Europas Feuerwehr durch Waldbrände im Stresstest

Frankreichs Präsident Macron hat wegen der verheerenden Waldbrände in seinem Land den EU-Katastrophenschutz um Hilfe gerufen. Das System ist immer leistungsfähiger geworden, doch im Sommer 2026 stößt es an seine Grenzen.

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Europas Feuerwehr durch Waldbrände im Stresstest

Eigentlich ist Frankreich gut auf Waldbrände vorbereitet. Der Staat verfügt über zwölf Canadair- und acht Dash-Löschflugzeuge. Hinzu kommen angemietete Flugzeuge und Hubschrauber. Doch derzeit wird die Flotte an vielen Orten des Landes gleichzeitig gebraucht. Eine seit Wochen zunehmende Dürre und mehrere Hitzewellen mit Temperaturen von teils über 40 Grad haben die Vegetation extrem ausgetrocknet. Der verheerende Großbrand bei Bordeaux an der Atlantikküste hat bereits mehr als 42.000 Hektar Wald und Vegetation erfasst. Zugleich binden Brände und Nachlöscharbeiten im Süden und Südosten Frankreichs zusätzliche Einsatzkräfte.

Waldbrand in der Gironde spiegelt sich im See Moutchic
Nicht unter Kontrolle: der Waldbrand in der Gironde spiegelt sich im See MoutchicBild: Fabrice Sapte/ABACAPRESS/IMAGO

Vielerorts stemmen sich die Feuerwehren in einem kräftezehrenden Dauereinsatz gegen die Flammen, stoßen jedoch an ihre physischen Grenzen. Stürmische Winde fachen die Feuerfronten nahezu unaufhaltsam an, mehr als 220.000 Menschen mussten bislang ihre Häuser und Feriendomizile verlassen.

Militärtransporter A400M wirft erstmals Löschmittel über Waldbrand ab
Erstmals zur Waldbrandbekämpfung in Frankreich im Einsatz: Militärtransporter A400MBild: Abdul Saboor/AFP

Wie angespannt die Situation ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Regierung erstmals einen großen Militärtransporter zur Waldbrandbekämpfung eingesetzt hat. Der A400M kann rund 20 Tonnen Löschmittel abwerfen und damit mehr als dreimal so viel wie ein Canadair. Trotzdem ist die Lage derzeit so dramatisch, dass Präsident Emmanuel Macron den EU-Katastrophenschutzmechanismus (Civil Protection Mechanism CPM) aktiviert und Unterstützung aus anderen europäischen Staaten angefordert hat.

24-Stunden-Betrieb im EU-Notfallzentrum

Wird der CPM aktiviert, meldet ein Staat seinen Bedarf an das rund um die Uhr besetzte Koordinierungszentrum der Europäischen Union in Brüssel. Dort prüfen Fachleute, welche der 37 Teilnehmerstaaten Hilfe leisten können.

Löschflugzeug bei Waldbrand im Wald von Fontainebleau
Canadair-Löschflugzeug im Einsatz bei einem Waldbrand im Süden von ParisBild: Thomas Samson/AFP

Die ersten Hilfen wurden innerhalb weniger Stunden mobilisiert und inzwischen deutlich ausgeweitet. Löschflugzeuge und Hubschrauber aus Portugal, Kroatien, Tschechien, Deutschland, Türkei, Schweden und der Slowakei unterstützen Frankreich überwiegend im Großraum Bordeaux. Gleichzeitig entsandte die EU sechs weitere Löschflugzeuge aus Griechenland, der Türkei und Italien nach Spanien. Damit sind bereits 13 der 22 für diesen Sommer bereitstehenden Löschflugzeuge für die beiden Länder mobilisiert. Die Zahlen zeigen, wie schnell die europäische Reserve bei parallelen Großbränden beansprucht werden kann. Wie aus der EU-Kommission zu hören ist, reichen die derzeit verfügbaren Mittel wohl nicht aus, um mit dem Ausmaß der Brände Schritt zu halten.

