als wichtige Unterstützung. Zuletzt hatte sich der Goldpreis etwas erholt und lag wieder darüber.
"Ich kann nicht ausschließen, dass wir nicht noch einmal einen Rückschlag sehen werden, der uns unter die 4.000 Dollar je Unze führt", sagt Deutsche-Bank-Experte Blumenroth. "Allerdings sieht es momentan schon so aus, als würden die Märkte schauen, ob sich da doch ein Boden findet."
Gold weiter im Abwärtstrend
Der World Gold Council erwartet für die zweite Jahreshälfte eher eine Seitwärtsbewegung; neue Konjunktursorgen oder eine weitere geopolitische Eskalation könnten den Goldpreis jedoch wieder antreiben.
Rohstoffexperte Benedix von Union Investment ist skeptisch: Gold befinde sich immer noch in einem Abwärtstrend und sei - auch gemessen an fundamentalen Kriterien wie etwa den Minenproduktionskosten - weiterhin teuer. "Unser Kursziel für Gold zum Jahresende 2026 liegt daher bei 3.900 Dollar je Unze, also etwas niedriger als das aktuelle Niveau."
Image als sicherer Hafen angekratzt
Entscheidend für die weiteren Perspektiven am Goldmarkt bleibt die weitere Entwicklung im Iran-Krieg, denn davon hängen zentral der Ölpreis und damit die Inflationsrisiken und die weitere Zinsentwicklung ab. Ein nachhaltige Entspannung könnte daher nicht nur Aktien, sondern auch den Goldpreis antreiben.
Wer Gold aber in erster Linie als Absicherung gegen Kursturbulenzen an den Aktienmärkten hält, muss auch beim Edelmetall mit erheblichen Schwankungen rechnen. Das haben die vergangenen Monate eindrücklich gezeigt. Der vermeintliche sichere Hafen ist deutlich unruhiger geworden.