Wahlen in Sachsen-Anhalt: Merz verlässt CDU-Zentrale vor Ergebnis
Die CDU halbiert ihr Wahlergebnis, die AfD hat ihr Ergebnis mehr als verdoppelt – und könnte erstmals in einem Bundesland an die Macht kommen. Kanzler Merz stehen schwierige Wochen bevor.
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Aktualisiert7. September 2026, 09:07
CDU erschüttertFriedrich Merz fuhr um 22.16 Uhr weg – ohne Kommentar
Die CDU halbiert ihr Wahlergebnis, die AfD hat ihr Ergebnis mehr als verdoppelt – und könnte erstmals in einem Bundesland an die Macht kommen. Kanzler Merz stehen schwierige Wochen bevor.


Darum gehts
- Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt bringt Bundeskanzler Friedrich Merz in ernsthafte Schwierigkeiten – auch in der eigenen Partei.
- Die CDU fuhr mit 17,2 Prozent der Stimmen ihr bislang schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein, während die AfD 23 Prozentpunkte zulegte.
- Am 20. September drohen der CDU weitere Verluste bei den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Die Wahlen in Sachsen-Anhalt haben sich für CDU-Kanzler Friedrich Merz zum Desaster entwickelt. Seine Partei holte 17,2 Prozent der Stimmen – bei der Landtagswahl im Jahr 2021 waren es fast zwanzig Prozent mehr.
Wie «T-Online» berichtet, verfolgte der amtierende Bundeskanzler die Wahlen von der CDU-Zentrale aus in Berlin. Um 22.16 Uhr verliess er diese. Die Nachrichtenagentur dpa hat den Moment in einem Bild festgehalten. Das definitive Wahlergebnis stand da noch nicht fest, es kam erst gegen drei Uhr morgens. Klar war zum Zeitpunkt des Abgangs von Bundeskanzler Merz, dass seine Partei ein noch schlechteres Ergebnis einfahren würde, als erwartet worden war.

Kein Kommentar von Merz
Die Kommentierung überliess Merz an diesem Abend wie üblich seiner Generalsekretärin Franziska Hoppermann, die erst seit ein paar Wochen im Amt ist. «In jedem Fall ist es ein sehr schweres Ergebnis für uns und macht auch was mit uns als Christdemokraten», lautet ihr erster Satz. Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), spricht von einer «Zäsur».
Grosser Gewinner der Wahlen in Sachsen-Anhalt ist die rechtsgerichtete AfD. Sie holte 23 Prozentpunkte mehr Stimmen im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2021, verfehlte die absolute Mehrheit aber knapp. Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat das Potenzial, auch die Bundespolitik zu erschüttern und Bundeskanzler Friedrich Merz in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen.
Wie geht es weiter?
Wie es in Sachsen-Anhalt nun weitergeht, ist noch offen. Es kann sein, dass erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei auf Landesebene an die Macht kommt – auch wenn das wahrscheinlich nur mit Unterstützung geht. Das BSW ist nach den letzten Hochrechnungen das Zünglein an der Waage.
Sicher ist dagegen, dass die Suche nach den Schuldigen für das Wahldebakel auch nach Berlin führen wird. Konkret: ins Kanzleramt. Es ist sicher davon auszugehen, dass Merz aus seiner eigenen Partei dafür mitverantwortlich gemacht wird.

Spitzenkandidat Schulze hat sich in den vergangenen Wochen immer wieder beschwert, dass sein Wahlkampf negativ von der Bundespolitik überlagert werde. Eine eigentlich kurz vor der Wahl geplante Sitzung des CDU-Bundespräsidiums in Magdeburg wurde daher wieder abgesagt und der Kanzler bei seinen beiden Besuchen im Wahlkampf regelrecht versteckt. In Quedlinburg und Leuna gab es keinen Kontakt zu den Wählern – nur kurze Statements für die Journalisten ohne Fragemöglichkeit.
Der Kanzler wird argumentieren, dass die Mitte dem Druck von rechts aussen nun erst recht standhalten müsse. Wenn sie sich selbst zerlegen würde, hätte die AfD ein weiteres Ziel erreicht. Vielleicht setzt Merz darauf, dass der Zusammenhalt der Koalition sogar gestärkt werden könnte.
Auch die Wahlen in zwei Wochen haben es in sich
Von den Ergebnissen der beiden Landtagswahlen am 20. September in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hängt auch ab, wie gefährlich es im Herbst für Merz wird. In Berlin droht der CDU der Verlust des Amtes des Regierenden Bürgermeisters – möglicherweise an die Linke. In Mecklenburg-Vorpommern könnte sie – wenn es ganz schlecht läuft – unter die Zehn-Prozent-Marke auf Platz 4 abstürzen.
Auch dort könnte sich bei der Bildung einer Regierung jenseits der AfD die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der Linken stellen. Die Debatte über einen Kanzlertausch könnte dann wieder voll ausbrechen – Ausgang offen.

Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.

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