Eintracht-Star Mario Götze ist noch lange nicht satt

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Eintracht-Star Mario Götze ist noch lange nicht satt

Stand: 24.07.2026, 17:54 Uhr

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Powernap, Eistonne und gutes Essen: Eintracht-Altmeister Mario Götze hat auch nach eineinhalb Jahrzehnten Profifußball und mit 34 Lebensjahren noch eine ganze Menge vor in Frankfurt.

Ganz zum Schluss, High Noon war schon lange rum, ist Mario Götze dann auch noch zu Jürgen Klopp, dem neuen Gralshüter des deutschen Fußballs, befragt worden. Die Inthronisierung als Bundestrainer findet Super Mario ganz dufte, klar, er kennt den Kloppo ja noch von früher aus gemeinsamen Dortmunder Tagen.

24.07.2026, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Trainingslager - in Grassau v.l. Mario Götze Goetze (Eintracht Frankfurt)

Abkühlung mitten auf dem Trainingsplatz: Ex-Nationalspieler Mario Götze tut alles dafür, sich in eine gute Verfassung zu bringen. © Jan Huebner/Jan Hübner

Beide schätzen sich. „Gute Position für ihn und den deutschen Fußball“, sagte der Routinier der Eintracht im Stile eines Elder Statesman. „Er ist der richtige Mann, um gerade nach den letzten Turnieren wieder für positive Stimmung zu sorgen.“ Aber, Obacht, man solle dem ganzen Projekt Zeit geben.

Eintracht-Star Götze: 16 Jahre, 25 Camps

„Man muss klein anfangen, die Erwartungen zurückdrehen.“ Dann hatte es Mario Götze plötzlich eilig. Das Mittagessen stand nach der ersten Einheit im Trainingslager an, Pressesprecher Bartosz Niedzwiedzki hatte schon das Ende der Medienrunde eingeläutet. „Zwei Fragen haben wir noch.“ Mario Götze lächelte entschuldigend: „Ich muss jetzt wirklich was essen.“

So ist das mit diesen Vorbereitungscamps, die können schon mal an die Substanz gehen, gerade in der prallen Sonne, wie aktuell im bayerischen Grassau am Chiemsee. Und gerade in fortgeschrittenem Fußballeralter. „Ich bin jetzt keine 20 mehr, ich bin 34“, benennt der Ex-Nationalspieler einen belastbaren Fakt. „Es wird nicht leichter. Da steckt man das nicht mehr so weg wie vor zehn Jahren.“ Götze tippt darauf, in seiner 16 Jahre währenden Karriere so um die 25 Trainingslager mitgemacht zu haben, das ist wahrscheinlich konservativ geschätzt.

Und im Laufe der Zeit haben sich auch seine Haltung und seine Herangehensweise verändert. Gezwungenermaßen. Der Fokus liege als erfahrener Spieler im Spätherbst seiner Laufbahn eher „auf Recovery“, also „Schlaf, Ernährung, Eisbecken, Behandlung, Dehnen“. Was einem strapazierten Körper halt guttut. „Das ist superwichtig.“

Zwischen den Einheiten wäre eine Erholungsphase von fünf, sechs Stunden ganz gut, „ich habe aber nur vier“. Deshalb habe er seine Routinen verändert, angepasst: „Ich baue vielleicht auch noch mal einen Nap ein“, zu Deutsch: Nickerchen. Der Zahn der Zeit nagt auch an einem WM-Helden. Beruhigend, irgendwie.

Mario Götze hat aber noch ein bisschen was vor bei und mit der Eintracht. Seinen Vertrag hat er erst kürzlich um zwei Jahre verlängert, durchaus überraschend, zumindest die Laufzeit. Sein damaliger Trainer, Señor Albert Riera, fand das auch nicht so prickelnd, er hätte da nicht mitgemacht. Wenn man ihn gefragt hätte. Hat aber keiner. Die beiden haben eh nicht so wirklich zueinander gefunden, und Riera war gefühlt genauso schnell weg, wie er gekommen war. Dennoch: An den Polarisierer wird man sich erinnern, noch sehr lange.

Götze, ein Mann mit Stil und Klugheit, würde öffentlich niemals ein schlechtes Wort über den spanischen Coach sagen. Zur Wahrheit gehört ja auch: Die letzte Saison war, mit und ohne Albert Riera, eine zum Vergessen. Götze weiß das natürlich, aber er setzt die in den Sand gesetzte Spielzeit gerne in den Gesamtkontext seiner Eintracht-Zeit, vier Jahre immerhin. „Im Paket ist das sehr erfolgreich gelaufen.“

Neustart für den Eintracht-Altstar

Und eine „schlechtere Phase“ gehöre zum Fußball nun mal dazu. Man dürfe nicht vergessen, dass für die Hessen die Herausforderung mit einer „Todesgruppe“ in der Champions League auch eine sehr große gewesen sei. „Du kommst dann in Phasen, die du überstehen musst. Das haben wir nicht geschafft. Das müssen wir uns ankreiden.“

Die Mannschaft selbst sei mit ihrer Performance kreuzunglücklich gewesen. Doch im Fußball kann es irgendwann mal in die falsche Richtung laufen, und dann lässt sich der Niedergang unter Umständen nicht mehr aufhalten. Und keiner weiß, warum. Heribert Bruchhagen, ein weiser Mann aus Harsewinkel, hat das mal, durchaus berühmt, „die Spirale des Misserfolgs“ genannt. Sehr treffend. „Mit der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, damit war keiner zufrieden. Wir selbst doch auch nicht.“

Und jetzt? Ja, klar, jetzt soll alles besser werden. Was auch sonst? Götze steckt sehr viel Hoffnung in Adi Hütter, damit steht er nicht alleine. „Er ist genau der Mann, der gebraucht wird“, sagt der Mittelfeldstratege. Das alles lasse sich „sehr positiv an, auch wenn es noch sehr früh ist“.

Doch der Memminger wagt sich schon mal aus der Deckung: „Wir wollen mit einer anderen Energie und einem anderen Enthusiasmus spielen. Und das sieht sehr gut aus, das kann man jetzt schon erkennen.“

Für die Eintracht geht es darum, die Sympathisanten und Fans zurückzugewinnen, sie zu packen, Emotionen zu wecken. Denn die Menschen waren von der langweiligen und knatschigen Kaugummi-Spielweise in höchstem Maße abgeturnt. Auch Mario Götze hat eine denkbar schwache Saison hingelegt. Die neue Runde wird insofern auch für ihn persönlich ein Neustart – auf gewohntem Terrain.

Denn dass Adi Hütter mit dem Regisseur irgendwelche Experimente veranstalten wird, ist auszuschließen. „Ich fühle mich im Zentrum wohl“, sagt Götze. „Im Zehner-, Achter-, Sechser-Raum.“ Und das wird so bleiben, bis er dann voraussichtlich in zwei Jahren seine Kickschuhe nach fast zwei Jahrzehnten an den Nagel hängen wird. „Ich glaube nicht, dass der Trainer andere Ideen mit mir hat“, sagt Mario Götze lächelnd. Und verabschiedet sich. Zum Mittagessen.