Feuerwehr-Bericht: Kelsterbacher Helfer brauchen Hilfe
In der jüngsten Sitzung des Kelsterbacher Stadtparlaments wurde über den Lagebericht 2025 der Freiwilligen Feuerwehr Kelsterbach diskutiert. Der Stadtbrandinspektor macht darin auf die schwierige Lage der Helfer aufmerksam: Es fehlt an Personal und Teile der Ausrüstung – vor allem Fahrzeuge – sind veraltet und müssten dringend ersetzt werden. Die CDU sieht in dem Bericht einen „Hilferuf“ und fordert eine eigene Kommission Brandschutz.
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Stand: 24.07.2026, 06:08 Uhr
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In der jüngsten Sitzung des Kelsterbacher Stadtparlaments wurde über den Lagebericht 2025 der Freiwilligen Feuerwehr Kelsterbach diskutiert. Der Stadtbrandinspektor macht darin auf die schwierige Lage der Helfer aufmerksam: Es fehlt an Personal und Teile der Ausrüstung – vor allem Fahrzeuge – sind veraltet und müssten dringend ersetzt werden. Die CDU sieht in dem Bericht einen „Hilferuf“ und fordert eine eigene Kommission Brandschutz.
Kelsterbach – Als am frühen Morgen des 21. April 2023 Flammen aus einem Haus in der Straße Am Mainblick schlagen, kommt es für Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Kelsterbach auf jede Sekunde an. Gegen 4 Uhr morgens retten die Helfer fünf Menschen aus dem brennenden Gebäude – mit 19 Einsatzkräften. Das Minimum an Einsatzkräften für den Erstschlag bei diesem Einsatzszenario. „Möchten Sie sich in dieser Situation auf das Glück verlassen?“, heißt es in dem Lagebericht der Feuerwehr für das Jahr 2025, unterzeichnet von Stadtbrandinspektor Christian Rolle und seinem Stellvertreter Sven Schmitt.
Teils veraltete Fahrzeuge, für die steigende Zahl an Einsätzen steht nicht immer ausreichend Personal zur Verfügung und die Hilfsfrist von 10 Minuten kann nicht immer eingehalten werden: Die Feuerwehr schlägt Alarm und der zweite Lagebericht seit 2023, kürzlich in der Sitzung des Stadtparlaments vorgestellt, zeigt die schwierige Situation der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer auf. Deutlich wird auch, dass das Projekt „Brandblick“ der Stadtverwaltung, das die Feuerwehr in Struktur und bei Personal stärken sollte, an seine Grenzen stößt.
Hilfsfrist wurde vergangenes Jahr 47-mal überschritten
Zwar habe in Zusammenarbeit mit der Verwaltung viel umgesetzt werden können – digitale und aktuelle Hydrantenpläne, eine Entschädigungssatzung sowie der Abbau von Verkehrshindernissen für die Einsatzfahrzeuge. Aber: „Leider muss man feststellen, dass sich an den harten Fakten wenig geändert hat – die Personalstärke der Freiwilligen Feuerwehr ist gleichgeblieben, die Erreichung der Qualitätskriterien Schutzziel und Hilfsfrist hat sich nur minimal gebessert. Die Themen Personalgewinnung, Personalerhalt und Personalmotivation sind weiterhin ein großes Problem“, heißt es in dem Bericht.
Dass das Aufstellen einer Feuerwehr sowie die Gewährleistung des Brandschutzes und allgemeiner Hilfe eine kommunale Pflichtausgabe sind, machte der Stadtbrandinspektor den Mandatsträgern im Bürgersaal klar. Und: Eine Feuerwehr muss, entsprechend der örtlichen Verhältnisse, leistungsfähig und angemessen ausgestattet sein. Ein Qualitätskriterium des Gesetzgebers für die Feuerwehr ist die Hilfsfrist: Innerhalb von 10 Minuten ab Schrillen des Melders sollen die Helfer wirksam Hilfe leisten. Egal, wo sich die Einsatzkräfte gerade befinden – auf der Arbeit, beim Sport, zu Hause. Inkludiert sind die Fahrt zum Feuerwehrhaus hin, das Umziehen und Ausrücken mit Tanklöschfahrzeugen durch teils enge und zugeparkte Straßen. 118 hilfsfristrelevante Einsätze gab es 2025, bei 47 davon (40 Prozent) konnte die Wehr die Hilfsfrist nicht einhalten.
