Wälder brennen in Spanien: Wird bei der Prävention zu viel gespart?

Die Wälder bei Madrid brennen – das führt in Spanien zu politischen ScharmützelnSpanien muss den nationalen Notstand ausrufen, die Feuer nehmen auch rund um die Hauptstadt dramatisch zu. Wird bei der Prävention...

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Wälder brennen in Spanien: Wird bei der Prävention zu viel gespart?

Die Wälder bei Madrid brennen – das führt in Spanien zu politischen Scharmützeln

Spanien muss den nationalen Notstand ausrufen, die Feuer nehmen auch rund um die Hauptstadt dramatisch zu. Wird bei der Prävention zu viel gespart?

Florian Haupt, Barcelona24.07.2026, 17.52 Uhr

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Bilder aus der Luft zeigen die Feuer, die inzwischen in mehreren Regionen Spaniens wüten.

Reuters

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Die erste schlechte Nachricht kam schon am späten Freitagmittag. Da vereinten sich zwei Waldbrände im Südwesten der Region Madrid zu einem grösseren Feuer. Doch es wurde noch ein schlimmeres Szenario befürchtet – denn auch die Flammen eines Grossbrandes aus der benachbarten Provinz Ávila waren nicht mehr weit weg. Rund 40 000 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt bereits evakuiert.

Für Madrid und Ávila wurde am frühen Morgen der nationale Notstand ausgerufen. Das bedeutet, dass das Innenministerium alle Rettungsmassnahmen zentral koordiniert, dafür auch die militärische Nothilfeeinheit UME einsetzt sowie Ressourcen aus unbeteiligten Regionen hinzuzieht. Später am Tag wurde auch Brüssel im Rahmen der EU-Zivilschutzkooperation um Hilfe gebeten. Vier Löschflugzeuge aus Italien und Griechenland setzten sich in Bewegung.

Ebenfalls EU-Unterstützung hat Frankreich beantragt, das seit Tagen mit verheerenden Bränden an seiner südwestlichen Atlantikküste kämpft. Dort mussten bereits über 60 000 Menschen evakuiert werden, besonders in der Gegend um Arcachon mit vielen Ferienorten.

Noch nie so frühe Hilfsgesuche

Eine Mitarbeiterin der Behörde in Brüssel betonte, dass solche Hilfegesuche noch nie so früh im Sommer kamen. Meistens erreicht die Waldbrandgefahr erst im August die höchste Alarmstufe.

Doch im gegenwärtigen europäischen Hitzesommer gelten alte Gewissheiten nicht mehr – und wird der Kampf gegen immer weniger vorhersehbare Brandverläufe umso mehr zum Wettlauf gegen die Zeit. Die Rettungskräfte in der Region Madrid sahen sich am Freitag zusätzlich mit starkem Wind von 50 km/h konfrontiert, der das Feuer vom Rand des Gliedstaats gefährlich nah an den dicht besiedelten Grossraum der Hauptstadt treiben könnte.

Der Wind wehte auch durch die Haare der Politiker, als sie am Freitag die Feuerzonen besuchten. «Es ist ein schwieriger Tag mit einer sehr widrigen Situation», sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska von den Sozialisten (PSOE). Von einer «Katastrophe» und ernsthafter Sorge um Menschenleben sprach Madrids konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso (PP), die den nationalen Notstand am späten Donnerstagabend beantragt hatte.

Sind Spaniens Politiker lernfähig?

Es ist das zweite Mal in der Geschichte Spaniens nach dem landesweiten Stromausfall vom vorigen April, dass dieser 2015 eingeführte Mechanismus aktiviert wird. Ayuso zog mit ihrem Hilfegesuch nicht zuletzt die Lehren aus dem fatalen Krisenmanagement ihres Parteikollegen Carlos Mazón im Herbst 2024 bei den Überschwemmungen in der Region Valencia mit 237 Todesopfern. Womöglich auch auf parteipolitische Direktive hin verzichtete der inzwischen zurückgetretene Regionalpräsident damals auf die Kompetenzübertragung an die Zentrale.

Am Freitag lobten Politiker aller Seiten die Zusammenarbeit in der Waldbrandbekämpfung als korrekt und reibungslos. Was in Spanien noch lange nicht bedeutet, dass nicht rhetorische Lunten gelegt würden. Verkehrsminister Óscar Puente warf den PP-Regionen vor, sich für Steuererleichterungen und Ausgabenkürzungen bei öffentlichen Einrichtungen feiern zu lassen und dann nach dem Militär und der Regierung zu rufen, «um sie aus dem Schlamassel zu holen». Tatsächlich beklagte etwa die Forstabteilung der Feuerwehr von Madrid, seit einer Woche untätig in ihrem Quartier zu sitzen, weil ihr von der Regionalregierung die nötigen Fahrzeuge vorenthalten würden.

Ayuso wiederum bezeichnete den Regierungsdelegierten für Madrid als «Witzfigur, die sich einschaltet, um die Lage anzuheizen.» Dieser hatte die Kürze ihres Notstandsantrags kritisiert. Die «Witzfigur» bekam Ayuso daraufhin von Puente zurück. Gerade diese beiden kennen sich aus unzähligen Scharmützeln auf Social Media.

Die Glaubwürdigkeit der Regionalpräsidentin beim Thema Naturkatastrophen hat auch deshalb gelitten, weil sie in der Vergangenheit die Erderwärmung auch einmal als «zyklisches Phänomen» und Warnungen vor den Folgen des Klimawandels als Konfabulation zur Durchsetzung des «Kommunismus» bezeichnete. Nun musste Ayuso «den schlimmsten Brand in der Geschichte Madrids» konstatieren.

Das Tempo, mit dem die Feuer zunehmen, ist atemberaubend. Nach offiziellen Angaben sind in Spanien durch Brände dieses Jahr bereits 115 000 Hektaren Wald vernichtet worden – fünfmal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Und der August hat noch nicht begonnen.

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