Behinderte Menschen und der erste Arbeitsmarkt: Wie diese Chance genutzt werden kann
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Stand: 24.07.2026, 06:30 Uhr
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Die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten im Landkreis Oldenburg steht auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Eine Online-Veranstaltung am 13. August zeigt, wie Firmen Menschen mit Behinderung einstellen können.
Wildeshausen – Die Zahl der bei der Arbeitsagentur im Landkreis Oldenburg gemeldeten arbeitslosen Schwerbehinderten steht auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. 199 Personen sind aktuell erfasst. Auf der anderen Seite klagen viele Branchen über einen Mangel an Fachkräften. Einen Beitrag dagegen können auch die Menschen leisten, die in der Werkstatt und der Tagesförderung des „proTeams Himmelsthür“ (PTH) in Wildeshausen beschäftigt sind. Wie genau das konkret funktionieren kann, soll bei einer Online-Veranstaltung am Donnerstag, 13. August, von 10 bis 11.30 Uhr besprochen werden. PTH-Jobcoach Guido Fuhr und Stephan Clasen vom Integrationsfachdienst für schwerbehinderte Menschen in Oldenburg stehen Rede und Antwort.
Dass die Vermittlung von Beschäftigten auf den Arbeitsmarkt funktioniert, zeigen immer wieder Beispiele. Jüngst aus dem Tier- und Freizeitpark Ostrittrum. Dort packt Beatrice Butzen seit vergangenem Jahr mit an. Die tierliebe Mittzwanzigerin aus Neerstedt machte erst ein Praktikum und arbeitet dann fest im Betrieb von Tanja Riesmeier. Die sprach von einer „Win-Win-Situation für beide Seiten“, denn die neue Mitarbeiterin zeige viel Leidenschaft und Empathie für Tiere.
Butzens Job ist dennoch eher die Ausnahme als die Regel. Uta Schilmöller und Susann Wildung vom proTeam schätzen den Anteil der Mitarbeiter, die grundsätzlich dafür infrage kommen, auf zehn bis 15 Prozent. Bei allein rund 150 Beschäftigten mit Förder- beziehungsweise Assistenzbedarf in Wildeshausen könnten auf diese Weise trotzdem einige Stellen besetzt werden und werden auch immer wieder.
In den vergangenen Jahren seien rund zehn Mitarbeiter an Firmen vermittelt worden, erzählen Schilmöller und Wildung. Dabei wird zwischen zwei Arten von Beschäftigung unterschieden: Bei der einen unterstützt das proTeam Mitarbeiter und Betrieb durch wöchentliche Besuche eines Jobcoachs. Außerdem bleibt die Person weiter beim PTH angestellt. Die Arbeitsleistung wird dem jeweiligen Unternehmen nur in Rechnung gestellt. Das sind dann sogenannte ausgelagerte Arbeitsplätze wie im Fall von Beatrice Butzen. Im anderen Fall wechselt der Beschäftigte voll in den Betrieb. Dieser kann sich einen Großteil des Arbeitsentgelts allerdings vom jeweiligen Leistungsträger zurückholen. In den meisten Fällen ist das der Landkreis Oldenburg.
Entscheidend bei der Vermittlung ist die Motivation, sind sich Schilmöller und Wildung einig. Die proTeam-Beschäftigten müssten pünktlich und zuverlässig sein. Und anders als in einer Werkstatt könne auch weniger Rücksicht genommen werden. Zum Beispiel wenn eine Person eine Pause braucht. Für die dafür grundsätzlich geeigneten Mitarbeiter sei der Wechsel zu einem Unternehmen aber eine Art Aufstieg. Schon allein ein Praktikum ist gut, sagt Wildung. Dann könnten Betrieb und Mitarbeiter feststellen, ob es gemeinsam klappt.
Das proTeam forciert auch mit der Teilnahme an einer anderen Veranstaltung die Vermittlung von Personen. Am 24. September beteiligt es sich am „Schichtwechsel“. Das ist eine bundesweite Aktion, bei der PTH-Beschäftigte für einen Tag ihren Arbeitsplatz mit einem regulär Beschäftigten tauschen. So sollen interessante Einblicke ermöglicht werden. Anmeldungen sind per E-Mail an [email protected] möglich.