Trump kriegt Doppelbesuch im Weißen Haus: Selenskyj und Netanjahu kommen wegen Ukraine und Iran-Krieg nach Washington
StartseitePolitikFR-üh dran: Drei Männer, ein Oval Office – Trump trifft Selenskyj und NetanjahuStand: 28.07.2026, 06:09 UhrKommentareUns auf Google folgenTrump empfängt Selenskyj und Netanjahu im Weißen Haus. ...
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FR-üh dran: Drei Männer, ein Oval Office – Trump trifft Selenskyj und Netanjahu
Stand: 28.07.2026, 06:09 Uhr
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Trump empfängt Selenskyj und Netanjahu im Weißen Haus. Zwei Kriege, ein Gastgeber – was auf dem Spiel steht, lesen Sie im FR-üh dran.
Washington, D.C. – FRüh Radar – das steht heute an: Heute ist Washington der Nabel der Welt. US-Präsident Donald Trump empfängt am Dienstag gleich zwei Staatschefs im Weißen Haus: den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Beide Treffen finden am selben Tag statt – am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham, der Anfang Juli im Alter von 71 Jahren überraschend gestorben ist. Graham war ein enger Vertrauter Trumps und langjähriger Unterstützer der Ukraine.
Sein Tod ist der äußere Anlass für die Reisen nach Washington – die eigentliche Agenda aber ist eine andere: Es geht um Krieg und Frieden, um Waffenlieferungen und Waffenstillstände, um zwei der drängendsten Konflikte unserer Zeit. Was heute in diesen Gesprächen gesagt – oder eben nicht gesagt – wird, kann die Lage in der Ukraine und im Nahen Osten entscheidend beeinflussen. Wir erklären, was hinter den Kulissen dieser ungewöhnlichen Doppelaudienz steckt und was die Treffen für die Zukunft bedeuten könnten.

Die Ausgangslage
Wir fassen zusammen, wie es dazu kam: Die Beziehung zwischen Trump und Selenskyj war lange alles andere als herzlich. Im Februar 2025 demütigte Trump den ukrainischen Präsidenten bei einem Treffen im Weißen Haus öffentlich – ein Auftritt, der weltweit für Entsetzen sorgte. Seitdem hat sich das Verhältnis der beiden Männer jedoch merklich gewandelt. Trump bezeichnete Selenskyj zuletzt als „mutig“ im Kampf gegen Russland, wie ZDFheute berichtet. Auch ein symbolisches Signal aus der jüngsten Vergangenheit unterstreicht die Annäherung: Selenskyj traf sich in dieser Woche mit der rechtsgerichteten US-Influencerin und Trump-Vertrauten Laura Loomer, die ihre früher ablehnende Haltung gegenüber der Ukraine inzwischen revidiert hat. Trump teilte einen Beitrag Loomers über das Treffen auf seinen sozialen Medien und kommentierte es mit den Worten: „Very good!!“, wie Euronews berichtet.
Parallel dazu stocken die Friedensbemühungen der USA im Ukraine-Krieg. Trumps Gesandter Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner führten zuletzt Gespräche mit Selenskyj, um festgefahrene Verhandlungen wieder in Gang zu bringen, wie Euronews meldet. Beim Treffen der Außenminister Russlands und der USA, Sergej Lawrow und Marco Rubio, im philippinischen Manila am vergangenen Donnerstag wurden zwar keine Durchbrüche erzielt, Rubio betonte aber, für Fortschritte seien „neue Vorschläge und neue Ideen“ nötig, wie ZDFheute berichtet.
Das Verhältnis zwischen Trump und Netanjahu ist dagegen zuletzt abgekühlt. Der Iran-Krieg und die US-Verhandlungen mit Teheran haben Spannungen zwischen Washington und Jerusalem erzeugt. Aus Israel kamen wiederholt skeptische Töne zu den amerikanischen Diplomatiebemühungen, wie ZDFheute schreibt. Netanjahu reist nun nach Washington – offiziell, um an der Trauerfeier für Graham teilzunehmen, der laut Netanjahus Büro „ein Freund Israels“ gewesen sei.
Die Crux
Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt:
Selenskyj hat klar gemacht, was er von Trump erwartet: weitere US-Unterstützung für ein Ende des Krieges und vor allem eine Stärkung der ukrainischen Flugabwehr, wie er in einer Videobotschaft erklärte, die ZDFheute zitiert. Das ist keine Kleinigkeit. Die Ukraine kämpft seit über vier Jahren gegen Russland und die US-Friedensbemühungen liegen derzeit auf Eis, weil Washington seinen Fokus auf den Konflikt mit Iran verschoben hat, wie Euronews berichtet. Selenskyj braucht also nicht nur Worte, sondern Zusagen. Und er braucht sie jetzt.
