Arzt besorgt: Bluthochdruck bei jungen Menschen „wird leicht übersehen“

KI-Stimme. InfoBluthochdruck, in der Medizin auch als arterielle Hypertonie bezeichnet, ist eine Volkskrankheit. Nach Angaben der Deutschen Hypertonie Akademie haben etwa 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutsch...

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Arzt besorgt: Bluthochdruck bei jungen Menschen „wird leicht übersehen“

KI-Stimme. Info

Bluthochdruck, in der Medizin auch als arterielle Hypertonie bezeichnet, ist eine Volkskrankheit. Nach Angaben der Deutschen Hypertonie Akademie haben etwa 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland zu hohen Blutdruck. Das entspricht fast jedem dritten Erwachsenen. Doch wer jung ist, denkt kaum daran. Dabei kann der Blutdruck schon mit 25 oder 30 Jahren dauerhaft zu hoch sein, ohne dass Betroffene etwas davon merken. Warum das passiert und wann es gefährlich wird, erklärt Prof. Dr. Markus van der Giet. Er ist Leiter des Hypertoniezentrums an der Klinik für Nephrologie und Intensivmedizin der Charité und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Herr Prof. Dr. Markus van der Giet, Bluthochdruck gilt vielen als Problem älterer Menschen. Ist dieses Bild inzwischen überholt?

Van der Giet: Ja, denn Bluthochdruck kann in unterschiedlichen Lebensphasen entstehen. Es ist zwar richtig, dass das Risiko für Bluthochdruck mit zunehmendem Lebensalter steigt. Aber auch junge Menschen, sogar Kinder und Jugendliche, können daran erkranken. Das Problem ist: Gerade junge Menschen rechnen überhaupt nicht damit und haben häufig keine Beschwerden. Deshalb wird ein erhöhter Blutdruck bei ihnen leicht übersehen und damit auch nicht behandelt.

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Wie gefährlich ist es denn, wenn hoher Blutdruck bei jungen Menschen unerkannt bleibt?

Ein junger Mensch mit erhöhtem Blutdruck fühlt sich meistens nicht krank. Der Körper kann über Jahre einen zu hohen Blutdruck tolerieren, ohne dass der Betroffene Beschwerden hat – während gleichzeitig Gefäße und lebenswichtige Organe wie Herz, Gehirn und Nieren Schaden nehmen können. Langfristig steigt damit das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und chronische Nierenerkrankungen.

Deshalb ist ein hoher Blutdruck mit 25 oder 30 Jahren keineswegs harmlos. Im Gegenteil: Je früher der Bluthochdruck entsteht und je länger er unbehandelt bleibt, desto früher beginnt die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und desto schwerwiegender sind die langfristigen gesundheitlichen Folgen. Und was viele nicht wissen: Ein zu hoher Blutdruck ist ein bedeutender Risikofaktor für Demenz.

Prof. Prof. h.c. Dr. med. Markus van der Giet ist Leiter des Hypertoniezentrums an der Klinik für Nephrologie und Intensivmedizin der Charité und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Prof. Prof. h.c. Dr. med. Markus van der Giet ist Leiter des Hypertoniezentrums an der Klinik für Nephrologie und Intensivmedizin der Charité und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.© Privat | Privat

Bei älteren Menschen steigt der Blutdruck unter anderem deshalb, weil die Gefäße mit zunehmendem Alter an Elastizität verlieren. Bei einem jungen Menschen kann das ja noch nicht die entscheidende Ursache sein. Was bringt den Blutdruck dann trotzdem aus dem Gleichgewicht?

Blutdruckprobleme haben eine sehr starke erbliche Komponente. Wir wissen heute, dass die Hypertonie zu etwa 60 bis 70 Prozent genetisch bedingt ist. Oft haben die Betroffenen den Bluthochdruck von ihren Eltern quasi geerbt. Wenn ein Elternteil an Bluthochdruck leidet, steigt das Risiko für die Kinder, ebenfalls daran zu erkranken, um etwa 50 bis 80 Prozent. Sind beide Eltern betroffen, steigt das Risiko sogar auf etwa 140 Prozent. Dabei handelt es sich aber nicht um ein einzelnes „Bluthochdruck-Gen“, sondern um das Zusammenspiel vieler verschiedener genetischer Faktoren.

In seltenen Fällen – bei etwa zehn Prozent der Patienten – kann bei den Betroffenen eine sekundäre Hypertonie vorliegen. Hier ist der Bluthochdruck also Folge einer anderen Erkrankung. Bei einem jungen Menschen mit hohem Blutdruck würde ich aber immer fragen: Gibt es in der Familie bereits Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Wenn Eltern oder Geschwister schon in jungen Jahren einen hohen Blutdruck hatten, ist das ein wichtiger Hinweis.

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Kinder von Eltern mit Bluthochdruck sind oft selbst gefährdet

Wenn also beide Elternteile früh Bluthochdruck bekommen haben – muss ich als Kind dann davon ausgehen, dass es mich irgendwann auch trifft?

Das eigene Risiko ist dann zwar deutlich erhöht, aber es bedeutet keineswegs, dass man zwangsläufig selbst Bluthochdruck bekommt. Wir sprechen von einer genetischen Veranlagung, nicht von einem programmierten Schicksal. Bluthochdruck entsteht in den allermeisten Fällen durch das Zusammenspiel vieler verschiedener genetischer Faktoren und unseres Lebensstils.

Eine familiäre Vorbelastung sollte übrigens keine Angst machen. Im Gegenteil. Sie gibt uns die Chance, früher aufmerksam zu sein. Wenn ich weiß, dass meine Eltern bereits mit 40 oder 45 Jahren Bluthochdruck hatten, dann muss ich nicht warten, bis ich selbst Beschwerden bekomme. Ich kann meinen Blutdruck regelmäßig kontrollieren und bei erhöhten Werten frühzeitig reagieren.

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Junge Menschen schlafen häufig zu wenig, stehen unter Stress und ernähren sich nicht immer optimal. Wie stark kann ein solcher Lebensstil den Blutdruck bereits in jungen Jahren beeinflussen?

Eine sehr salzreiche Ernährung, dauerhafter Schlafmangel und zu wenig körperliche Aktivität können dazu beitragen, dass der Blutdruck ansteigt. Alkohol und Rauchen kommen als weitere Risikofaktoren hinzu. Eine salzarme Ernährung und regelmäßige Bewegung sind daher zwei der wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen, um Bluthochdruck auf natürlichem Weg zu senken.

Wenn hoher Blutdruck sich aber nicht durch Bewegung und salzarme Ernährung senken lässt, sollten dann schon junge Menschen Blutdrucksenker nehmen?

Ja, unbedingt. Blutdrucksenker sind extrem effektiv und gehören zu den besonders lebensverlängernden Mitteln, die wir in der Medizin haben. Die Medikamente werden Gefäße nicht wieder heilen, aber sie bremsen weitere Schäden.