Auch bei der Personalstärke stößt die Feuerwehr an ihre Grenzen. Die leitet sich aus den Gefährdungsstufen und dem daraus resultierenden Mindestbedarf an Personal ab. Kelsterbach sei in einer „super Lage“ im Rhein-Main-Gebiet. „Das kommt uns an vielen Ecken zugute, bei der Feuerwehr leider nicht“, sagt Rolle. So spielt die Untermainstadt in allen Gefährdungsstufen in der Spitzenklasse mit, bedingt durch die Nähe zum Main, zum Industriepark Höchst, zum Flughafen, zur ICE-Strecke, zur A3 und zu diversen Versorgungsleitungen. Bereits 2018 wurde ein Bedarf von 76 Einsatzkräften errechnet. Aktuell zählt die Einsatzabteilung 67 Helfer, die jedoch nie alle zur Verfügung stehen – im schlimmsten Fall seien es nur die Hälfte, so Rolle.
Um das Schutzziel, das 2018 in einem Bedarfsentwicklungsplan festgelegt wurde, zu erreichen, müsste die Feuerwehr zu jeder Zeit 19 Einsatzkräfte bereit haben, davon acht Atemschutzgeräteträger, die jedoch nicht immer zur Verfügung stehen. So wurde bei den 118 hilfsfristrelevanten Einsätzen in 77 Fällen (65 Prozent) das Schutzziel nicht erreicht, in 58 Fällen (49 Prozent) waren nicht genügend Atemschutzgeräteträger dabei. Unterschiede zu Tag- und Nachtzeit gebe es kaum noch, der frühere kritische Tageszeitraum, weil die Ehrenamtler auswärts arbeiten, sei nun sieben Tage die Woche.
Personalgewinnung und Präsenz bei Veranstaltungen
Zwar habe man in den vergangenen Jahren mit Personalgewinnung, -erhalt und -motivation begonnen. „Aber wir müssen da besser werden. Und mit ‚wir‘ meine ich die Stadt. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, bekräftigte Christian Rolle. Jeder wolle im Notfall weiter schnelle Hilfe erhalten. Realistisch seien die Probleme nur durch mehr Personal zu lösen. „Die Feuerwehr muss auch präsenter werden“, betont Rolle, etwa bei Veranstaltungen, wie Sommerfesten der Caritas oder der Karl-Treutel-Schule.
Dazu kommen teils veraltete Fahrzeuge, etwa ein 35 Jahre altes Löschfahrzeug oder ein 12 Jahre altes Einsatzleitfahrzeug, in dem die Technik älter ist. „Da muss dringend Ersatz her“, sagt der Stadtbrandinspektor. Wenngleich die Beschaffung heute beschließe, dauere die Anschaffung mit Ausschreibung etwa drei Jahre.
Der Bericht zeige, dass eine leistungsfähige Feuerwehr keine Selbstverständlichkeit sei, sagt Christoph Harth (SPD). Die Stadtverordneten müssten Verantwortung übernehmen und die finanziellen Voraussetzungen schaffen, damit die Feuerwehr handlungsfähig bleibe. „Sicherheit ist keine freiwillige Leistung“, so Harth.
CDU-Fraktion fordert Kommission für Feuerwehr
Der Lagebericht gleiche eher einem Hilferuf. „Einem Hilferuf derjenigen, die eigentlich dann kommen, wenn wir selbst Hilfe brauchen“, sagt Katharina Rathhmann (CDU). Der Lagebericht zeige, wo es hakt, und das nicht erst seit gestern. Dass es trotz „Brandblick“ und Katalog zur Förderung der Angehörigen der Feuerwehr keine Entspannung bei der Personalsituation gebe, hängt laut Rathmann auch mit dem Frust über die Verzögerung beim Neubau des Feuerwehrhauses und den Zustand der Fahrzeuge zusammen. Der Bedarf für die Ersatzbeschaffungen summiert sich bis zum Ende des Jahrzehnts auf drei Millionen Euro.
Es müsse Schluss sein mit Lippenbekenntnissen, gebraucht würden klare und verlässliche Zusagen für die Finanzierung der Feuerwehr. Die CDU-Fraktion fordere daher die Einrichtung einer fraktionsübergreifenden Kommission Brand- und Katastrophenschutz, die tragfähige Lösungen erarbeiten soll, sagt Rathmann. Der Antrag soll bald vorliegen. Ein nennenswerter Teil der 4,5 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes solle zudem in die Ausrüstung der Wehr fließen.