BSW zieht in Landtag ein – Schlüsselrolle für AfD nach Sachsen-Anhalt-Wahl?
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Stand: 07.09.2026, 07:33 Uhr
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Trotz interner Krisen zieht das BSW in den Magdeburger Landtag ein – und hat plötzlich Macht. Wagenknecht will ein nie dagewesenes Experiment.
Magdeburg/Berlin – Mit fünf Prozent der Stimmen verändert das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) die politische Statik nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Trotz parteiinterner Konflikte zieht die neue Partei in den Magdeburger Landtag ein und entscheidet nun maßgeblich über die künftige Regierungsbildung.
Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD verfehlt absolute Mehrheit knapp
Die Ausgangslage im neuen Landtag ist ohne klare Mehrheiten. Der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD-Landesverband wurde in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Die regierende CDU fiel hingegen auf 17,2 Prozent.

Trotz dieses Ergebnisses verfehlte die AfD mit 39 Sitzen die absolute Mehrheit von 42 Mandaten knapp. Da alle etablierten Parteien eine Koalition mit der AfD kategorisch ausschließen, ist keine klassische Regierungsbildung in Sicht. Hier wird das BSW mit seinen fünf Mandaten entscheidend.
Das BSW-Wunschmodell in Sachsen-Anhalt: der Technokrat
Die Wagenknecht-Partei hat klare Bedingungen formuliert. BSW-Chefin Amira Mohamed Ali schließt aus, dem Wahlsieger Ulrich Siegmund (AfD) oder dem bisherigen Amtsinhaber Sven Schulze (CDU) ins Amt des Ministerpräsidenten zu verhelfen. Stattdessen forciert das BSW die Idee eines „überparteilichen Ministerpräsidenten“, der mit wechselnden Mehrheiten regieren soll.
Wie der Spiegel berichtet, erklärte BSW-Generalsekretär Oliver Ruhnert, man habe bereits Gespräche mit einer passenden Person geführt. Der Name solle zeitnah den anderen Fraktionen präsentiert werden. Der Potsdamer Politikwissenschaftler Jan Philipp Thomeczek äußert gegenüber der dpa jedoch deutliche Zweifel an diesem Konstrukt: Jemanden zu finden, der absolut neutral sei, bedeute „komplette Beliebigkeit“ – so lasse sich ein Land nicht führen.
BSW in Sachsen-Anhalt: inhaltliche Schnittmengen mit der AfD
Inhaltlich zeigt sich das BSW flexibel. Eine formelle Koalition mit der AfD schloss Sahra Wagenknecht zwar aus, eine projektbezogene Zusammenarbeit ist für sie jedoch kein Tabu. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze betonte Gemeinsamkeiten: „Wir haben schon einige Schnittmengen, vor allen Dingen auch in der Russlandfrage“. Auch bei der Forderung nach „preiswerter Energie“ sei man sich einig, während man in der Bildungspolitik weit auseinanderliege.
Die AfD zeigt sich für diese Avancen offen. AfD-Bundeschefin Alice Weidel bezeichnete ein Regierungsszenario mit dem BSW als „sehr interessant“, berichtet die AFP. Der Spiegel analysiert, dass das BSW bereits vor der Wahl einen Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine forderte und dabei explizit auf eine Mehrheit mithilfe der AfD-Stimmen spekulierte.
Öffnung zur AfD führt zu parteiinternen Konflikten im BSW
Diese strategische Öffnung nach rechts sorgt intern für harte Auseinandersetzungen. Die Distanzlosigkeit zum AfD-Vorfeld und Interviews mit rechtsextremen Medien wie dem „Compact“-Magazin führten laut Spiegel-Informationen zu massiver Kritik. Der Konflikt eskalierte kürzlich im Austritt der Thüringer BSW-Landesspitze um Katja Wolf, die nun eine eigene Partei gründen will.
Die Sitzverteilung in Sachsen-Anhalt im Überblick (42 Sitze für absolute Mehrheit)
- AfD: 39
- CDU: 15
- SPD: 8
- Grüne: 8
- Linke: 8
- BSW: 5
Für das BSW ist der Wahlerfolg in Magdeburg von zentraler strategischer Bedeutung. Laut dpa-Bericht verspricht sich Parteigründerin Sahra Wagenknecht durch das Ergebnis eine Stärkung der Partei für die in zwei Wochen anstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Auch der Spiegel analysiert, dass das Lager der BSW-Kritiker das Argument einer „verschenkten Stimme“ nun nicht mehr aufrechterhalten könne.
Die Umsetzung des angestrebten Technokraten-Kabinetts in Sachsen-Anhalt ist derweil noch ungewiss. (Quellen: dpa, Spiegel, AFP) (frs)