Regierungen hoffen auf rescEU

Seit dem Start des CPM 2001 wurde das System mehrfach ausgebaut. Mit rescEU verfügt die Union seit 2019 zusätzlich über eine strategische Reserve mit Löschflugzeugen, medizinischer Ausrüstung, Feldlazaretten und Spezialtechnik für chemische oder nukleare Notfälle. Nicht nur die 27 EU-Staaten beteiligen sich an diesem Katastrophenschutzmechanismus, sondern auch zehn weitere Länder, darunter Norwegen, die Türkei und mehrere Westbalkanstaaten. 

Für den Sommer 2026 hat Brüssel 777 Feuerwehrleute aus 14 Ländern vorab in besonders gefährdete Regionen Frankreichs, Spaniens, Portugals, Italiens, Griechenlands und Zyperns stationiert. Die Löschflugzeuge und Hubschrauber der europäischen Reserve sind auf zwölf Länder verteilt und können über das Koordinierungszentrum in Brüssel mobilisiert werden. Zudem werden die Löscharbeiten durch hochauflösende Satellitenaufnahmen des EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus unterstützt.

Spanisches Löschflugzeug bekämpft Waldbrand
Rares Spezialwerkzeug: Lediglich Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien und Kroatien besitzen Canadair-LöschflugzeugeBild: Miguel Riopa/AFP

Allerdings stößt das europäische Solidarprinzip an Grenzen, wenn mehrere Länder parallel von Extremwetterereignissen betroffen sind, die durch den Klimawandel immer häufiger auftreten dürften. Kern der Zusammenarbeit ist, dass ein Staat Flugzeuge oder Einsatzkräfte entbehren kann, während ein anderer sie dringend braucht. Genau das wird schwieriger, wenn die Wälder in mehreren europäischen Staaten gleichzeitig brennen. Dann müssen Regierungen abwägen, wie viel Unterstützung sie ins Ausland schicken können, ohne die eigene Einsatzbereitschaft zu gefährden. In der aktuellen Lage kämpft Italien gegen Brände im eigenen Land, obwohl es den Mechanismus noch nicht aktiviert hat. Die EU-Kommission rechnet in diesem Jahr mit einer ungewöhnlich langen Waldbrandsaison. Der Mechanismus wurde bereits Ende April erstmals aktiviert und könnte sogar bis Anfang November beibehalten werden.

Eigene "EU-Löschflotte" kommt

Die heutige europäische Luftreserve zur Waldbrandbekämpfung besteht vorwiegend aus national betriebenen Maschinen, die für einen bestimmten Zeitraum als EU-Kapazitäten zugesagt werden. Parallel baut die EU für rund 600 Millionen Euro eine dauerhaft verfügbare, vollständig aus EU-Mitteln finanzierte rescEU-Flotte auf. 

EinLöschflugzeug im Einsatz gegen Waldbrand nahe Madrid
Löschflugzeug im Einsatz gegen Waldbrand nahe Madrid (26.07.2026)Bild: Cesar Manso/AFP

Geplant sind zwölf neue Löschflugzeuge, die in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und Kroatien stationiert werden. Die Maschinen werden von den jeweiligen Mitgliedsstaaten betrieben, aber über ihren Einsatz im Rahmen von rescEU entscheiden die EU-Kommission und die beteiligten Staaten gemeinsam.

Prävention als Schlüssel?

"Europas Waldbrandfeuerwehr" kann im Notfall Zeit gewinnen und nationale Katastrophenschützer entlasten. Nach Ansicht der EU-Kommission kann dadurch aber fehlende Waldbrand-Prävention nicht ausgeglichen werden. Dazu zählen das Anlegen von Brandschneisen oder auch schärfere Bauauflagen in gefährdeten Gebieten.

Hinzu kommt, dass Löschflugzeuge vor allem dann wirksam sind, wenn Brände früh entdeckt werden. Haben sich bei Hitze und starkem Wind erst kilometerlange Feuerfronten gebildet, können auch zusätzliche Maschinen der Europäischen Union die Flammen oft nur noch eindämmen.