Genfer Appell kämpft weltweit für Einhaltung der Regeln im Krieg
Genfer Appell Ein Walliser Humanist ruft Kriegsherren das Recht in Erinnerung Der Walliser Alain Délétroz versucht, Kriegführende zu überzeugen, Zivilisten z...
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Genfer Appell Ein Walliser Humanist ruft Kriegsherren das Recht in Erinnerung
Der Walliser Alain Délétroz versucht, Kriegführende zu überzeugen, Zivilisten zu verschonen – in einer Zeit, in der das internationale Recht erodiert.
29.08.2026, 14:00
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Die Organisation «Genfer Appell» ist mit 200 bewaffneten Gruppen in aller Welt im Gespräch – mit dem Ziel, ihr Bewusstsein für die Genfer Konventionen und die darin enthaltenen Regeln der Kriegführung zu schärfen.
«Keine einzige nationale Armee, die in Kampfhandlungen verwickelt ist, verhält sich angemessen»: Alain Délétroz, Leiter der Organisation «Genfer Appell»
SWI/Mark Henley
Der Walliser Alain Délétroz leitet die Organisation seit 2017. Was ihn dabei antreibe, sei der «Glaube an die Menschlichkeit». Schon als junger Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sei ihm aufgefallen, «dass dieser Funke Menschlichkeit auch in den Herzen von Menschen zu finden ist, die die schlimmsten Verbrechen begangen haben», sagt er.
Zweigstellen in aller Welt
Damit der «Genfer Appell» mit den kriegführenden Parteien ins Gespräch kommen und ihr Vertrauen gewinnen kann, ist ein ausgezeichnetes Verständnis der Lage vor Ort erforderlich. Dafür hat die unabhängige Organisation mit einem Jahresbudget von rund 20 Millionen Franken ein Netz internationaler Zweigstellen aufgebaut.
«Es sind nicht mehr die Mitarbeiter aus der Genfer Zentrale, die einfliegen, um Gespräche in Gang zu bringen. Diese Aufgabe übernehmen nun unsere Mitarbeiter vor Ort», erläutert Délétroz. Als Leiter der Organisation reist er erst später dorthin, wenn sich die Gelegenheit ergibt, sich mit hochrangigen Kommandanten zu treffen.
Wie gelingt es ihm, Kriegsherren von seinem Anliegen zu überzeugen? Juristische Argumente allein genügten nicht. «Man muss versuchen, herauszufinden, was in ihrer Denkweise oder Ideologie es einem ermöglicht, Verbindungen aufzubauen», sagt er. Es gebe «keine festgelegte Formel».
Als Privatperson falle ihm das in bestimmten Konfliktsituationen schwer, räumt er ein. Entscheidend sei aber, die humanitäre Neutralität zu bewahren und politische Überlegungen beiseite zu lassen. «Wir diskutieren nicht die Gründe, warum Menschen kämpfen, sondern vielmehr die Art und Weise, wie sie dies tun, und ihre Verantwortung gegenüber der Zivilbevölkerung», betont er.
Erosion des humanitären Rechts
Die Aufgabe des «Genfer Appells» war vielleicht noch nie so schwierig wie heute. Délétroz beklagt die «Aushöhlung des humanitären Völkerrechts», von der Ukraine über den Sudan bis zum Gazastreifen. Und er hält fest: «Keine einzige nationale Armee, die in Kampfhandlungen verwickelt ist, verhält sich angemessen.»
Im Nahen Osten zum Beispiel hätten ihm nach den israelischen Bombenangriffen auf den Gazastreifen mehrere Anführer bewaffneter Gruppen gesagt: «Kommt uns nicht mehr mit den Genfer Konventionen. Wenn sich solche Gräueltaten vor unseren Augen abspielen können, ohne dass jemand auch nur mit der Wimper zuckt, warum sollten wir uns dann an diese Regeln halten?»
Délétroz nennt einen weiteren Faktor, der die Arbeit seiner Organisation komplizierter gemacht hat: «Die grösste Veränderung in den letzten zehn Jahren ist das Gebiet auf der Weltkarte, das von bewaffneten Gruppen kontrolliert wird.» Dieses Gebiet habe sich erheblich ausgeweitet und umfasse mittlerweile mehr als 200 Millionen Menschen. Einige Milizen seien zu «De-facto-Behörden» geworden, die ganze Gebiete verwalten.
Trotzdem hat der Walliser die Zuversicht nicht verloren. «Was mich motiviert, ist zu sehen, wie Menschen, die früher Straftaten begangen haben, ihr Verhalten ändern, Regeln für ihre Gruppen aufstellen und Verstösse ahnden. Das gibt uns die Kraft, weiterzumachen.»
Tagesschau, 21.8.2026, 19:30 Uhr;liea