Carsten Linnemann wird Gesundheitsminister: Diese Aufgaben warten auf ihn
Der „Einfach mal machen“-Mann gibt sich für seine Verhältnisse wortkarg. Freitagmorgen im Garten des Kanzleramts. Erst spricht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über die von ihm geplante Umbildung seines Kabin...
- 3 min read
Der „Einfach mal machen“-Mann gibt sich für seine Verhältnisse wortkarg. Freitagmorgen im Garten des Kanzleramts. Erst spricht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über die von ihm geplante Umbildung seines Kabinetts, dann kommt Nina Warken, bisherige Gesundheitsministerin und bald Chefin des Bundeskanzleramts. Dann raunt Merz: „Carsten.“ Linnemann tritt an das Mikrofon und wirkt fast atemlos, vielleicht hat er aber auch nur Ehrfurcht vor der Aufgabe, die jetzt auf ihn wartet.

Bei Kanzler Merz bedankt sich der bisherige CDU-Generalsekretär zunächst für das Vertrauen, spricht danach Warken an, die das „richtig gut gemacht hat“. Er hoffe, das Amt des Gesundheitsministers „erfolgreich fortführen“ zu können. Dann wird Linnemann fast staatstragend. „Mir ist bewusst, dass das eine große Aufgabe ist.“ Er gehe diese mit „großem Respekt“ an, weil die Themen Familie und Gesundheit „uns alle betreffen“. „Sie berühren, sie gehen nah“, schiebt Linnemann nach.
Auch interessant

Linnemann als Gesundheitsminister – große Aufgaben, aber wirkmächtige Lobbygruppen
Am Mittwoch soll der 48 Jahre alte Linnemann zum neuen Gesundheitsminister ernannt werden. Er wechselt damit aus der Parteizentrale in eines der anspruchsvollsten Ressorts innerhalb der Bundesregierung. Linnemann gilt als Mann der Tat. „Einfach mal machen“ ist der Spruch, den er erstmals im Wahlkampf fallen ließ. Mittlerweile tourt er damit als Live-Podcast-Veranstaltung durch das Land.
Merz selbst weist Linnemann am Mittwoch auf die großen Aufgaben hin. Die Pflegereform steht noch bevor, strukturelle Veränderungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung ebenfalls. „Wir müssen den Reformkurs beibehalten“, fordert der Kanzler dann mit Blick auf den Neuen im Amt des Gesundheitsministers. Dafür brauche es einen „reformwilligen“ Minister, der auch im „Gegenwind stehen bleibt“, so Merz mit Blick auf die zahlreichen, wirkmächtigen Lobbygruppen im Gesundheitswesen. Und: Merz betont die wirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft. Das Ministerium stehe daher auch für den am stärksten wachsenden Sektor der deutschen Volkswirtschaft.
Linnemann blieb nach der Wahl nur der Posten als CDU-Generalsekretär
Linnemann ist studierter Betriebswirt, sitzt seit 17 Jahren im Bundestag. Seit Juli 2023 ist er Generalsekretär seiner Partei, war damit auch für die Strategie im Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl zuständig. Linnemann selbst hatte bereits vor der Regierungsübernahme mit einem Ministeramt geliebäugelt. Innerhalb seiner Partei erzählt man sich, er habe aufs Arbeitsministerium geschielt, besonders weil dort die Themen Bürgergeld und Arbeitszeit verankert sind. Als das Ressort an die SPD fiel, verkündete Linnemann, lieber Generalsekretär bleiben zu wollen: „Ich finde das gut“, teilte er damals per Videobotschaft mit.
Um den Kopf frei zu bekommen, geht Linnemann gerne mal joggen. Politisch gilt er als Lautsprecher mit dem Hang zu sozialstaatskritischen Aussagen. Damit dürfte im Gesundheitsministerium auch ein neuer Stil einziehen. Nina Warkens akribische Arbeit hinter den Kulissen und ihr Verhandlungsgeschick sorgten letztlich dafür, das wichtige GKV-Sparpaket durchzubringen. Linnemann wird beweisen müssen, dass er in der Lage ist, ähnlich abzuliefern.
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Linnemann: Vorschusslorbeeren für den neuen Minister aus dem Gesundheitswesen
Einfach wird’s nicht. Bei der ebenfalls bevorstehenden Reform der Pflegeversicherung hat sich die Koalition bereits über den Referentenentwurf so verhakt, dass der Kabinettsbeschluss dazu erst mal verschoben worden ist. Darüber hinaus warten strukturelle Reformen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung, die Notfallreform, die Umsetzung des geplanten Primärarztprinzips sowie ein weiterer Bürokratieabbau im Gesundheitswesen auf den neuen Minister. Linnemann selbst hat das in der Vergangenheit auch immer mit Blick auf die Krankenkassen interpretiert. Er finde, zehn würden reichen, sagte er mal.
Auch interessant

Aus Teilen des Gesundheitswesens gab es am Freitag Vorschusslorbeeren für den neuen Mann. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, lobte Linnemann als Politiker, der „für die Modernisierung bestehender Strukturen und praxisnahe Reformen steht“. Hausärzte-Bundeschefin Nicola Buhlinger-Göpfarth nannte Linnemann einen „erfahrenen Manager komplexer politischer Prozesse“. Sie erwarte nun, die weitere Umsetzung des Primärversorgungssystems, bei dem Hausärzte eine „tragende Rolle“ spielten. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte Linnemann auf, als „ersten Akt“ die Gesundheitsreform zu überdenken, „die vor allem erhebliche Leistungskürzungen und Mehrbelastungen für die Versicherten vorsieht“.