DAX-Erholung hängt am seidenen Faden – US-Inflation entscheidet
Frankfurter Börse: Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.deDer DAX steht am Freitag vor dem wichtigsten Konjunkturtermin der Woche. Die US-Verbraucherpreise dürften darüber entscheiden, ob der deutsche Leiti...
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Der DAX steht am Freitag vor dem wichtigsten Konjunkturtermin der Woche. Die US-Verbraucherpreise dürften darüber entscheiden, ob der deutsche Leitindex nach seinem jüngsten Rückschlag eine Erholung startet oder die Korrektur fortsetzt. Trotz des Ölpreisschocks und steigender Anleiherenditen spricht die kurzfristig überverkaufte Lage zunächst für eine Gegenbewegung. Ein unerwartet kräftiger Inflationsanstieg könnte dieses Szenario jedoch schnell zunichtemachen.
Ölpreis schürt Inflationsangst
Am Donnerstag setzte der DAX seinen Abwärtstrend fort. Nach einer anfänglichen Erholung stieg der Index zunächst bis auf 25.612 Punkte, geriet anschließend aber erneut unter Druck. Nach der EZB-Entscheidung und der Veröffentlichung der US-Erzeugerpreise fiel er bis auf ein Tagestief bei 25.345 Punkten.
Die eigentliche Belastung ging weniger von der Zinserhöhung der EZB als vom erneuten Ölpreissprung und dem Ausverkauf am Anleihemarkt aus. Die EZB erhöhte den Einlagensatz erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent. Präsidentin Christine Lagarde verwies zwar auf gestiegene Aufwärtsrisiken für die Inflation, vermied aber jede Festlegung für die nächste Sitzung. Eine weitere Zinserhöhung sei weder beschlossen noch ausgeschlossen.
Deutlich größeren Gegenwind erzeugte der Ölpreis. Beschleunigt wurde der Anstieg durch eine Meldung aus Saudi Arabien. Die saudische Ölförderung sank im August infolge der Huthi-Drohungen und zunehmender Transportprobleme kräftig. Brent stieg daraufhin zeitweise bis auf 105,71 Dollar je Barrel. Der Preissprung verstärkte die Sorge, dass höhere Energiekosten die Inflation erneut anfachen und die Notenbanken zu einer noch strafferen Geldpolitik zwingen könnten.
Entsprechend gerieten Staatsanleihen unter Verkaufsdruck. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte bis auf 4,92 Prozent und näherte sich damit der psychologisch wichtigen Marke von 5 Prozent. Der Renditeschock belastete nicht nur die Aktienmärkte, sondern setzte auch den Goldpreis und Bitcoin deutlich unter Druck. Bleiben Ölpreis und Renditen auf ihren hohen Niveaus, dürfte das Erholungspotenzial des DAX begrenzt bleiben.
Zinssorgen bleiben
Die US-Erzeugerpreise lieferten unterdessen keine Entwarnung. Auf Monatssicht stiegen sie im August wie erwartet um 0,4 Prozent. Die Jahresrate beschleunigte sich jedoch von 4,7 auf 5,4 Prozent und lag damit leicht über der Prognose von 5,3 Prozent. Auch die Kernrate übertraf die Erwartungen knapp. Die Zahlen bestätigen, dass der Inflationsdruck hartnäckig bleibt.
Laut FedWatch-Tool stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 16. September daraufhin von rund 60 auf 70 Prozent. Umso größer ist die Bedeutung der US-Verbraucherpreise, die am Freitag um 14:30 Uhr veröffentlicht werden. Erwartet werden eine unveränderte Inflationsrate von 3,4 Prozent sowie ein Rückgang der Kernrate von 2,5 auf 2,4 Prozent. Um 16:00 Uhr folgen das US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan und die besonders beachteten Inflationserwartungen.
DAX technisch überverkauft
Charttechnisch hat der DAX das 61,8%-Retracement bei 25.406 Punkten nahezu punktgenau abgearbeitet. Zusammen mit der überverkauften Lage erhöht dies die Chance auf eine technische Gegenbewegung. Diese könnte den Index zunächst in den Bereich von 25.520 bis 25.550 Punkten führen. Ein Anstieg über das Donnerstagshoch bei 25.612 Punkten würde das Erholungsszenario bestätigen und den Weg in Richtung 25.670 und 25.730 Punkte öffnen.
Zuvor könnte der DAX allerdings noch ein weiteres Tief markieren. Im asiatischen Handel fiel er zeitweise bis auf 25.310 Punkte. Dort beginnt eine horizontale Unterstützungszone, die sich bis 25.280 Punkte erstreckt. In diesem Bereich könnte sich der Index stabilisieren und eine Erholungsbewegung einleiten. Unterhalb von 25.280 Punkten wäre dagegen mit einer Ausweitung der Korrektur bis an die Marke von 25.200 Punkten zu rechnen.

DAX-Widerstände: 25.560, 25.612 (TH), 25.728, 25.749 (SMA50), 25.800, 25.909 (TH), 26.025, 26.069
DAX-Unterstützungen: 25.406 (61,8), 25.396 (TT), 25.310, 25.275, 25.200, 25.099 (Gap), 25.073 (78,6)
Dax-Chart auf TradingView-BasisHinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar.

Über den RedakteurStefan Jäger
Finanzjournalist und Trader
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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