Für Netanjahu ist die Lage nicht weniger kompliziert. Die Spannungen zwischen Israel und den USA rund um die Iran-Verhandlungen sind real. Netanjahu muss in Washington Überzeugungsarbeit leisten und gleichzeitig signalisieren, dass Israel trotz aller Differenzen ein verlässlicher Partner bleibt.
Trump seinerseits sitzt an einem Tisch, an dem beide Gesprächspartner etwas wollen, das er nicht ohne Weiteres geben kann: Sicherheitsgarantien, Waffenlieferungen, diplomatischen Rückhalt. Und das alles an einem Tag, an dem Washington ohnehin im Zeichen der Trauer um Lindsey Graham steht. Es ist ein Treffen, das unter dem Vorzeichen von Verlust und Dringlichkeit stattfindet – und bei dem die Ergebnisse offen sind. Konkrete Uhrzeiten für die Gespräche wurden bislang nicht öffentlich kommuniziert.
Espresso-Argumente für die Kaffeeküche
Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche:
„Selenskyj bettelt schon wieder um Geld – die Ukraine ist ein Fass ohne Boden.“ Wer so argumentiert, verwechselt Ursache und Wirkung. Die Ukraine verteidigt sich gegen einen russischen Angriffskrieg – und tut das seit über vier Jahren mit einem Bruchteil der Mittel, die Russland einsetzt. Selenskyj reist nicht nach Washington, um zu betteln, sondern um konkrete Unterstützung für Friedensverhandlungen zu sichern, die die USA selbst angestoßen haben. Außenminister Rubio hat nach dem Treffen mit Lawrow in Manila selbst eingeräumt, dass „neue Vorschläge und neue Ideen“ nötig sind. Wer den Krieg beenden will, muss die Ukraine in eine Position bringen, aus der heraus sie verhandeln kann – nicht kapitulieren muss.
„Trump macht das schon richtig – er redet mit allen und bringt Frieden.“ Das klingt gut, ist aber zu einfach. Die US-Friedensbemühungen liegen laut Euronews und ZDFheute derzeit auf Eis, weil Washington seinen Fokus auf den Iran-Konflikt verschoben hat. Gleichzeitig hat Trump das Verhältnis zu Netanjahu durch die Iran-Verhandlungen belastet. Wer mit allen redet, aber keine klare Linie verfolgt, schafft keine Stabilität – er schafft Verwirrung. Echte Diplomatie braucht Verlässlichkeit, keine Stimmungsschwankungen je nach Nachrichtenlage.
„Netanjahu hat in Washington nichts verloren – der sollte sich um seinen eigenen Krieg kümmern.“ Genau das tut er. Netanjahu ist in Washington, weil die US‑Verhandlungen mit dem Iran direkte Auswirkungen auf Israels Sicherheit haben. Dass er dabei die Trauerfeier für Graham als Anlass nutzt, ist klassische Diplomatie – Trauer und Staatsinteresse schließen sich nicht aus. Die Frage ist nicht, ob Netanjahu in Washington sein sollte, sondern ob Trump bereit ist, Israels Sicherheitsbedenken gegenüber einem möglichen Iran-Deal ernst zu nehmen.
Blick nach Vorne
Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Die Ergebnisse der heutigen Gespräche werden die Agenda der kommenden Wochen prägen. Sollte Selenskyj konkrete Zusagen für Waffenlieferungen oder diplomatische Unterstützung erhalten, könnte das den stockenden Friedensprozess neu beleben. Rubio hatte nach dem Lawrow-Treffen in Manila signalisiert, dass beide Seiten ein Interesse an einem Kriegsende hätten – der nächste Schritt wären dann direkte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, möglicherweise unter US-Vermittlung.
Für Netanjahu und die Israel-USA-Beziehungen gilt: Das heutige Gespräch mit Trump wird zeigen, ob die Differenzen rund um den Iran-Konflikt überbrückbar sind oder ob sich der Riss zwischen Washington und Jerusalem weiter vertieft. Folgetermine sind derzeit nicht öffentlich angekündigt – die Entwicklungen der nächsten Tage werden zeigen, ob die Gespräche von heute Früchte tragen.
Echt jetzt?!
Es ist das siebte Treffen zwischen Trump und Selenskyj seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 – in weniger als eineinhalb Jahren. Zum Vergleich: Angela Merkel traf Barack Obama in ihrer gesamten gemeinsamen Amtszeit von acht Jahren zwölfmal. Was früher als seltenes diplomatisches Großereignis galt, ist unter Trump zur Routine geworden – oder zumindest zur Notwendigkeit. Denn je unberechenbarer die US-Außenpolitik, desto häufiger müssen andere Staatschefs persönlich vorstellig werden, um sicherzustellen, dass ihre Länder nicht aus dem Blickfeld geraten. Sieben Treffen in 18 Monaten – das ist weniger ein Zeichen von Stärke als ein Symptom der Unsicherheit, die Trumps Außenpolitik in der Welt hinterlässt. (Quellen: ZDFheute, euronews, eigene Recherche) (bb)