Defizite beim Schreiben und Rechnen: Jeder fünfte Betrieb will weniger Lehrlinge einstellen
Defizite beim Schreiben und Rechnen: Jeder fünfte Betrieb will weniger Lehrlinge einstellenAusbildungsverantwortliche von Unternehmen beklagen eine schleichende Verschlechterung bei den Grundkompetenzen.01.09.2...
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Defizite beim Schreiben und Rechnen: Jeder fünfte Betrieb will weniger Lehrlinge einstellen
Ausbildungsverantwortliche von Unternehmen beklagen eine schleichende Verschlechterung bei den Grundkompetenzen.
01.09.2026, 18.27 Uhr
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Jugendliche haben Lücken beim Rechnen und Schreiben, das zeigt sich auch im Betriebsalltag.
Christian Beutler / Keystone
Seit Jahren zeigen nationale und internationale Leistungserhebungen wie Pisa, dass die Grundkompetenzen von Schweizer Schülern beim Lesen, Schreiben und Rechnen zurückgehen. Nun macht sich diese schleichende Verschlechterung auch in den Ausbildungsbetrieben deutlich bemerkbar. Gemäss einer gemeinsamen Umfrage von Economiesuisse, Gewerbeverband und Arbeitgeberverband unter gut 2900 Ausbildungsverantwortlichen fällt es einem erheblichen Teil der Jugendlichen zunehmend schwer, längere Texte zu erfassen, verständlich zu schreiben oder zu beurteilen, ob ein berechnetes Resultat plausibel ist.
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Besonders schlechte Noten geben die Unternehmen den Lernenden beim Schreiben und in der Mathematik. 59 Prozent der Befragten beurteilen deren Schreibkompetenzen als ungenügend. Bei der Rechtschreibung und Grammatik sehen sogar mehr als zwei Drittel Defizite. Auch in der Mathematik orten die Ausbildungsbetriebe Luft nach oben. So fällt den Jugendlichen etwa der Umgang mit Grössen und Einheiten schwer. Bemerkenswert ist, dass die Lücken landesweit ähnlich ausgeprägt sind: Zwischen Deutschschweiz, Westschweiz und Tessin zeigen sich laut der Erhebung nur geringe Unterschiede.
Noch vergleichsweise gut schneiden die Lernenden beim Lesen ab. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten beurteilen ihre Fähigkeiten als gut oder eher gut. Mühe bereitet es den Jugendlichen jedoch, längere Texte zu erfassen oder die wesentlichen Informationen daraus herauszufiltern.
Anhaltender Sinkflug bei den Grundkompetenzen
Laut den Ausbildungsverantwortlichen handelt es sich beim Rückgang der Grundkompetenzen nicht um ein vorübergehendes Phänomen, sondern um einen längerfristigen Abwärtstrend. Rund die Hälfte der Betriebe beobachtet die Entwicklung seit etwa fünf Jahren, ein weiteres Viertel seit ungefähr zehn Jahren. Nur eine Minderheit nimmt den Rückgang erst seit zwei oder drei Jahren wahr. Um die bestehenden Lücken zu schliessen, unterstützen drei von vier Unternehmen ihre Lehrlinge heute mit zusätzlichen internen oder externen Massnahmen.
Besorgniserregend ist, dass der Sinkflug bei den Kompetenzen bei Jugendlichen auch das Lehrstellenangebot negativ beeinflusst. Jedes fünfte Unternehmen gibt an, wegen der sinkenden Grundkompetenzen bereits weniger Lernende zu rekrutieren oder dies künftig tun zu wollen. Häufig verschärfen Betriebe zudem ihre Selektionskriterien oder lassen eine Lehrstelle unbesetzt, wenn geeignete Bewerber fehlen.
Besonders schwer mit dieser Entwicklung tun sich KMU: Zusätzliche Betreuung und Förderung würden sie zeitlich und personell besonders stark beanspruchen, heisst es in der Erhebung. Rund 30 Prozent der Unternehmen mit höchstens neun Beschäftigten erwägen deshalb, weniger Lernende auszubilden; bei Grossunternehmen sind es 13 Prozent.
Belastung für duale Berufsbildung
Für die Wirtschaftsverbände zeigt sich damit, dass sinkende Grundkompetenzen längst nicht nur ein bildungspolitisches Problem sind. Die Defizite drohten vielmehr die duale Berufsbildung und damit auch die Fachkräftesicherung zu schwächen. Nur wenn Kompetenzlücken bereits während der obligatorischen Schulzeit geschlossen würden, könne die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe langfristig gesichert werden.
Economiesuisse, Gewerbeverband und Arbeitgeberverband fordern deshalb, Lesen, Schreiben und Mathematik in der Volksschule wieder stärker ins Zentrum zu rücken. Gleichzeitig räumen sie ein, dass die Ursachen des Leistungsrückgangs bisher nur unzureichend geklärt sind. Diskutiert werden etwa ein verändertes Medienverhalten, die stärkere Nutzung digitaler Geräte oder die veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft. Für keine dieser Erklärungsversuche gibt es bisher jedoch einen belastbaren empirischen Nachweis.
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