Drohnenangriff am Flughafen Leipzig: Bundesregierung sieht Russland hinter dem Vorfall – und verhängt Strafmaßnahmen
Wer steckt hinter dem versuchten Drohnen-Angriff am Flughafen Leipzig/Halle? Die Bundesregierung macht Russland verantwortlich und reagiert mit Strafmaßnahmen – die noch Luft nach oben lassen.
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Drohnenangriff am Flughafen Leipzig Bundesregierung sieht Russland hinter dem Vorfall – und verhängt Strafmaßnahmen
01.09.2026 · 18:30 Uhr
Eine ukrainische Antonov parkt am Flughafen Leipzig/Halle hinter einem Zaun auf dem Flughafengelände. (Archiv)
Foto: Hendrik Schmidt/dpa/Hendrik Schmidt
Update | Berlin · Wer steckt hinter dem versuchten Drohnen-Angriff am Flughafen Leipzig/Halle? Die Bundesregierung macht Russland verantwortlich und reagiert mit Strafmaßnahmen – die noch Luft nach oben lassen.
Die Bundesregierung macht Russland für den versuchten Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich – und verhängt Strafmaßnahmen. Das erklärten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Dienstag bei einem gemeinsamen Auftritt vor Journalisten in Berlin.
Wadephul sagte, die Bundesregierung gehe gegen Russland als „Urheber des hybriden Angriffs von Leipzig“ vor: So wird das russische Generalkonsulat in Bonn zum 18. September geschlossen. Der Vertrag für das Russische Haus in Berlin werde gekündigt, die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige würden verschärft. Auch der russische Botschafter in Berlin sei vom Auswärtigen Amt einbestellt worden.
„Unsere Botschaft an Russlands Führung ist klar: Wir werden uns durch Russlands Angriffe nicht in unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt spalten oder einschüchtern lassen“, sagte der Minister. Die Bundesregierung werde in der Europäischen Union neue Sanktionen gegen Personen aus Russland vorschlagen und den Druck auf die sogenannte russische Schattenflotte erhöhen. Der Vorfall in Leipzig zeige, wie notwendig ein entschlossenes Vorgehen sei. Deutschland werde daher die zivile und militärische Unterstützung für die Ukraine sowie die Stärkung der eigenen Verteidigungsfähigkeit fortsetzen.
Die Schattenflotte besteht aus Tankern und Frachtschiffen, die Russland zum Vermeiden von Sanktionen etwa beim Öltransport einsetzt. Zudem wird sie zunehmend mit Spionage- und Sabotageakten in Verbindung gebracht.
Dobrindt sagte, „zusammen betrachtet belegen polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse eine russische Verantwortung“. Er fügte hinzu: „Wir betrachten Leipzig nicht als ein einzelnes Ereignis, sondern sehen das im Zusammenwirken mit weiteren hybriden Aktionen.“ Dobrindt weiter: „Wir gehen davon aus, dass Deutschland das Ziel weiterer hybrider Angriffe Russlands ist.“ Es sei davon auszugehen, „dass es eine Bereitschaft gibt, durch hybride Angriffe auch größere Schäden auszulösen". Die Bundesregierung beantworte diesen hybriden Angriff von Leipzig verhältnismäßig und besonnen, aber gleichermaßen entschlossen. „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung“, betonte er.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nahm an dem Pressestatement nicht teil, die Minister betonten jedoch, dass er „engstens“ eingebunden sei. Wadephul hatte für den Auftritt auf dem Weg von Algier zum EU-Außenministertreffen in Irland einen Zwischenstopp in Berlin eingelegt.
Russland kündigte kurz darauf an, auf Deutschlands Strafmaßnahmen „spiegelbildlich“ zu reagieren. Die Antwort werde ausfallen wie bei früheren einseitigen und ungerechten Sanktionen, teilte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, der Deutschen Presse-Agentur in Moskau mit.
Die mit Sprengstoff präparierte Drohne war am Abend des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft sprach von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“. Ermittelt wird wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.
Klare Reaktion angekündigt
Die nun verkündeten Maßnahmen lassen noch Luft nach oben. So haben bereits mehrere Politiker gefordert, dass Deutschland Artikel 4 des Nato-Vertrags in Anspruch nehmen könnte. Dieser sieht Beratungen der Verbündeten vor, wenn sich ein Nato-Staat von außen gefährdet sieht.
Das russische Kulturinstitut in Berlin – bekannt als Russisches Haus – ist wiederum bereits seit einiger Zeit im Fokus. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts hatte jüngst aber auf zwei Abkommen mit Russland verwiesen, „die zu beachten sind und nicht ohne Weiteres aufgehoben werden können“. Diese beträfen auch das Goethe-Institut in Moskau. „Diese beiden Institutionen sind also unmittelbar miteinander verbunden“, sagte er. Nach der Schließung des Russischen Hauses muss also auch mit Konsequenzen für das Goethe-Institut gerechnet werden.
Zuletzt wurden Forderungen nach neuer Härte gegenüber Russland laut. Der CDU-Sicherheitsexperte Roderich Kiesewetter sagte unserer Redaktion, die Maßnahmen müssten über einen symbolischen Charakter „wie die Einbestellung des russischen Botschafters oder den Verweis auf ein neues Sanktionspaket hinausgehen“. Er forderte unter anderem Nato-Konsultationen nach Artikel 4.
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), hat die Maßnahmen der Bundesregierung gegen Russland begrüßt und eine rasche Umsetzung in Aussicht gestellt. „Wir haben uns die notwendige Zeit genommen, die Fakten belastbar zusammenzutragen – jetzt ist die Verantwortlichkeit klar. Deshalb sind die heute vorgestellten Sofortmaßnahmen gegen das Russische Haus und das russische Konsulat richtig und notwendig“, sagte Röwekamp. „Weitere Maßnahmen, etwa gegen die russische Schattenflotte, müssen wir jetzt gemeinsam mit unseren Partnern beraten und anschließend entschlossen umsetzen. Und auch unsere Unterstützung für die Ukraine wird unverändert fortgesetzt“, kündigte Verteidigungspolitiker Röwekamp an.
Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr), Konstantin von Notz, lobte die Bundesregierung für die Reaktion auf den Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig – und mahnte zugleich weitere Maßnahmen an. „Für die Drohnenabwehr muss der Bund endlich rechtlich und tatsächlich die Verantwortung übernehmen und die dafür notwendigen Schritte mit allen Beteiligten bei einem Drohnen-Gipfel im Kanzleramt besprechen“, betonte er.
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