Frankfurter Einzelhandel bleibt auf WM-Trikots sitzen
StartseiteSportFußballStand: 17.07.2026, 17:30 UhrKommentareUns auf Google folgenNach dem frühen Aus der deutschen Mannschaft stapeln sich Fanutensilien in Frankfurter Geschäften. Nur das Auswärtstrikot verkauf...
- 3 min read
Stand: 17.07.2026, 17:30 Uhr
Kommentare
Nach dem frühen Aus der deutschen Mannschaft stapeln sich Fanutensilien in Frankfurter Geschäften. Nur das Auswärtstrikot verkauft sich noch.
Noch immer türmen sich Schals, T-Shirts und Mützen in Schwarz-Rot-Gold im und vor dem Ebbelwei-Souvenirshop auf dem Römerberg. Eigentlich sollte jetzt, zum Ende der Fußball-WM, das meiste davon längst vergriffen sein. Shopbetreiber Gaurav Sharma steht ratlos hinter seinem Tresen und stemmt die Hände in die Hüften. „Normalerweise verkaufen wir viel mehr“, erzählt er. Weil das deutsche Team so früh aus dem Turnier ausgeschieden ist, habe sein Geschäft spürbar gelitten.
Beim Snipes-Store auf der Zeil verhält es sich ein wenig anders, da hier auch die Outfits anderer Länder zu erwerben sind. „Wir haben schon gemerkt, dass es mit den deutschen Trikots weniger wurde, nachdem wir raus waren“, sagt Mitarbeiter Tim Wagner. „Die DFB-Produkte sind aber immer noch die beliebtesten, vor allem das türkis-blaue Auswärtstrikot“, verrät der 21-Jährige. Ausgerechnet dieses hatte in den sozialen Netzwerken viel Spott abbekommen. Es erinnere an einen Schlafanzug, war dort oft zu lesen.
Ein paar Meter weiter im Galeria-Kaufhaus warten ebenfalls noch viele WM-Waren auf Abnehmer:innen. Durchaus präsent hängen hier schon die roten „Sale“-Schilder, um Schnäppchenpreise zu signalisieren. An diesem Mittag ist es ruhig in der vierten Etage. Dabei gab es Zeiten, in denen selbst zum Ende eines Turniers keine Lockangebote nötig waren. Das zunächst häufig verlachte pinkfarbene Trikot bei der Heim-EM 2024 etwa sollte am Ende zum echten Verkaufsschlager werden.
Auch die Gastronomie hätte stärker profitieren können, wenn die DFB-Elf länger im Turnier geblieben wäre. Im Bull & Bear an der Börse laufen auf den vielen Bildschirmen die Wiederholungen vergangener Partien. „Bei den Deutschland-Spielen war es hier richtig voll, bis zu 300 Leute“, sagt Co-Betreiber Claudio Casellini. Da die Anstoßzeiten aber oft mitten in der Nacht gelegen haben, sei es jedoch nicht immer möglich gewesen, Gäste zu bewirten. Das habe sich auch im Umsatz niedergeschlagen, meint der 35-Jährige. Dabei habe man eigens für die WM eine spezielle Karte mit reduziertem Angebot entwickelt. „Wenn wir unser volles À-la-carte-Menü angeboten hätten, wären wir gar nicht hinterhergekommen“, erzählt Küchenchef Tobias Schiffre.
Etwas euphorischer gibt sich Pjeter Dushi vom Mega Disco Stadl in Alt-Sachsenhausen. Für das Finale am Sonntag seien alle Plätze im Außenbereich schon innerhalb weniger Stunden ausgebucht gewesen. „Nebenan ist ja noch der Latino-Club, das hatte für uns auch Vorteile“, erklärt er. Bei der Finalkonstellation Spanien gegen Argentinien sei dieser Effekt umso stärker. Insgesamt sei die WM für ihn zufriedenstellend verlaufen, auch wenn sich Deutschlands frühes Ausscheiden hier ebenso auf die Finanzen ausgewirkt habe.
Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. „Unsere Mitglieder haben uns gespiegelt, dass es kein Sommermärchen war“, sagt Gisbert Kern, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen. „Die Stimmung war dieses Jahr generell verhaltener, was auch mit den späten Uhrzeiten zu tun hat.“ Positive Worte findet Kern für die Stadt, die sich der Gastronomie gegenüber unterstützend gezeigt habe.
Viele Frankfurter Fans werden das Finale vermutlich zu Hause schauen. Mit gemischten Gefühlen und schon dem Blick nach vorn auf Jürgen Klopp und die kommende Europameisterschaft in zwei Jahren. So wie Gaurav Sharma, der dann in seinem Souvenirshop wieder deutsche Fanartikel anbieten will. „Ich hoffe sehr, dass wir da besser abschneiden“, sagt der 39-Jährige. Das sei wichtig – fürs Herz und auch für die Kasse.