Das bizarre Leben von Mr T, dem härtesten Mann im Fernsehen
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Stand: 10.09.2026, 14:13 Uhr
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Die Exzentrik, Emotion und anhaltende Wirkung des Muskelmanns kommen in der neuen Netflix-Dokumentation der Reihe Untold voll zur Geltung.
„Ich werde nie den Moment vergessen, in dem ich Mr T gesehen habe.“ So beginnt Schauspieler Terry Crews seine Erinnerungen in der neuesten Ausgabe von Untold, der Dokumentarreihe von Netflix, Mr T: I Pity the Fool. Doch wohl jeder, der sich an die 1980er erinnert, dürfte zustimmen. Mit Goldketten, die sich um seinen Hals türmten, Irokesenschnitt und Federohrringen war der harte Mann aus dem A-Team einer der prägenden Popstars des Jahrzehnts – neben der Thriller-Ära von Michael Jackson einer der bekanntesten Menschen des Planeten. Er sei, sagt Crews, ein Superheld aus Fleisch und Blut gewesen.
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Dieser Artikel von Tom Fordy entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Mr T selbst kommt ebenfalls zu Wort und erzählt seine Lebensgeschichte: vom Aufwachsen von Sozialhilfe in den Wohnprojekten von Chicago über seine Zeit als Bodyguard und Kinostar bis hin zum Profi-Wrestler und weltumspannenden Merchandising-Phänomen.

Heute, mit 74 Jahren, wirkt er gebeugter und bescheidener als zu seinen kraftstrotzenden Glanzzeiten. Sein Kleidungsstil ist jedoch weiterhin wunderbar spleenig – er steckt von Kopf bis Fuß in Sternenbanner-Klamotten – und er beherrscht noch immer die Kunst, ganz gewöhnliche Worte in dem knurrigen Mr-T-Tonfall deutlich witziger klingen zu lassen. „Ich will nicht denken, dass ich der Größte bin und noch ’ne Tüte Chips obendrauf“, sagt er an einer Stelle. Ganz der Exzentriker hat Mr T seine eigene Dokumentation bereits scharf kritisiert.
Kindheit in Chicago und die Entstehung eines Superheldenmythos
Geboren als Laurence Tureaud (später in Tero geändert), war er eines von 12 Kindern – er hatte sieben Brüder und vier Schwestern – und wuchs in der Wohnsiedlung Robert Taylor Homes in Chicago auf. „Sie haben einfach arme Schwarze übereinandergestapelt“, sagt Mr T rückblickend. Als Teenager legte er körperlich zu und übernahm die Rolle des Beschützers für seine Mutter und seine Schwestern.
Untold – sonst meist Sportbiografien vorbehalten – greift das Superhelden-Motiv auf und inszeniert T.s Anfänge als Origin-Story, komplett mit Comic-Panels. Der „Onkel-Ben-wird-erschossen“-Moment dieser Geschichte ist der Raubüberfall auf seine Mutter, der ihr das Sozialgeld entriss. „Das hätten sie nicht tun dürfen“, sagt T, der behauptet, daraufhin mit einer Schrotflinte Jagd auf die Räuber gemacht und sie einen nach dem anderen aufgespürt zu haben. Ihr Schicksal bleibt im Dunkeln. Er wiederholt auch die bekannte Geschichte, warum er seinen Namen in „Mr T“ änderte: Aus Frust darüber, dass sein Vater und sein Vietnamveteranen-Bruder als „boy“ angesprochen wurden, wurde er zu Mr T, damit ihn jeder mit „Mr“ anredete – aus Respekt.
Er arbeitete sich zum härtesten Türsteher der Nachtclubs in Chicago hoch und war Bodyguard für verschiedene Prominente, darunter Diana Ross und Michael Jackson. Die Dokumentation konzentriert sich besonders auf seine Arbeit als Leibwächter des Boxers Leon Spinks. Denn wie hart muss man sein, um der Bodyguard des Schwergewichts-Weltmeisters zu sein?
Durchbruch im Fernsehen: Vom Türsteher zu Rocky und dem A-Team
Der US-Fernsehsender NBC erkannte in ihm Starpotenzial und schickte ihn in zwei Wettbewerbe für den härtesten Türsteher. Im Film gibt es großartige Ausschnitte – es wirkt wie Britain’s Got Talent, nur dass er statt für Simon Cowell zu singen quer über eine Bar stürmen, eine imaginäre Schlägerei beenden und eine Tür durchbrechen muss.
Die TV-Wettbewerbe brachten ihn auf den Radar von Sylvester Stallone, der ihn als Bösewicht in Rocky III (1982) besetzte. Mr T spielte den wilden Clubber Lang – im Grunde eine stark übersteigerte, aggressive Version seiner selbst. Rocky-Fans dürften an den Hintergrundaufnahmen in Untold ihre Freude haben: Mr T, der bei einer Pressekonferenz – natürlich im Boxring – präsentiert wird und später zusammen mit „Sly“ die Kampfszenen einstudiert. Archivmaterial eines Auftritts in David Lettermans Talkshow, in der er im Juli 1982 Rocky III bewirbt, hat ebenfalls Wucht.
Als Letterman nach den Goldketten fragt, erklärt T, sie seien Symbol seines Kampfes, und seine Vorfahren seien als Sklaven gezwungen worden, Ketten zu tragen. „Die Leute fragen mich: ‚Wird dieses Gold nicht schwer?‘“, sagt er zu Letterman. „Niemand hat meine Vorfahren gefragt, ob die Ketten an ihrem Hals schwer wurden.“ Letterman bleibt sprachlos zurück.
