EU-Kommission: TikTok soll Minderjährige besser schützen
Die chinesische Social-Media-Plattform TikTok schützt nach Einschätzung der EU-Kommission Kinder und Jugendliche nicht ausreichend. Die Kommission hat am Freitag weitere vorläufige Erkenntnisse der laufenden Un...
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Die chinesische Social-Media-Plattform TikTok schützt nach Einschätzung der EU-Kommission Kinder und Jugendliche nicht ausreichend. Die Kommission hat am Freitag weitere vorläufige Erkenntnisse der laufenden Untersuchung der Plattform vorgestellt und gibt TikTok nun die Gelegenheit, darauf zu reagieren.
Auf Grundlage vorläufiger Untersuchungsergebnisse geht die Kommission davon aus, dass insbesondere die Voreinstellungen für TikTok-Konten von Minderjährigen nicht den Regeln des EU-Gesetzes für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) entsprechen.
Minderjährige gefährdet
Bei öffentlichen Konten seien Kinder und Jugendliche leicht auffindbar und so der Gefahr unerwünschter Kontaktaufnahmen etwa durch mögliche Straftäter ausgesetzt, teilte die Kommission am Freitag mit. Zudem bestehe ein erhöhtes Risiko von Cyberbullying. Auch wenn Minderjährige ihre Konten im Privatmodus betrieben, seien sie über Followerlisten leicht auffindbar.
Die Kommission geht davon aus, dass die Voreinstellungen bei Konten von Minderjährigen nicht den Standards des DSA entsprechen und Nutzer einer zu breiten Öffentlichkeit aussetzen. Das Gesetz sehe vor, dass solche Konten ein hohes Maß an Privatsphäre, Datenschutz und Sicherheit bieten müssen.
„Der DSA verpflichtet Plattformen dazu, Schutzmaßnahmen für Minderjährige in die Gestaltung ihrer Dienste zu integrieren, und zieht sie zur Rechenschaft, wenn sie dies versäumen“, betont Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen. „Ein hohes Schutzniveau sollte keine Option sein, sondern die Standardeinstellung.“
Brüssel fordert TikTok nun auf, die Konten von Minderjährigen den Vorgaben des DSA entsprechend anzupassen. So sollten etwa die Inhalte der jugendlichen Nutzer nur von Personen gesehen werden können, denen die Kontobetreiber ausdrücklich zugestimmt haben.
Verfahren seit 2024
Die neuen Erkenntnisse sind Teil des Ermittlungsverfahrens, das die Kommission im Februar 2024 eingeleitet hat. Die Kommission hatte zuvor schon die Suchtgefahr der Plattform sowie Transparenz bei Werbung bemängelt.
TikTok, das zum chinesischen Konzern Bytedance gehört, kann die Erkenntnisse der Kommission jetzt prüfen und dazu Stellung nehmen – oder auch die gewünschten Anpassungen vornehmen. Bisher hat sich das Unternehmen überwiegend kooperativ gezeigt. Im Mai 2025 hatte sich TikTok-CEO Shou Zi Chew in Brüssel unter anderem mit Virkkunen getroffen.
Die Kommission betont zwar, die Ergebnisse seien vorläufig, verweist aber zugleich auf die Möglichkeit einer Strafe. Unter dem DSA sind Strafen bis zu 6 Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens möglich.
Parallel läuft in der EU die Debatte über strengere Altersgrenzen für bestimmte soziale Netzwerke oder andere digitale Angebote. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte zuletzt an, nach dem Sommer einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen der EU machen zu wollen. Die nun erhobenen Vorwürfe könnten von der Leyen als zusätzliche Argumentationsstütze für mögliche Altersschranken dienen.
(vbr)