Wirbel um Fifa-Machenschaften - «Wo waren all jene, die jetzt Infantinos Kopf fordern?»

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Wirbel um Fifa-Machenschaften - «Wo waren all jene, die jetzt Infantinos Kopf fordern?»

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Vor sechs Wochen endete die Fussball-WM, aber das Gebaren von Fifa-Präsident Gianni Infantino wirft seither hohe Wellen. Zwei Insider erklären bei «Gredig direkt» die Hintergründe.

Thomas Kistner

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Thomas Kistner (geb. 1958) ist ein bekannter deutscher Sportjournalist und Autor. Als langjähriger Redakteur der Süddeutschen Zeitung berichtete er investigativ über die Schattenseiten des Profisports wie Korruption und Doping, wofür er mehrfach ausgezeichnet wurde.

SRF: Die WM 2026 hat mit einer Rekordzahl an Spielen mehr Geld als je zuvor generiert, über 10 Milliarden Franken. Ist dieses «immer grösser» symptomatisch für den Zustand der Fifa?

Thomas Kistner: Diese WM war eine Blaupause war für das, was künftig kommen soll. Eine Investorenpräsentation. Mit lächerlichen Trinkpausen, um Werbepausen zu schaffen.

Nach der WM kam aus, dass die Fifa 20% der WM-Rechte an private Investoren verkaufen wollte. Was haben Sie gedacht, als sie davon hörten?

Walter de Gregorio

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Walter de Gregorio (geb. 1965) ist ein Schweizer Journalist, ehemaliger FIFA-Kommunikationschef und heute als selbstständiger Berater tätig. Zuvor arbeitete er unter anderem als Sportchef beim «Blick» sowie als Korrespondent. Nach seiner Zeit beim Weltfussballverband gründete er eine eigene Beratungsfirma.

Walter de Gregorio: Mich skandalisiert dieser Plan nicht per se. Den Ansatz kann man durchaus diskutieren. Das Problem ist, dass er nicht mit den richtigen Gremien diskutiert wurde – nicht so sehr das Projekt an sich.

War die Reaktion der Verbände harsch, weil niemand eingeweiht war?

Kistner: Natürlich. Weil sich ein Muster wiederholt. Infantino fädelt seit Jahren heimlich an allen Gremien vorbei Deals ein, bei denen die Vermögenswerte des Fussballs irgendwohin fliessen

Warum denn genau jetzt dieser Aufschrei?

Kistner: Weil jetzt der Bogen überspannt wurde. Und weil vor allem die grossen Verbände betroffen sind. Und sowieso, dass die Stimme eines Landes wie Guam gleich viel zählt wie zum Beispiel die von Deutschland mit acht Millionen seinen Verbandsmitgliedern, hat eh nichts mit Demokratie tun.

De Gregorio: Dass jeder Verband eine Stimme hat, war einst lobenswert, ist aber heute ein Problem. Und damit verknüpft ist, dass jeder Verband genau gleich viel Geld erhält. Das muss man ändern. Aber wie?

Kistner: Der Schlüssel kann nur sein, dass man wirklich Verband für Verband kontrolliert, deren wirklichen Bedarf überprüft und die Auszahlungen danach ausrichtet.

SRF: Werden kleinere Länder mit Geld zugeschüttet, um ihre Stimme zu bekommen?

De Gregorio: Ja, es geht ums Geld. Aber mein Punkt ist: Wo waren alle, die jetzt Infantinos Kopf fordern, seit dessen Amtsantritt? An Fifa-Kongressen wurde alles durchgewunken – wie in Nordkorea. Alle hatten zehn Jahre Zeit, Infantino in die Schranken zu weisen. Aber sie haben es nicht gemacht. Und diese Leute wollen jetzt die Fifa reformieren?

Kistner: Genau. Man hat Infantino machen lassen, sehenden Auges. Er hat immer nur das Ziel gehabt, die Gelder aus dem Fussball so zu bündeln, dass der grösste Teil in den Zugriffsbereich der Fifa fällt.

De Gregorio: Die Kernfrage ist: Wer hat die Vormachtstellung über diese Geldtöpfe? Darum geht es letztlich im öffentlich ausgetragenen Machtkampf Uefa vs. Fifa. Ich möchte Infantino nicht übermässig verteidigen, aber er macht genau das, was alle anderen auch machen in diesem Business.

«Gredig direkt» als Podcast

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Urs Gredig im Anzug hält eine Karte im SRF-Studio.
Legende:

SRF

Urs Gredig empfängt in seiner wöchentlichen Talkshow prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft, Unterhaltung, Sport und Gesellschaft. Seit Januar dieses Jahres gibt es seine Sendung auch als Podcast.

SRF: Die Uefa bereitet jetzt eine Strafanzeige gegen Infantino vor. Wie stehen die Chancen?

Kistner: Es könnte schon eng werden. Und wenn Trump die Midterms im November nicht gewinnt, könnten die Demokraten, die Infantino ja schon vorgeladen haben, dies erneut tun.

De Gregorio: Gefährlich wird eher die Frage: Braucht es überhaupt eine Uefa oder Fifa? Wenn du die drei Keyplayer – sprich Fans, Spieler und Klubs – hast, wozu dann noch ein Organisator von Wettbewerben? Diese Diskussionen laufen schon und kommen nun langsam an die Oberfläche.

SRF: Kriegt Infantino im März die für die Wiederwahl nötigen 106 Stimmen?

Kistner: Stand heute kriegt er sie nicht.

De Gregorio: Ich habe das Gefühl, dass er es noch schafft. Ganz, ganz knapp.

Das Gespräch führte Urs Gredig.

SRF 1, 27.08.2026, 22:25 Uhr ;  rha