DDR-Architekt Roland Korn mit 96 Jahren gestorben

Er entwarf das DDR-Staatsratsgebäude und ein ganzes Stadtviertel: Roland Korn war der letzte Chefarchitekt Ost-Berlins und hat das Stadtbild bis heute geprägt. Am Montag ist er im Alter von 96 Jahren verstorben.

  • 2 min read
DDR-Architekt Roland Korn mit 96 Jahren gestorben

Bauten in Ost-Berlin

DDR-Architekt Roland Korn mit 96 Jahren gestorben

Archivbild: Roland Korn in seinem Garten (Quelle: rbb)
Archivbild: Roland Korn in seinem Garten (Quelle: rbb)

Icon Kommentar

Der Berliner Architekt Roland Korn ist tot. Das bestätigte sein Sohn Thomas Korn der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Demnach ist Korn am Montag im Alter von 96 Jahren gestorben. Zuerst berichtete die "Berliner Zeitung".

Der gebürtige Thüringer wurde 1930 geboren. 1973 wurde er zum Chefarchitekten in Ost-Berlin ernannt; in dieser Funktion prägte er bis 1989 maßgeblich das Stadtbild. Als sein wichtigstes Werk gilt das heute unter Denkmalschutz stehende DDR-Staatsratsgebäude, das 1964 mit Pomp und Parteispitze eingeweiht wurde. Das Haus wurde später kurz Bundeskanzleramt und wird inzwischen von einer privaten Hochschule genutzt.

Von 1979 bis 1981 war Korn Mitglied der Bezirksleitung Berlin der SED.

Roland Korn mit Erich Honecker vor einem Architekturmodell (Quelle: rbb)
Roland Korn mit Erich Honecker vor einem Architekturmodell (Quelle: rbb)

Korn, der Erbauer Marzahns

Dem Auftrag für das DDR-Staatsratsgebäude folgten weitere Aufträge, wie etwa das Haus des Reisens am Alexanderplatz und das Hotel Stadt Berlin (heute: Park Inn Hotel).

Größte Aufgabe Korns war die Planung eines ganz neuen Stadtviertels für 250.000 Einwohner: Marzahn. Der Architekt sammelte dazu Ideen weltweit und in West-Berlin, in der Gropiusstadt: "Gropius hat dann eine Planung gebracht, bei der er alte Baumalleen berücksichtigt hatte", sagte Korn dem rbb einmal. "Das hat mir gefallen. Und in Marzahn haben wir dann die Kastanienallee erhalten, die abgeholzt werden sollte."

Neben dem großflächigen Neubau am Stadtrand standen Rekonstruktionsprojekte im Stadtinneren – beispielsweise den Neubau des Nikolai-Viertels in Altstadt-Optik oder die Sanierung des Altbaubestandes in der Frankfurter Allee. Dabei gab es auch Berührungspunkte zwischen Ost-Stadtplanern und West-Stadtplanern, die sich in Berlin ohnehin näher waren, als damals öffentlich bekannt wurde. "Ich hatte oft die Möglichkeit, nach West-Berlin zu fahren. Ich konnte auch Kontakt aufnehmen mit West-Berliner Kollegen. Die Adern der Stadt, die Nahtstellen, die werden wir uns wohl nicht verbauen", sagte er dem rbb einst.

Karriereende Wiedervereinigung

Der Fall der Mauer wurde für Korn zur persönlichen Enttäuschung. Obwohl seine Expertise auch im vereinten Berlin gefragt war, verlor er doch sein Amt. "Ich habe zu meiner Frau gesagt, ich mache das Theater nicht mit. Nein, für mich ist das eine Erniedrigung. Und habe kurzentschlossen meine Kündigung geschrieben." Es folgten Jahre als selbstständiger Architekt und auch als Maler.

Sendung: radio3, 23.07.2026, 8:30 Uhr

Audio: radio3, 23.07.2026, Paul Sonderegger

Mehr bei rbb|24

Baraa Doghmosh auf einem Handybildschirm (Quelle: rbb24 Abendschau)
Eine betäubte Königin der Art Asiatische Hornisse liegt nach der Entfernung eines riesigen Nestes auf einem Gummihandschuh. (Quelle: picture alliance/dpa/Boris Roessler)
In einer Geburtsklinik an einem Krankenhaus hält eine Hebamme die Füßchen eines Babys. (Quelle: dpa/Grubitzsch)
Trinkwasser kommt aus einem Wasserhahn. (Quelle: dpa/Marijan Murat)
Eine Bodentafel für Beate Fischer liegt in der Emmentaler Straße im Bezirk Reinickendorf. Mit der Tafel erinnert das Bezirksamt an die vor 32 Jahren ermordete Frau. (Quelle: picture alliance/dpa/Sebastian Christoph Gollnow)
Glasfaserkabel an einer Baustelle. (Quelle: picture alliance/Bildagentur-online/Tschanz-Hofmann)