Indien: Polizei geht gegen „Kakerlaken-Protest" vor
Im Zuge des bisher größten Protests der indischen „Kakerlaken-Bewegung“ sind die Sicherheitskräfte am Montag mit Stöcken und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Die Polizei hatte den Marsch auf das Parla...
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Im Zuge des bisher größten Protests der indischen „Kakerlaken-Bewegung“ sind die Sicherheitskräfte am Montag mit Stöcken und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Die Polizei hatte den Marsch auf das Parlament nach eigenen Angaben nicht genehmigt. Sie versuchte deshalb, die Anhänger der Cockroach Janta Party (CJP) aufzuhalten. Sie hatte Barrikaden aufgebaut und zahlreiche Sicherheitskräfte entsandt.
Zudem berichteten Teilnehmer von einer Blockade des mobilen Internets am Protestort im Umfeld des Jantar Mantar, wo die Demonstranten bereits seit Ende Juni Proteste abhalten. Dem Veranstalter zufolge kam es zu Massenverhaftungen am Rand der Demonstration. Unter anderem sei auch der CJP-Gründer Abhijit Dipke von der Polizei „abgeholt“ worden, berichtete der Sprecher der Bewegung, Saurav Das, auf der Plattform X.
Die aus einer Onlineparodie hervorgegangene Protestbewegung verlieh mit dem Marsch ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan Nachdruck. Er wird für Missstände im Bildungssystem verantwortlich gemacht, darunter einen Skandal um durchgestochene Aufgaben der Aufnahmeprüfungen für medizinische Hochschulen. Der Leak hatte dazu geführt, dass mehr als zwei Millionen Studenten die Prüfung wiederholen mussten. Einzelne Studenten sollen sich das Leben genommen haben.
Sprecher der „Kakerlaken-Partei“ treffen Gesundheitsminister
Der CJP zufolge hatte die Regierung am Montagmorgen den Kontakt zu der Protestbewegung gesucht. Zwei Sprecher der CJP hatten ihren eigenen Angaben nach den Gesundheitsminister Jagat Prakash Nadda nach einer zweistündigen Wartezeit am Montag für Gespräche in seiner Residenz getroffen. „Während wir ihm ein schriftliches Schreiben mit unseren Forderungen überreichten, hat er uns versichert, dass er in der Zwischenzeit intern darüber sprechen werde“, berichtete Das.
Unter den Demonstrationsteilnehmern war auch Gitanjali Angmo, die Ehefrau des Klima- und Bildungsaktivisten Sonam Wangchuk, der sich seit mehr als 20 Tagen aus Solidarität mit der Protestbewegung in einem Hungerstreik befindet. Der Aktivist war am Samstag gegen seinen Willen in ein Krankenhaus gebracht worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Seine Frau sprach danach von einer „rechtswidrigen Inhaftierung“.
Wangchuk hatte das Krankenhaus am Montag gebeten, ihm die Teilnahme an dem Protest zu ermöglichen. Der Aktivist kündigte außerdem an, seinen Hungerstreik am Montag zu beenden, sofern die Regierung sich bereit erkläre, die Verantwortung für die Missstände im Bildungssystem zu übernehmen, oder wenn Abgeordnete versicherten, das Thema im Parlament aufzugreifen.
CJP-Gründer Dipke hatte am Montag einen zweitägigen Hungerstreik abgebrochen, um an dem Marsch auf das Parlament teilzunehmen. Die junge Onlinebewegung hatte sich zusammengefunden, nachdem Indiens Oberster Richter Surya Kant bei einer Anhörung jugendliche Aktivisten mit „Kakerlaken“ und „Parasiten“ verglichen hatte. Darauf waren zahllose Memes und Parodien entstanden, in denen sich die jungen Menschen mit den Küchenschaben identifizierten. Allein auf Instagram folgen der CJP 23 Millionen Menschen.
Am Montag hatten sich auch einige Politiker indischer Oppositionsparteien mit der Protestbewegung solidarisch erklärt. Zudem fanden außer in Neu Delhi auch in anderen Städten Solidaritätskundgebungen statt. Auch dort soll es zu Verhaftungen gekommen sein. Die CJP beharrt darauf, nur friedlich demonstrieren zu wollen. Sie will sich damit von anderen Protestbewegungen wie in Nepal, Bangladesch und Sri Lanka der vergangenen Jahre distanzieren, die den Sturz der jeweiligen Regierungen herbeigeführt hatten.