"Feel Festival" zieht wieder tausende Besucher in den Süden Brandenburgs

Wenn es über den Bergheider See wummert, ist Feel-Zeit. Das Festival im Süden Brandenburgs ist seit Jahren ein absoluter Publikumsmagnet. Tausende Menschen aus ganz Europa kommen um zu feiern - ohne vorher das komplette Line-up zu kennen.

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"Feel Festival" zieht wieder tausende Besucher in den Süden Brandenburgs

Bergheider See bei Lichterfeld

“Feel Festival” zieht wieder tausende Besucher in den Süden Brandenburgs

Blick auf Publikum und Bühne beim Feel Festival (Foto: Feel Festival/kimskrams/Ehmer)
Blick auf Publikum und Bühne beim Feel Festival (Foto: Feel Festival/kimskrams/Ehmer)

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Ein kleiner Ort in Südbrandenburg mit rund 1.000 Einwohnern wird wieder zum Festival-Eldorado. Am Bergheider See bei Lichterfeld (Elbe-Elster) hat am Donnerstag das "Feel Festival" begonnen, im Schatten des berühmten Besucherbergwerks F60. Konzerte, Workshops, Chillen - diese Mischung zieht seit Jahren tausende Besucher an.

"Ich war schon vor zehn Jahren das erste Mal hier und seit fünf Jahren jedes Jahr", berichtet ein Besucher, während er in der Einlassschlange wartet. "Man kann am Strand sein, man kann verschiedene Stages auschecken. Es gibt ja auch unterschiedliche Musik, ist schon alles sehr divers. Ich finde es einfach das perfekte Festival."

Nach Angaben der Veranstalter erstreckt sich das Musikprogramm von Donnerstag, 23. bis Montag, 27. Juli von "Hip-Hop und Techno über House bis Disco und Live-Musik". Die Rede ist von mehr als 400 Acts und 17 Bühnen.

Besucher des Feel Festivals warten am Eingang auf den Einlass (Foto: rbb/Wunderlich)
Besucher des Feel Festivals warten am Eingang auf den Einlass (Foto: rbb/Wunderlich)

Line-up bleibt bis zum Beginn geheim

Das komplette Line-up ist, wie beim "Feel Festival" üblich, bis zum offiziellen Beginn geheim gewesen. "Das heißt: Leute kommen nicht extra für Hype-DJs her. Ich glaube, das ist sehr besonders", sagt eine Besucherin. Die Organisatoren achten nach eigenen Angaben darauf, einen Mix aus etablierten und jungen, aufstrebenden Künstlern anzubieten.

Hinzu kommen mehrere Workshops, zum Beispiel zu verschiedenen Arten von Yoga, aber auch Kommunalpolitik oder "für mehr mentale Klarheit und einen bewussteren Umgang mit Alkohol, anderen Substanzen und Konsummustern".

Besucher kommen aufs Festivalgelände (Foto: rbb/Fösch)
Besucher kommen aufs Festivalgelände (Foto: rbb/Fösch)

Self-Made-Bühne, Chil-Bereich und Installationen

Die Festival-Macher rechnen mit rund 15.000 Besuchern, 80 Prozent von ihnen würden am Donnerstag anreisen. "Unser Haupteinzugsgebiet ist Berlin und Brandenburg, trotzdem haben wir viele Besuchende aus ganz Deutschland und teilweise auch aus dem europäischen Ausland", sagte Geschäftsführerin Kira Taige im Vorfeld dem rbb.

Sie und ihr Team hätten sich monatelang auf das Festival vorbereitet. "Wir arbeiten über ein Jahr an einer Edition, sind dann sechs Wochen vorher auf dem Gelände und bauen das Ganze auf." Jede Bühne sei aus Holz selbstgebaut, ebenso die Installationen und Chill-Out-Areas und "alles, was man auf dem Gelände sieht", so Taige.

Gerade beim Aufbau hätten viele verschiedene Crews, Kollektive und Kunstschaffende aus allen Teilen Deutschlands und Europa geholfen.

Blick auf das noch fast leere Festivalgelände (Foto: rbb/Fösch)
Blick auf das noch fast leere Festivalgelände (Foto: rbb/Fösch)

Ein Dorf im Festivalmodus

Von der Veranstaltung profitiert auch die Region außerhalb des Festgeländes, so der Eventmanager des Besucherbergwerks F60, André Speri. "Zum einen eröffnen wir damit zehntausend jungen Menschen den Zugang zu unserer Industriekultur, einen Zugang zum Erbe der Lausitzer Bergleute." Das Festival sei eine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, "die sonst nicht bei uns wären".

