Samuel Essende: Vom Banlieue-Drama zum YB-Vorbild inspiriert von Ronaldo

Publiziert24. Juli 2026, 17:38YB-Stürmer EssendeBruder in Pariser Banlieue ermordet – nun auf Ronaldos SpurenSamuel Essende (28) verlor in jungen Jahren seinen Bruder auf tragische Art und Weise. Nun geht er al...

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Samuel Essende: Vom Banlieue-Drama zum YB-Vorbild inspiriert von Ronaldo

Publiziert24. Juli 2026, 17:38

YB-Stürmer EssendeBruder in Pariser Banlieue ermordet – nun auf Ronaldos Spuren

Samuel Essende (28) verlor in jungen Jahren seinen Bruder auf tragische Art und Weise. Nun geht er als Musterprofi bei YB voran und findet Inspiration in Cristiano Ronaldo.

Florian Gnägi

Darum gehts

  • YB-Stürmer Samuel Essende (28) wechselte im Winter für rund 3,5 Millionen Franken von Augsburg nach Bern.
  • Der Kongolese wuchs in der Pariser Banlieue Montfermeil auf – 2005 wurde einer seiner Brüder ermordet.
  • Trainer Seoane und Sportchef Spycher loben Essende als Vorbild; er wurde neu in den Mannschaftsrat berufen.

Als den fünf anwesenden YB-Spielern beim obligaten Medientermin vor Saisonbeginn nach dem Morgentraining die Nudeln gereicht werden, lässt Stürmer Samuel Essende als Einziger in der Runde die Pasta aus. Für das kongolesische Kraftpaket gibt’s neben Brötchen bloss Salat und Proteine.

«Wir sind Vorbilder», meint Essende, als ihn 20 Minuten auf seine Fitness anspricht. Für ihn gehe es darum, so fit wie möglich zu sein. «Ich denke, das ist das Wichtigste, um konstant zu sein und lange auf dem Niveau spielen zu können und Verletzungen zu vermeiden», betont der Angreifer, der sich in seiner Lebensweise an Portugals Superstar Cristiano Ronaldo orientiert.

Samuel Essende: «Ronaldo ist mein Vorbild»

«Für jeden Athleten muss er ein Vorbild sein, auch für mich. Hoffentlich kann ich auch bis 41 spielen, wenn es mein Körper mir erlaubt», schwärmt Essende von «CR7». «Wenn man über Arbeitsethik und Konstanz spricht, muss man über ihn oder andere Topathleten wie Zlatan Ibrahimovic sprechen», so der YB-Angreifer, der im letzten Winter für die stolze Summe von rund 3,5 Millionen Schweizer Franken von Augsburg nach Bern wechselte.

Essendes Vorbild: Cristiano Ronaldo.

Essendes Vorbild: Cristiano Ronaldo.IMAGO/VCG

Als Königstransfer verpflichtet, musste Essende dann ganze elf Spiele lang auf seinen ersten Torerfolg für Gelbschwarz warten. In der vorletzten Runde platzte der Knoten beim 28-Jährigen dafür dann so richtig. In einem denkwürdigen Berner Kantonalderby schenkte er dem frischgebackenen Meister aus Thun beim 8:3-Auswärtssieg gleich drei Tore ein. Auch beim Saisonabschluss gegen Sion (3:3) traf Essende.

Bei der Erklärung für das Ende seiner Torflaute ist der Berner Hoffnungsträger ebenfalls um einen Ronaldo-Vergleich bemüht: «Wie Cristiano einst sagte, ist es bei Stürmern wie bei Ketchupflaschen. Wenn es einmal klappt, ist man wie im Flow».

Essendes Bruder in Pariser Banlieue ermordet

Im Gespräch kurz vor dem Saisonstart wirkt Essende voller Selbstvertrauen und tiefenentspannt. In seinem Leben hat der frühere PSG-Junior jedoch schon weitaus schlimmere Sachen erlebt als eine Durststrecke auf dem Fussballplatz. Aufgewachsen in der Pariser Banlieue Montfermeil, wurde 2005 einer seiner vier Brüder ermordet.

Samuel Essende traf Ende letzter Saison beim 8:3-Sieg in Thun gleich dreimal – das Ende seiner Durststrecke bei YB.

Samuel Essende traf Ende letzter Saison beim 8:3-Sieg in Thun gleich dreimal – das Ende seiner Durststrecke bei YB.Zamir Loshi/freshfocus

«So ist es dort, wo ich herkomme», hatte Essende jenen tragischen und prägenden Vorfall in seiner Familiengeschichte einst gegenüber der «Berner Zeitung» beschrieben. «Manche denken, Paris sei der Eiffelturm und der Arc de Triomphe. Aber das ist bloss die schöne Seite.»

Der YB-Stürmer peilt das Double an

In Bern will Essende nun dabei mithelfen, die Young Boys zurück an die nationale Spitze zu führen. «Klar wollen wir das Double gewinnen. Das wollen doch alle Teams in der Liga», gibt der Kongolese lächelnd zu Protokoll. «Wenn du bei einem solchen Team bist, ist doch klar, dass es ums Gewinnen geht. Wenn man im Ausland vom Schweizer Fussball spricht, kennt man vor allem Basel und YB».

YB-Chief Sports Christoph Spycher lobt Essende für dessen Entwicklung

YB-Chief Sports Christoph Spycher lobt Essende für dessen EntwicklungClaudio De Capitani/freshfocus

Von seinen Vorgesetzten wurde Essende auch während seiner schwierigen Anfangszeit in Bern stets unterstützt. Nun hofft man, weiter die Früchte des kostspieligen Investments ernten zu können. «Das war nicht einfach für ihn in dieser Phase. Er hat beeindruckend dagegen angekämpft», sagt Christoph Spycher gegenüber 20 Minuten.

Lob von Spycher und Seoane

Der YB-Boss betont, man habe Essende absolut zugetraut, den Berner Sturm anzuführen. «Er hat eine durchaus positive Entwicklung genommen. Dazu haben wir ihn jetzt auch in den Mannschaftsrat genommen, da er dort eine positive Energie gibt und einen grossen Einfluss nehmen soll».

Gerardo Seoane bläst ins gleiche Horn wie Spycher und lobt Essende für dessen Rolle auf und neben dem Platz. «Er ist ein Spieler, der ganz klar ein Exempel abgibt, wie man arbeitet und was Professionalität bedeutet», schwärmt der YB-Trainer. Auf dem Platz würde der Angreifer neben seinen Toren auch mit seiner Dynamik, seiner Wucht und seiner Präsenz dem Team viel helfen.

Florian Gnägi

Florian Gnägi (flo) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten im Ressort Sport. Seine grösste Expertise hat er auf den Themengebieten Fussball und Tennis.

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