Feuer in Südeuropa: Brände wüten weiter - Sorge vor neuer Hitze
Bei den verheerenden Waldbränden in Frankreich und Spanien hat sich die Lage teils etwas stabilisiert - doch die Einsatzkräfte blicken mit Sorge auf die Wettervorhersagen für die kommenden Tage. Auch in Italien sind Feuer ausgebrochen.
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Stand: 27.07.2026 • 18:01 Uhr
Bei den verheerenden Waldbränden in Frankreich und Spanien hat sich die Lage teils etwas stabilisiert - doch die Einsatzkräfte blicken mit Sorge auf die Wettervorhersagen für die kommenden Tage. Auch in Italien sind Feuer ausgebrochen.
Trotz erster Anzeichen einer Stabilisierung kämpfen die Einsatzkräfte in Frankreich und Spanien zu Wochenbeginn weiter unter Hochdruck gegen die verheerenden Waldbrände.
Im Südwesten Frankreichs bereitet weiterhin vor allem die Nähe des Feuers zur Stadt Bordeaux Sorge. Mit regelrechten Flammentornados hat der verheerende Waldbrand im Norden der Bucht von Arcachon laut dem ARD-Studio Paris Ausmaße, die es Frankreich bisher nicht gab. Mehr als 200.000 Menschen mussten bereits evakuiert werden. Das Feuer ist derzeit nur etwa 15 Kilometer vom Zentrum von Bordeaux entfernt - eine Evakuierung der Stadt sei aber weiter nicht geplant, erklärte die französische Regierung.
Auch, weil die Lage über Nacht "insgesamt stabil" geblieben sei, wie die Präfektur Gironde mitteilte. Das war immerhin eine leichte Verbesserung im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen, an denen der Großbrand der Stadt immer näher gekommen war.
"Stabilisiert, aber nicht unter Kontrolle" - so drückte es Innenminister Laurent Nunez am Mittag aus. "Er hat sich in der Nacht nicht weiter ausgebreitet", die Flammen wüteten aber weiter. 2.500 Feuerwehrleute, 18 Löschflugzeuge und 1.500 Soldaten seien im Einsatz.
Feuerwehr: Löscharbeiten könnten Wochen dauern
Der Minister rief dazu auf, nicht in die betroffene Region Gironde zu reisen. Noch habe sich die Lage nicht beruhigt. Sorge bereite den Behörden eine erneute Hitzewelle, die ab Dienstag die Region treffen soll. "Ich möchte niemanden beruhigen", sagte Nunez. Für die Brandbekämpfung sei auch die weitere Wetterentwicklung mit dem Aufkommen von Wind und Hitze wichtig, hieß es von den Behörden.
Der Großbrand könne noch "mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern", ehe er vollständig gelöscht sei, sagte ein Feuerwehroffizier dem Sender France Info. Über viele Wochen und Monate hinweg müssten sich Feuerwehreinheiten aus ganz Frankreich zur Brandbekämpfung ablösen. Während an der einen Stelle ein Brand gelöscht werde, breche an anderer Stelle ein neuer aus. "Die bevorstehende Hitzewelle wird die Lage verschärfen und die Zahl der Einsätze erhöhen."
Angesichts der bevorstehenden touristischen Hochsaison im August ergriffen die Behörden im Département Gironde weitere Maßnahmen, um Urlauber fernzuhalten. Sie untersagten Ferienlager für Kinder und für Menschen mit Behinderungen. Die Bundeswehr entsandte zur Unterstützung der Einsatzkräfte zwei Transporthubschrauber und ein Transportflugzeug A400M mit Material in die Region, wie das Bundesverteidigungsministerium in Berlin mitteilte.
Montag und Dienstag "absolut entscheidend"
Auch in Spanien geht der Kampf gegen die Feuer weiter, dort sind in der Umgebung von Madrid und in der Region Valencia Waldbrände außer Kontrolle geraten. Westlich der Hauptstadt Madrid rückten die dortigen Waldbrände in verlangsamtem Tempo vor, Entwarnung gab es aber auch dort nicht.
Die Brandbekämpfung verlaufe langsam, aber positiv, so der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Die Löschmannschaften hätten zwar eine weitere Ausbreitung der Feuer bei Madrid verhindern können, doch der Wind mit Böen aus häufig wechselnden Richtungen erschwere ihre Arbeit. Dort sind mittlerweile 77.000 Hektar Fläche verbrannt - es sei das "schlimmste und aggressivste Feuer in der jüngeren Geschichte Spaniens", so der Minister. Immerhin: Erste Evakuierte sollen schon heute zurückkehren können.
Aber auch in Spanien wird eine erneute Verschärfung der Situation befürchtet. Der Montag und der Dienstag seien "absolut entscheidende" Tage, sagte Grande-Marlaska. Ab Mittwoch würden die Wettervorhersagen für die Brandbekämpfung "äußerst ungünstig". Dann ist mit steigenden Temperaturen, weniger Luftfeuchtigkeit und stärkeren Windböen zu rechnen.
Insgesamt rund 75.000 Menschen evakuiert
Dem spanischen Wetterdienst Aemet zufolge steigt die Brandgefahr ab Dienstag fast im gesamten Land auf ein sehr hohes oder extremes Niveau. "Diese Situation wird in den folgenden Tagen anhalten oder sich sogar verschlimmern." In Teilen des Landes wurden Temperaturen von 40 Grad erwartet.
Wegen der Brände in der Umgebung der Hauptstadt, in der Region Ávila westlich von Madrid und Toledo südlich der spanischen Hauptstadt sowie nahe der Stadt Valencia im Osten des Landes mussten insgesamt rund 75.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.
Auch der Brand bei Valencia ist noch nicht unter Kontrolle, aber immerhin breitet sich das Feuer derzeit nicht mehr weiter aus. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez bat die Bürgerinnen und Bürger bei einem Besuch um Geduld: "Wir werden schwierige, komplexe Stunden erleben", so der Ministerpräsident. "Die Temperaturen werden in den kommenden Tagen steigen - eine neue Hitzewelle für die gesamte Halbinsel steht bevor. Deshalb bitte ich alle Bürger im ganzen Land um Vorsicht."
Auch in Italien wüten Feuer: Ein Hubschrauber bereitet sich darauf vor, Wasser auf einen Waldbrand in der Nähe von Peschici auf der Halbinsel Gargano abzuwerfen.
Italien: Touristen mit Booten in Sicherheit gebracht
Seit dem Wochenende kämpfen Einsatzkräfte auch in Italien gegen Brände in mehreren Regionen. Nach dramatischen Bildern von der Halbinsel Gargano in Apulien dauern die dortigen Einsätze laut Feuerwehr weiter an. Hunderte Touristen mussten dort von Stränden mit Booten vor den sich der Küste nähernden Flammen in Sicherheit gebracht werden. Löschflugzeuge sowie Bodentrupps sind weiter im Einsatz.
In der Region Basilikata wurden in der Gemeinde Maratea Dutzende Menschen sicherheitshalber aus ihren Häusern geholt. Auf den großen Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien sowie in der Region Kalabrien gibt es ebenfalls Brände.
Mit Informationen von Carolin Dylla, ARD-Studio Paris, sowie Hans-Günter Kellner und Anna Mundt, ARD-Studio Madrid