Eskalation in Nahost: Ölpreis könnte auf 120 Dollar steigen
Am „Tor der Tränen“ droht durch die Huthi-Blockade eine neue Engpass-Situation. Würde das länger dauern, könnte der Rohölpreis noch einmal deutlich steigen – und mit ihm auch die Preise für Sprit und Heizöl.
- 4 min read
Eskalation in Nahost Ölpreis könnte auf 120 Dollar steigen
24.07.2026 · 17:45 Uhr
Der Iran-Krieg hat Rohöl deutlich teurer werden lassen. Jetzt gibt es neue Probleme.
Foto: Marijan Murat
Düsseldorf · Am „Tor der Tränen“ droht durch die Huthi-Blockade eine neue Engpass-Situation. Würde das länger dauern, könnte der Rohölpreis noch einmal deutlich steigen – und mit ihm auch die Preise für Sprit und Heizöl.
Deutschlands Autofahrern fährt dieser Tage bei der Fahrt an die Zapfsäule der Schreck wieder in die Glieder. In Düsseldorf kostete ein Liter E 10 am Freitagnachmittag gegen 14.30 Uhr beispielsweise um die 2,25 Euro – an einigen Standorten ein bisschen mehr, an anderen ein bisschen weniger. Aber selbst da, wo es günstiger erschien, sind wir weit von Preisen unter zwei Euro wie zu Zeiten des Tankrabatts entfernt. Und der wird nach Angaben von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ja nicht mehr kommen.
Der entscheidende Faktor für die Entwicklung der Preise für Super und Diesel bleibt der Rohölpreis. Der ist zwar am Freitag um etwa drei Prozent nach unten gegangen, war aber zuvor auf einen Wert von mehr als 100 Dollar für ein Barrel (161 Liter) der Nordseesorte Brent gestiegen. Und die neuerlichen Eskalationen sind nicht dazu angetan, an eine schnelle Entspannung im Sinne der Verbraucher zu glauben.
Neuer Engpass Neben dem Dauerstreit um die Durchfahrt durch die Straße von Hormus droht ein Engpass bei einem weiteren wichtigen Transportweg: Die Huthi-Miliz im Jemen blockiert die Meerenge von Bab al-Mandab, dem „Tor der Tränen“, und hat alle Schiffe, die „dem saudischen Feind gehören“, vor der Durchfahrt gewarnt. Sie werden vom Iran unterstützt. Aktueller Anlass für die Drohungen: Die von den Saudis unterstützte jemenitische Regierung hat den Flughafen der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa beschossen, um ein iranisches Flugzeug an der Landung zu hindern.
Folgen für Öltransport Die Blockade eines zweiten Transportweges würde die Weltwirtschaft empfindlich treffen. Der an seiner schmalsten Stelle nur 27 Kilometer breite Seeweg ist der südliche Zugang zum Suezkanal und damit ein Nadelöhr zwischen Asien und Europa. Um zu verstehen, welche Probleme entstehen würden, wenn diese Stelle längerfristig verschlossen wäre: Für Transporte nach Afrika würde der Weg 9000 Kilometer weiter.
Folgen für den Ölpreis Die einfache Folge: Der Öltransport würde deutlich länger dauern, es würde Engpässe bei der Versorgung geben, der Ölpreis könnte noch einmal deutlich nach oben gehen. Sollte der Verkehr im Roten Meer minimal werden, wäre mit einem Ölpreis von 120 Dollar zu rechnen, sagte Jay Hatfield, Geschäftsführer vom Investmenthaus Infrastructure Capital Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. Seine Schlussfolgerung: „Wenn kein Transport stattfindet, muss man sparsam mit dem Öl umgehen. Und Sparsamkeit erreicht man durch höhere Preise.“
Folgen für Benzin und Diesel Wenn der Rohölpreis vom jetzigen Stand aus wieder um ein Fünftel stiege, kann man sich leicht vorstellen, was mit den Preisen an der Tankstelle passiert. Dabei hat sich die Lage in der vergangenen Woche schon deutlich verschärft. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Diesel aus: Am Mittwoch kostete ein Liter nach Angaben des ADAC schon knapp 2,17 Euro im Durchschnitt und damit fast zehn Cent mehr als eine Woche zuvor. Am Freitag waren es 2,21 Euro im Bundesschnitt. Für einen Liter Super E 10 mussten Autofahrer am Mittwoch im Schnitt knapp 2,15 Euro bezahlen, ein Plus von 6,3 Cent. Auch da sind schon wieder einige Cent draufgekommen. Spritpreise von jenseits der 2,30 Euro sind nach Expertenmeinung nicht ausgeschlossen. Beim Diesel sind die Preissteigerungen noch folgenschwerer, da er für die Industrie eine große Rolle spielt und in größerem Maß importiert werden muss.
Folgen für den Heizölpreis Auch der hat seit Jahresbeginn deutlich zugelegt – von deutlich unter 100 Euro je 100 Liter auf etwa 135 Euro für die gleiche Menge. „Die Preisaussichten bleiben mittelfristig ziemlich düster bis riskant“, erklärt der Messsystem-Hersteller Tecson. Dennoch müsse man wohl „versuchen, das auszusitzen“. Aber: „Man darf sich allerdings im Herbst nicht mit leerem Öltank in einen Kaufzwang bringen lassen.“ Wer weiß, wie teuer das Heizöl dann ist.
Meistgelesen
Aktuell wichtig