Zu heiß und zu trocken: Nordhessischer Sommer kratzt an Rekord
StartseiteKasselStand: 01.09.2026, 07:35 UhrKommentareUns auf Google folgenIm Juli fiel in Nordhessen nur ein Bruchteil des üblichen Regens. Das macht Flora und Fauna zu schaffen. © Frank Hammerschmidt/picture ...
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Stand: 01.09.2026, 07:35 Uhr
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Dürre im Raum Kassel, der wohl wärmste Sommer in Hessen seit Beginn der Aufzeichnungen: Der Deutsche Wetterdienst zieht Bilanz.
Der diesjährige Sommer, der am 1. September mit dem meteorologischen Herbstanfang endet, war mit großer Wahrscheinlichkeit der wärmste in Hessen seit Beginn der Aufzeichnungen. Das geht aus Zahlen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit Sitz in Offenbach hervor. Demnach lag die Durchschnittstemperatur zwischen Juni und August landesweit bei 19,9 Grad – und damit deutlich über dem langjährigen Mittel von 16,2 Grad (Jahre 1960 bis 1991). „Mit einer Abweichung von 3,7 Grad könnte die Saison 0,1 Grad über dem bisherigen Rekordsommer 2003 liegen“, so die Meteorologen.
Fest steht, dass die zurückliegenden Monate extrem regenarm waren, wie ein Blick auf verdorrte Wiesen und niedrige Flusspegel zeigt. „Der wärmste Juni seit 1881 ging unmittelbar in den trockensten Juli über“, heißt es in der DWD-Sommerbilanz. Für Nordhessen bestätigt das Günter Fickenscher, der frühere Chef der Fritzlarer Bundeswehr-Wetterwarte, der seit 1975 eine eigene Messstation betreibt.
An Schauenburger Messstation fielen im Juli nur 18 Prozent des üblichen Regens
„Im Juli fielen nur 13 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, normal sind 75“, so Fickenscher. „Wahrscheinlich gab es Orte in Nordhessen, an denen kein einziger Tropfen herunterkam.“ An der Messstation Schauenburg-Elgershausen, zehn Kilometer von der Kasseler Innenstadt entfernt, fielen mit 14,2 Litern im Juli laut DWD nur 18 Prozent der gewöhnlichen Regenmenge.

Auch in puncto Temperatur sprechen die Schauenburger Werte eine klare Sprache: Bereits Ende Juni, während der ersten längeren Hitzewelle des Jahres, waren dort 35,8 Grad gemessen worden. „Dass wir Hitzeperioden mit zehn Tagen über 30 Grad hintereinander haben, das gab es noch nie“, sagt Günter Fickenschner. Seinen Messungen zufolge war der gesamte nordhessische Sommer zwei Grad wärmer als im Referenzzeitraum 1991 bis 2020 – und damit „ganz knapp am Rekord von 2003 vorbei“.
Förster: „Trockenheit macht besonders Buchen zu schaffen“
Unter der Witterung leiden nicht nur ältere und erkrankte Menschen, sondern auch Flora und Fauna. „Die Trockenheit macht besonders den Buchen zu schaffen“, sagt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen, das für den Reinhardswald und den hessischen Teil des Bramwaldes zuständig ist. Selbst ein niederschlagsreicher Herbst lindere den Wassermangel der Bäume kaum, weil sie ab September nicht mehr wuchsen. Zudem träfen ausgetrocknete Waldteiche Amphibien wie Frösche und Molche. „Wir machen uns Sorgen“, so Kahle. Man hoffe nun auf einen niederschlagsreichen Herbst und Winter.,

Bundesweit zweitwärmster Sommer
Mit einer Durchschnittstemperatur von 19,6 Grad war der Sommer in Deutschland der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen (2003: 19,7 Grad). Der Wetterdienst registrierte im Mittel 22 Tage mit mehr als 30 Grad. An fünf Tagen kletterten die Temperaturen sogar über die Marke von 35 Grad.
Eine positive Sommerbilanz zieht hingegen die Firma Solarwatt, die mit 20 Mitarbeitern PV-Anlagen in der Region installiert. Der Fuldataler Standortleiter Jens Mathis berichtet von einer deutlich gestiegenen Nachfrage. „Inzwischen setzen mehr Menschen auf Solar, da findet ein Umdenken statt.“ Für volle Auftragsbücher sorgten neben den vielen Sonnenstunden vor allem die gestiegenen Rohstoffpreise infolge des Irankriegs. Auch das baldige Auslaufen der Einspeisevergütung für selbst produzierten Strom habe sich bemerkbar gemacht.