Darüber hinaus würden viele Menschen aus der Umgebung jedes Jahr mit anpacken - ob als Helfer, Dienstleister oder Ehrenamtliche. Das beginne bei kleinen privaten Initiativen, "wenn dort einer mal ein paar Festivalbesucher nach Finsterwalde zum Einkaufen fährt oder bei sich schlafen lässt oder einfach mal eine Kiste Wasser draußen hinstellt", so Speri. Auch die Ferienwohnungen und -häuser von Lichterfeldern seien ausgebucht.

Aber auch örtliche Unternehmen würden mit dem Festival zusammenarbeiten. Das sei auch das Ziel der Festivalleitung. "Nicht immer geht das, aber es wird zumindest versucht und gelingt meistens."

Die Ortslage Lichterfeld liegt einige hundert Meter vom Festivalgelände entfernt. Da seien die Partygeräusche durchaus zu hören, so Speri. "Hier wird fast 24 Stunden durchmusiziert." Je nachdem, wie der Wind steht, würde man das hören. "Da kommen die Lichterfelder inzwischen ganz gut damit zurecht." Es würden alle Emissionswerte eingehalten, dafür gebe es auch Kontrollen, betont er.

Kein normaler F60-Besuch möglich

Das Besucherbergwerk F60 bleibt während des "Feel Festivals" für Tagesbesucher geschlossen. "Hier ist jede Menge Logistik bei uns im Gelände aufgebaut, die ganzen Warenbestände sind hier gelagert – Getränke- und Speisenvorräte –, es zelten etwa tausend Menschen bei uns im Gelände, die auf dem Festival arbeiten", so André Speri. "Und das ist nicht das, was unser normaler, ständiger touristischer Besuch hier erwartet."

Die Schließung sei auch eine Frage der Sicherheit gewesen, so Speri. Es gebe allerdings Führungen für Festivalgäste. Die fänden zu festen Zeiten statt und seien mit der Festivalleitung abgestimmt.

Die ehemalige Abraumförderbrücke des Besucherbergwerk F60 im ehemaligen Braunkohletagebau Klettwitz-Nord am Bergheider See. (Quelle: picture alliance/dpa/Sebastian Kahnert)
Die ehemalige Abraumförderbrücke des Besucherbergwerk F60 im ehemaligen Braunkohletagebau Klettwitz-Nord am Bergheider See. (Quelle: picture alliance/dpa/Sebastian Kahnert)

Erstmals Soli-Ticket wegen der wirtschaftlichen Lage

Wirtschaftlich gesehen hat sich die Lage von Festivals und Club-Kultur seit der Corona-Pandemie "noch nicht ganz erholt", so Feel-Geschäftsführerin Kira Taige. "Die zwei Jahre, in denen wir nichts machen konnten, haben extreme Spuren hinterlassen."

Auch die Inflation sei danach eher schlimmer als besser geworden, sagt sie. Das führe dazu, dass "unsere Infrastrukturkosten extrem in die Höhe geschossen sind". Das könnte das Festival nicht eins zu eins auf die Ticketpreise umlegen, "weil auch die Besuchenden in einer ähnlichen Situation sind und ebenfalls nicht unbedingt mehr Geld haben", so Taige.

Besucher des Feel Festivals baden bei Sonnenaufgang im angrenzenden See (Foto: Feel Festival/Stanley)
Besucher des Feel Festivals baden bei Sonnenaufgang im angrenzenden See (Foto: Feel Festival/Stanley)

Aus diesem Grunde sei in diesem Jahr auch ein Soli-Ticket eingeführt worden, damit sich auch Menschen Kultur leisten können, die in einer prekären Situation befinden, so Taige.

Einen Tag vor Beginn des Festivals hat "die schwarze Null" laut der Geschäftsführerin noch nicht gestanden. Heißt: Die Macher haben bis dahin noch nicht kostendeckend gearbeitet, sondern haben mehr Geld investiert als sie eingenommen haben.

Das "Feel Festival" gibt es seit 2013. Nachdem es anfangs südlich von Berlin stattfand, haben die Veranstalter seit 2015 eine neue Heimat am Bergheider See in Südbrandenburg gefunden. Seitdem ist das Festival zu einem festen Bestandteil des Sommers für die Region geworden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.07.2026, 14:30 Uhr

Audio: Antenne Brandenburg, 23.07.2026, Isabelle Schilka

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