Weinbau in der Krise: Überschüssige Produktion kann jetzt zu Biosprit werden

Auch der deutsche Wein ist in der Krise. Jetzt wurde eine EU-Verordnung beschlossen, die es den Winzern in Rheinhessen und Baden-Württemberg erlaubt, ihre Weine weiterzuverarbeiten.

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Weinbau in der Krise: Überschüssige Produktion kann jetzt zu Biosprit werden

Aus Wein wird Sprit: Neues Modell soll „kurzfristige Entlastung“ für Winzer bringen

Stand: 23.07.2026, 20:53 Uhr

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Auch der deutsche Wein ist in der Krise. Jetzt wurde eine EU-Verordnung beschlossen, die es den Winzern in Rheinhessen und Baden-Württemberg erlaubt, ihre Weine weiterzuverarbeiten.

Mainz – Die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Christine Schneider findet klare Worte für die Lage im Weinbau, die sie als äußerst herausfordernd bezeichnet. Durch geänderte Konsumgewohnheiten und auch geopolitische Entwicklungen sei die Nachfrage nach Wein in den letzten Jahren gesunken, bei steigenden Produktionskosten. Sie führte aus, dass dadurch viele Weinbaubetriebe unter einem erheblichen wirtschaftlichen Druck stünden.

Weinbau vor der Skyline von Frankfurt

Der deutsche Weinbau leidet unter schwacher Nachfrage. © Loni Schuchardt

EU-Kommission genehmigt die Destillation von Rot- und Roséweinen

Um die Krise bewältigen zu können, haben die Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg über die Bundesregierung bei der EU-Kommission eine ungewöhnliche Marktintervention angefragt, die nun genehmigt wurde. Die Länder gehören zu den größten Weinanbaugebieten in Deutschland.

Konkret geht es um eine neue Verordnung, die es den beiden Bundesländern erlaubt, eine geförderte Destillation von Rot- und Roséweinen zu Industriealkohol vorzunehmen, der wiederum für Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder auch Biosprit verwendet werden kann. Dadurch soll das bestehende Überangebot an Rot- und Roséweinen abgebaut werden und den Markt vorübergehend entlasten. Die entsprechende Verordnung soll nun in der zweiten Augusthälfte veröffentlicht werden, wie das rheinland-pfälzische Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten (mlwuf) nun bekanntgab.

Wein zu Sprit: Destillation wird von der EU gefördert

Die Maßnahme wird von der EU mit 43 Cent je Liter gefördert. Außerdem werden weitere 16 Cent pro Liter für Logistik- und Brennkosten gewährt. Für die Destillation zugelassen sind alle Weine des Jahrgangs 2025 oder älter, die aus den Regionen Rheinhessen oder Baden-Württemberg stammen. Von der EU wird dafür ein Budget von 14,16 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, womit ca. 24 Millionen Liter Wein in der Umwandlung gefördert werden können.

Wie TV-Mittelrhein meldete, darf der gewonnene Alkohol aus dieser Maßnahme ausschließlich für industrielle Zwecke eingesetzt werden, um weitere Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Er kann also nicht in der Lebensmittel- und Genussindustrie eingesetzt werden.

Aktuell werden nun die Antragsverfahren vorbereitet und die Maßnahme soll dann ab dem vierten Quartal 2026 greifen. Das Ministerium weist darauf hin, dass eine Förderung der Destillation erst nach Bewilligung des Antrags erfolgen kann.

Weinkonsum geht europaweit zurück

Wie auch die Welt berichtete, ist der Weinkonsum nicht nur in Deutschland, sondern europaweit rückläufig. Insbesondere die jüngeren Generationen trinken weniger Wein. Neben der Inflation und der alternden Gesellschaft spielen deshalb auch veränderte Konsumgewohnheiten und eine höhere Preissensibilität der Verbraucher eine Rolle. Deshalb übersteigt das aktuelle Angebot an Rebflächen auch deutlich die Nachfrage.

Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) mitteilte, sank der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch der über 16-Jährigen im 12-Monatszeitraum vom 1. August 2024 bis 31. Juli 2025 von 22,2 auf 21,5 Liter Wein. Somit tranken die deutschen Verbraucher im Schnitt rund eine Flasche Wein weniger als im Vorjahr. (Quellen: mlwuf, TV-Mittelrhein, Welt, DWI) (sts)