EU verzeichnet 332.000 Asylanträge – so wenige wie seit fünf Jahren nicht mehr
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Stand: 11.09.2026, 14:00 Uhr
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Die EU-Asylagentur führt den Rückgang auf den politischen Wandel in Syrien zurück. Zudem arbeite die EU enger mit Herkunfts- und Transitländern zusammen.
Die Zahl der Asylanträge in Europa ist im ersten Halbjahr auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken, wie aus neuen Daten der EU-Asylagentur EUAA hervorgeht. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 in der EU, der Schweiz und Norwegen rund 332.000 Anträge auf internationalen Schutz gestellt, was einem Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht.
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Dieser Artikel von Amandine Hess entstand in Kooperation mit Euronews.
Bereits seit 2024 zeigt die Kurve der Asylzugänge nach unten, wodurch sich ein deutlicher Trend verfestigt. Fachleute verweisen darauf, dass sich sowohl die geopolitische Lage als auch die migrationspolitischen Instrumente der EU in diesem Zeitraum spürbar verändert haben, was sich nun in den Statistiken niederschlägt.

Nach Angaben der Asylagentur hängt der Rückgang eng mit dem anhaltenden politischen Übergang in Syrien zusammen. Seit dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 ist die Zahl syrischer Asylsuchender in der EU massiv eingebrochen, weil viele Menschen entweder im Land verbleiben oder in der Region neue Perspektiven suchen.
Politischer Wandel in Syrien und neue EU-Partnerschaften
Eine wichtige Rolle spielt außerdem die verstärkte Zusammenarbeit der EU mit Herkunfts- und Transitstaaten, die auf eine bessere Kontrolle von Migrationsrouten zielt. Die Eskalation der Konflikte im Nahen Osten habe dagegen nicht zu mehr Asylanträgen in Europa geführt, teilte die Behörde mit, und verweist auf stabile oder rückläufige Zahlen trotz zunehmender Spannungen.
Die EU hat unter anderem Abkommen mit Tunesien und Mauretanien geschlossen, um irreguläre Migration einzudämmen. Im Gegenzug für schärfere Grenzkontrollen stellt Brüssel den beiden Ländern Finanzhilfen bereit, die in Grenzschutz, Infrastruktur und Aufnahmezentren fließen sollen, während Menschenrechtsorganisationen die Abhängigkeit von solchen Deals kritisch sehen.
Ungleich verteilte Asylanträge innerhalb Europas
Die meisten Asylanträge gingen in Frankreich ein, wo 69.000 Verfahren registriert wurden und die Behörden seit Jahren mit hohen Zahlen umgehen müssen. Dahinter folgen Italien mit 66.000 Verfahren sowie Spanien und Deutschland mit jeweils 55.000 Anträgen, was die zentrale Rolle dieser Länder innerhalb der europäischen Aufnahmestrukturen unterstreicht.
Gemessen an der Bevölkerungszahl verzeichnete Griechenland die höchste Belastung, denn dort kamen auf 23.000 Anträge umgerechnet etwa ein Antrag pro 400 Einwohner. Länder an den EU-Außengrenzen verweisen regelmäßig auf diese Pro-Kopf-Belastung, um mehr Solidarität und Umverteilungsmechanismen innerhalb der Union einzufordern.
Von den Antragstellern erhielten 31 Prozent bereits in erster Instanz internationalen Schutz, ein Wert, der auf einen erheblichen Anteil begründeter Schutzersuchen hinweist. Der Flüchtlingsstatus wurde dabei häufiger zuerkannt als der subsidiäre Schutz, was bedeutet, dass viele Antragsteller als individuell politisch oder vor Verfolgung gefährdet eingestuft wurden.
Herkunftsländer mit hohen Schutzquoten
Die höchsten Anerkennungsquoten hatten Schutzsuchende aus Mali mit 87 Prozent, aus Haiti mit 84 Prozent und aus Afghanistan mit 73 Prozent, was die Gefährdungslage in diesen Ländern widerspiegelt. Behörden begründen diese Quoten mit anhaltender Instabilität, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, die eine Rückkehr häufig unzumutbar machen.
Die größten Gruppen unter den Antragstellern waren Menschen aus Afghanistan mit 39.000 Gesuchen, aus Venezuela mit 33.500 sowie aus Bangladesch mit 19.500 Anträgen. Diese Zahlen zeigen, dass neben klassischen Krisenregionen zunehmend auch Staaten mit wirtschaftlicher Not, politischer Repression oder langwierigen Krisenherden im Fokus europäischer Asylsysteme stehen.
Neuer Asylpakt verändert EU-Migrationssystem
Die aktuellen Zahlen kommen kurz nach Inkrafttreten des neuen Pakts zu Migration und Asyl am 12. Juni, der das Migrations- und Asylsystem der EU grundlegend umstellt. Die Vereinbarung soll vor allem für mehr Einheitlichkeit bei Verfahren sorgen und den Druck auf stark belastete Mitgliedstaaten reduzieren, auch wenn die praktische Umsetzung noch am Anfang steht.
Die neuen Regeln sehen verpflichtende Kontrollen an den EU-Außengrenzen vor, bei denen Asylsuchende bereits vor Eintritt in den regulären Status geprüft werden. Zudem sollen Verfahren zur Prüfung von Asylanträgen deutlich schneller ablaufen als bisher, um langwierige Aufenthalte in Aufnahmeeinrichtungen zu vermeiden und sowohl Rückführungen als auch Integrationsprozesse zu beschleunigen.