Der Höhepunkt des Ruhms: A-Team, Merchandise und Selbstparodie
Auf Rocky III folgte rasch The A-Team (1983), eine Fernsehserie über Vietnamveteranen auf der Flucht, die in Los Angeles allerlei Ungerechtigkeiten durch blutleere Schießereien und selbstgebastelte Waffen geradebiegen. Manche Zuschauer (einschließlich des Autors) könnten problemlos noch eine weitere Dokumentation schauen, die sich ausschließlich The A-Team widmet. Als wahrer Alpha-Hahn des Achtziger-Fernsehens war es das definitive Vehikel für Mr T.
Zu dieser Zeit war Mr T der heißeste Star im US-Fernsehen. Es gab Actionfiguren, Brotdosen, seine eigene Frühstückscerealie, Spaßplatten wie Treat Your Mother Right und eine Zeichentrick-Spin-off-Serie, Mister T (ein unterschätztes Meisterwerk der animierten Achtzigerjahre). Doch die Dokumentation zeigt, wie diese Popularität in Selbstparodie umschlug – besonders mit seinem Spruch „I pity the fool“ und immer bizarreren öffentlichen Auftritten. 1983 lud ihn Nancy Reagan ins Weiße Haus ein, wo er als Weihnachtsmann verkleidet erschien – die First Lady setzte sich auf seinen Schoß – und half, ihre Anti-Drogen-Kampagne „Just Say No“ zu bewerben.
Im Jahr darauf stieg er beim WWF (World Wrestling Federation) ein, nachdem er den damaligen WWF-Champion Hulk Hogan bei den Dreharbeiten zu Rocky III kennengelernt hatte. Untold spielt seine Rolle bei der Verwandlung des Wrestlings in ein kulturelles In-Phänomen herunter und erwähnt auch nicht, dass ihn einige Wrestler hassten, besonders Bösewicht und B-Movie-Star Roddy Piper, der Mr T dafür grollte, ihm das Rampenlicht zu stehlen. Die Kämpfe waren natürlich abgesprochen, doch Mr T soll am Tag eines Matches damit gedroht haben abzusagen, aus Angst, Piper könnte ihn wirklich verletzen und damit sein Image als harter Hund ruinieren.
Exzesse, Exzentrik und der lange Fall vom Superstar
Seine Tochter, die Komikerin Erica Clark, sagt, dass er in diesen Jahren des Ruhmes „oft nicht in der Stadt“ gewesen sei, was durchaus als Umschreibung für „komplett durchgeknallt“ durchgehen könnte.
Geschichten über den schrägen Mr T gibt es jedenfalls reichlich. In seiner Autobiografie von 1985 behauptet er, sich auf den Türdurchbruch-Wettbewerb vorbereitet zu haben, indem er in verfallene Gebäude in Chicago ging und dort durch Wände und Türen rannte. 1987 verstörte er dann einen wohlhabenden Vorort Chicagos, als er in ein sieben Hektar großes Anwesen im Tudor-Stil einzog und rund 100 Bäume fällen ließ – angeblich wegen seiner Allergien. Die Anwohner tauften das Ereignis „Lake Forest Chain Saw Massacre“ (dem Vernehmen nach führte Mr T die Kettensäge selbst). Und als er 2014 in die Wrestling Hall of Fame aufgenommen wurde, nutzte er seine 20-minütige Rede beinahe ausschließlich, um zu erzählen, wie sehr er seine Mutter liebe – eines seiner Lieblingsthemen – und musste schließlich mitten in der Ansprache höflich von der Bühne „gezogen“ werden. In Untold zeigt sich die Exzentrik in voller Blüte, als er bei dem Gedanken, mit Fans auf einer Comic-Convention zu beten, völlig aus dem Häuschen gerät.
Auffällig ist jedoch, dass er selbst kaum zu sehen ist, sobald die Dokumentation seinen Abstieg vom Superstar thematisiert. Stattdessen übernehmen frühere Weggefährten die Rolle der Talking Heads, allen voran sein ehemaliger Agent Peter Young, der Mr T.s verrückte Forderungen beschreibt, je mehr Ruhm und Ego anschwollen – darunter weiße Stretchlimousinen und, zur allgemeinen Erheiterung, Calgon-Bouquet-Badeschaum. Laut Young verspielte Mr T Geschäfte durch überzogene Geldforderungen. „Das Feuer [seines Ruhmes] erlosch irgendwie“, sagt Young. Mr T erklärte der britischen Zeitung The Guardian, er sei wütend auf das Doku-Team, weil es Young zu Wort kommen ließ, den er nach eigenen Angaben verklagt habe, weil dieser seinen Namen ohne sein Wissen auf Verträge gesetzt haben soll.
Einfühlsamer Spätstil und ein neues Bild von Männlichkeit
Trotz der Einwände seines Protagonisten ist I Pity the Fool ein liebevolles Porträt. Und bei allem Getöse und all der Skurrilität wirkt der heutige Mr T durchaus sympathisch. Er schildert, wie ein Blutkrebsleiden in den 1990er-Jahren ihn dazu brachte, sich stärker auf Arbeit mit Kirche und Gemeinde zu konzentrieren. Und man bräuchte wohl ein Herz aus Clubber-Lang-Stein, um bei der Szene unberührt zu bleiben, in der er einen behinderten Fan trifft.
Vielleicht die größte Überraschung ist Mr T – einer der Inbegriffsmuskelmänner der Achtziger – als Botschafter eines modernen Männerbildes. „Ich bemitleide den Mann, der nicht weint und nichts rauslässt“, sagt Mr T. „Das ist ein Narr. Das ist ein Narr.“ Mr T: I Pity the Fool läuft derzeit bei Netflix im Streaming