Frank Plötzer aus Günsterode ist Wanderschäfer aus Leidenschaft

Der Günsteröder ist seit 1972 im Geschäft und wollte sich auch im Ruhestand nicht von seinen Tieren verabschieden. Seine 18-jährige Tochter Paula möchte nun in seine Fußstapfen treten.

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Frank Plötzer aus Günsterode ist Wanderschäfer aus Leidenschaft

Stand: 29.08.2026, 14:00 Uhr

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Wanderschäfer Frank Plötzer ist mit seinen Hunden Lady und Emmi unterwegs

Alles im Blick: Wanderschäfer Frank Plötzer ist mit seiner Herde unterwegs. © Birkholz, Johanna

Der Günsteröder ist seit 1972 im Geschäft und wollte sich auch im Ruhestand nicht von seinen Tieren verabschieden. Seine 18-jährige Tochter Paula möchte nun in seine Fußstapfen treten.

Kehrenbach – Die Aufregung steigt während der Fahrt durch den Wald, zumindest im Kofferraum. Denn da sitzen Emmi und Lady und können es kaum abwarten, ihren Arbeitstag zu starten. Die beiden Hütehündinnen sind die Kolleginnen von Wanderschäfer Frank Plötzer.

Wanderschäfer Frank Plötzer ist mit seinen Hunden Lady und Emmi unterwegs

Erfreuen sich am grünen Gras: 180 Schafe gehören zur Herde von Wanderschäfer Frank Plötzer. © Birkholz, Johanna

Der lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Erst auf sein Signal geht es los. Zunächst gibt es auch noch gar nichts zu tun für die beiden Hunde, denn die Schafe sind noch sicher eingezäunt auf einem Stück Wiese im Wald nahe Kehrenbach. Dort bleiben sie nachts, tagsüber können sie sich dann am frischen Gras außerhalb der Weidefläche bedienen. Denn dann kommt Frank Plötz und kümmert sich um seine Schützlinge. Der Schäfer öffnet den Zaun und schon strömen 13 Ziegen und 180 Schafe und Lämmer heraus. Das ist auch der Moment, auf den Lady und Emmi sehnsüchtig gewartet haben.

Mit Begeisterung schießen die beiden los und treiben die Schafe. Dabei ist die Aufgabe der Hunde, dafür zu sorgen, dass die Schafe nicht auf den Waldweg – die sogenannte Furche – laufen und auch nicht im Unterholz verschwinden. Eines merkt man dabei schnell: Genau für diese Aufgabe sind diese Hunde gemacht. Die drei- und sechsjährigen Altdeutschen Hütehunde sind ganz in ihrem Element. Selbst die zwölfjährige Senior-Hündin Biene, die an diesem Tag zu Hause geblieben ist, ist nicht zu bremsen, wenn sie ihrem Job nachgehen darf, sagt Plötzer.

Die Hunde hat der Schäfer selbst gezüchtet und ausgebildet, denn wenn einer weiß, worauf es bei einem Hütehund ankommt, dann der 68-Jährige. Schließlich ist Frank Plötzer schon seit 1972 im Geschäft. Damals trat er die Ausbildung zum Schäfer in der DDR an. Später war er lange Jahre angestellter Schäfer und wanderte mit großen Herden durch Kassel, ließ sie beispielsweise auf dem Buga-Gelände und der Karlsaue weiden. Seine Berufswahl hat der Günsteröder nie bereut: „Für mich gab es immer nur die Schäferei, nie etwas anderes. Man muss es lieben oder lassen.“

So schnell sich die Tiere in Bewegung gesetzt haben, um aus ihrer Koppel zu laufen, so schnell ist auch wieder Ruhe eingekehrt. Die Schafe fressen das hohe Gras, die Ziegen knabbern an Büschen und kleinen Bäumen und die beiden Hunde passen auf, dass kein Tier abhandenkommt. „So ist es doch schön“, sagt Plötzer und lehnt sich auf seinen Schäferstab. Die Ruhe des Waldes, das Zwitschern der Vögel und ab und zu das Blöken eines Schafs – es ist wirklich idyllisch. Verständlich, dass Frank Plötzer früh vom Schäfervirus gepackt und nie wieder losgelassen wurde.

„Das ist das Schäferleben“, sagt Plötzer und lässt den Blick über seine Herde schweifen. Allerdings gehöre noch viel mehr dazu. Die Schafe müssen geschoren und die Klauen geschnitten werden, außerdem muss er täglich die Gesundheit seiner Tiere überprüfen. Wasser und zusätzliches Mineralfutter müssen ebenfalls aufgefüllt werden. Auch das Wetter spielt nicht immer so mit, wie an diesem Vormittag, sagt Plötzer. Seine Schafe stehen das ganze Jahr über im Freien, also muss auch der Schäfer bei Wind und Wetter vor die Tür. Genau deswegen werden sie auch nur einmal im Jahr geschoren, denn die Wolle schützt gleichermaßen vor Hitze und Kälte, erklärt der Experte.

Vom Schäferleben verabschieden wollte sich Plötzer nicht, als er in den Ruhestand ging. Also wurde kurzerhand eine eigene Herde angeschafft. Mit seiner kleinen Herde – eine große Herde könne auch schon mal 1000 Tiere umfassen – ist er jetzt im Kreisteil Melsungen unterwegs. Auftraggeber sind oft Eigentümer von Weiden und Wiesen und das Melsunger Forstamt, denn Schafe und Ziegen pflegen die Wiesen und halten Gras und Gestrüpp im Zaum und düngen sie gleichzeitig auch.

Nach einer Weile haben die Schafe die Wiese neben ihrer Koppel fürs Erste genug gepflegt. Also geht es mit vereinten Kräften von Plötzer, Lady und Emmi zurück ins eingezäunte Gebiet. Feierabend, auch für die Hütehunde, die davon allerdings wenig begeistert scheinen.

Wanderschäfer Frank Plötzer ist mit seinen Hunden Lady und Emmi unterwegs

Bleiben zusammen: Die Schafe und Ziegen wissen, was von ihnen erwartet wird. © Birkholz, Johanna

Übrigens, auch wenn es immer weniger Wanderschäfer gibt: Für Frank Plötzers Herde sieht die Zukunft dennoch rosig aus. Seine 18-jährige Tochter Paula hat die Leidenschaft ihres Vaters geerbt und möchte als Wanderschäferin in seine Fußstapfen treten.