Selbst DFB-Präsident mag eigene Entscheidung nicht: Bundesliga-Vereine sollen für Polizeieinsätze zahlen
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DFB fällt Entscheidung zur Beteiligung von Bundesliga-Klubs an Polizeikosten
Stand: 11.09.2026, 14:06 Uhr
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Der DFB fällt eine Entscheidung zu den Kosten bei Risikospielen. An der generellen Praxis der Einstufung gibt es seit längerer Zeit Kritik.
Frankfurt am Main – Der DFB trifft eine Vorsorgeentscheidung. Sollten die Mehrkosten für Hochrisikospiele in Zukunft an den Verband herangetragen werden, möchte dieser die Gebühren „mindestens anteilig“ an die Heimvereine weitergeben. Diesen Grundsatzbeschluss teilte der DFB in einer Erklärung auf seiner Website mit. Doch schon allein der Begriff des Hochrisikospiels zeigt, wie angreifbar das generelle Vorhaben sein kann.

Denn welche Begegnungen als sogenannte Hochrisikospiele eingestuft werden, entscheidet allein die örtliche Polizeibehörde. „Aus Beobachtungen von Demonstrationen wissen wir, dass die Polizei oft von dramatischen Gefahreneinschätzungen ausgeht“, äußerte sich der Soziologe Albert Scherr gegenüber dem ZDF kritisch zu der Vorgehensweise. Diese Einschätzung traf Scherr nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das in direktem Zusammenhang mit der DFB-Entscheidung steht.
Fangruppen kritisieren Polizeiumlage für Vereine – Gewerkschaft argumentiert dagegen
Anfang 2025 hat das Bundesverfassungsgericht einen Einspruch der DFL zurückgewiesen. Damit bestätigte das Gericht, dass die Erhebung von Gebühren für polizeilichen Mehraufwand bei Hochrisikospielen in Bremen mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Nun wird auch im Saarland eine ähnliche Regelung auf den Weg gebracht. Deshalb hat sich der DFB zu seiner aktuellen Grundsatzentscheidung entschlossen.
Allerdings stellt DFB-Präsident Bernd Neuendorf klar, dass er diese Regelung generell nicht bevorzugt. Unabhängig von der getroffenen Entscheidung „halten wir die Gebührenerhebung für Polizeikosten nach wie vor für den falschen Ansatz. Das gemeinsame Ziel von Politik, Polizei, Verbänden und Vereinen muss es sein, die Sicherheitslage vor Ort zu verbessern und Polizeieinsatzstunden anlässlich Fußballspielen zu verringern. Beides wird durch eine Gebührenregelung nicht erreicht.“
Wiederholt haben auch Fanvereinigungen wie „Unsere Kurve“ oder die „Koordinationsstelle Fanprojekte“ den Ansatz der Gebührenumlage kritisiert. Sie fordern Dialoge und gemeinsame Konzepte statt einer Kostenlogik, die beim Ziel der Gewaltverringerung ohnehin der falsche Ansatz sei. So stellen auch Vereine die Frage, wie sie im Umfeld der Stadien, wo sie kein Hausrecht haben, zu mehr Sicherheit beitragen sollen. In den Spielstätten stellen sie bereits Ordner und Sicherheitspersonal.
Zudem drängt sich die Frage auf, ob das Vorgehen der Gebührenumlage bei Fußballspielen nicht ein Tor zu weiteren Veranstaltungen öffnen könnte. Würde man etwa bei Demonstrationen einen ähnlichen Ansatz verfolgen, könnten diese von Polizeiseite schon im Vorfeld effektiv verhindert werden. Denn wenige Veranstaltungsanmelder dürften in der Lage sein, etwaige „Mehrkosten“ zu tragen. Schlussendlich würde das zur Einschränkung der Meinungsfreiheit führen.
Im vorliegenden Fall der Kostenumlage bei Fußballspielen argumentiert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) natürlich anders. Heiko Teggatz, damals stellvertretender Bundesvorsitzender der DPolG, sagte im Januar 2025: „Es kann nicht sein, dass jeder Bürger für kleinste Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung mit teilweise drastischen Gebühren zur Kasse gebeten werden [sic], aber die milliardenschwere DFL die Arbeit zigtausender Polizeikräfte geschenkt bekommt.“
Zudem forderte die DPolG, dass die entstehenden Mehreinnahmen nicht in die jeweiligen Landeshaushalte fließen sollen – was die von Teggatz angesprochenen Bürger noch mehr entlasten würde –, sondern dass das Geld direkt in die Polizei gesteckt werden solle. Also mehr Personal und Modernisierung auf Rechnung der Fußballvereine, und auf der Basis polizeilicher Entscheidungen. (sch)