„Wir wachsen stärker als der Markt“
Seit November des vergangenen Jahres ist Tomas Mihal neuer Stada-Deutschlandchef. Im exklusiven Interview spricht der 45-Jährige über seine Ziele mit dem Unternehmen, die Bedeutung des Standorts Bad Vilbel als Hauptsitz und seine persönlichen Ziele.
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Stand: 29.08.2026, 08:00 Uhr
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Seit November des vergangenen Jahres ist Tomas Mihal neuer Stada-Deutschlandchef. Im exklusiven Interview spricht der 45-Jährige über seine Ziele mit dem Unternehmen, die Bedeutung des Standorts Bad Vilbel als Hauptsitz und seine persönlichen Ziele.
Bad Vilbel
Herr Mihal, Sie sind seit November Stadas Deutschland-Chef. Wie oft waren Sie bereits in Bad Vilbel?
Ich bin im Oktober nach Deutschland gezogen. Meine Familie war tatsächlich schon etwas früher hier. Ich musste noch eine Weile in Asien bleiben, in Singapur. Dort habe ich zuvor gelebt. Aber ich war bereits vor fünf Jahren hier, weil ich schon früher für Stada gearbeitet habe. Jetzt wohne ich etwa 20 Minuten von Bad Vilbel entfernt und bin mit meiner Familie hier vollständig angekommen. Ich gehe hier im Büro täglich zur Arbeit.
Wie wichtig ist Deutschland als Markt für das Unternehmen – und insbesondere Bad Vilbel als Standort?
Deutschland ist für Stada der größte Markt – sowohl mit Blick auf das Portfolio als auch auf Umsatz und Gewinn. Von hier in Bad Vilbel werden die Geschäfte und das Deutschland-Team geführt. Das Unternehmen gibt es seit mehr als 130 Jahren, an diesem Standort sind wir seit 1957. Wir sind hier und wir bleiben hier.
Welche Pläne verfolgt das Unternehmen in den kommenden Jahren?
Die Grundlage für unser zukünftiges Wachstum ist eine Drei-Säulen-Strategie, bestehend aus Consumer-Healthcare-Produkten, Generika und Spezialpharmazeutika.
Zur Person
Tomas Mihal leitet seit dem 1. November 2025 Stada Deutschland und ist Mitglied des Vorstands. Er berichtet CEO Peter Goldschmidt. Geboren 1979 in der Slowakei, erwarb er einen Abschluss in Umweltingenieurwesen und promovierte in Biologie. Er begann seine Karriere als Außendienstmitarbeiter bei Ipsen, anschließend war er bei Ratiopharm, Sandoz, Sanofi und Zentiva tätig.
Ab 2019 leitete er das Stada-Geschäft in der Tschechischen Republik (einschließlich der Übernahme von Walmark). Zuletzt war er als VP/Regional Business Head für den asiatisch-pazifischen Raum (APAC) bei Glenmark mit Sitz in Singapur tätig. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und treibt in seiner Freizeit gerne Sport. (wpa)
Können Sie das etwas genauer ausführen?
Wir haben eine klare Strategie für unsere langfristige Zukunft: Im Bereich Consumer Healthcare wollen wir die klare Nummer eins auf dem deutschen Markt werden. Das bedeutet zwangsläufig, dass wir schneller wachsen müssen als der Markt. Bei den Generika wollen wir eine starke Nummer zwei im Markt sein. Der Bereich Spezialpharmazeutika ist unser am schnellsten wachsendes Segment. Hier wollen wir insbesondere bei Biosimilars und Innovationen sehr stark sein.
Wie wollen Sie diese Ziele erreichen?
Wir sind überzeugt davon, dass die Unternehmenskultur die Leistung bestimmt. Bei der Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen liegen wir mit 76 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Die große Mehrheit unserer Beschäftigten ist also wirklich stolz darauf, für Stada zu arbeiten, und bringt sich stark ein. Darauf können wir stolz sein. Dieses Ergebnis möchte ich noch verbessern.
Auf welche Zahl?
Mehr als 90 Prozent der Beschäftigten sollen sagen können, dass sie gerne bei Stada sind und sich vollständig für das Unternehmen einsetzen. Bis dahin haben wir noch einen Weg vor uns (lacht).
Das ist eine stolze Zahl. Wie wollen Sie das erreichen?
Menschen zählen. Alles, was wir als Unternehmen tun, wird von und für Menschen getan. Das müssen wir widerspiegeln, anerkennen und in unserem Handeln berücksichtigen. Allein in Bad Vilbel beschäftigen wir rund 1500 Menschen, deutschlandweit sind es noch mehr. Wir sind kein digitales Unternehmen, und wir werden auch keines werden. Wir brauchen Menschen – und diese Menschen sind uns wichtig.
Wie ist die aktuelle Situation auf dem Pharmamarkt, gerade mit Blick auf die Knappheit von Medikamenten?
Wenn wir auf die weltweite geopolitische Situation blicken – vom Nahen Osten über die Veränderungen, die von den USA ausgehen, bis hin zu Entwicklungen in Asien –, sehen wir störende Auswirkungen, insbesondere auf die Zuverlässigkeit der Lieferketten. Aus Sicht von Stada spüren wir davon bislang allerdings nicht besonders viel. Wir erleben derzeit keine größeren Engpässe im Markt. Das gilt insbesondere für Deutschland, unseren wichtigsten Markt. Wenn es irgendwo Lieferbeschränkungen gibt, verstehen wir das vielmehr als Chance und Verpflichtung: Ganz im Sinne unseres Purpose „Als verlässlicher Partner kümmern wir uns um die Gesundheit der Menschen“ ist es unsere Aufgabe, die Patienten zu versorgen und nach Möglichkeit zusätzliche Produkte bereitzustellen, wenn sie benötigt werden.
Stada und die Fachbegriffe
Die Stada Arzneimittel AG hat ihren Sitz in Bad Vilbel. Das weltweit tätige Pharmaunternehmen setzt auf eine Drei-Säulen-Strategie, bestehend aus Generika, Consumer-Healthcare-Produkten, wie beispielsweise „Ladival“ und „ELOTRANS reload“ und Spezialpharmazeutika, die das Leben und die klinischen Ergebnisse von Patienten mit chronischen, komplexen oder seltenen Krankheiten verbessern sollen. Weltweit vertreibt Stada Produkte in mehr als 100 Ländern.
Generika sind wirkstoffgleiche Alternativen zu ehemals patentgeschützten Arzneimitteln. Sie müssen dem Original in Darreichungsform, Wirkstoff und Wirkstärke gleichen.
OTC steht dabei für Arzneimittel, die nicht verschreibungspflichtig sind, für die man also kein Rezept benötigt. Die englische Abkürzung OTC steht für „Over-The-Counter“, was übersetzt so viel wie „über den Ladentisch“ bedeutet. (wpa)
Gibt es eine Änderung im Verhalten der Konsumenten?
Definitiv. Das betrifft vor allem Online-Apotheken, aber ebenso die klassischen Apotheken. Für uns bleibt die Apotheke der mit Abstand wichtigste Ansprechpartner auf dem deutschen Markt.
Warum?
Weil wir bei Generika, Spezialpharmazeutika und auch bei Consumer Healthcare zu den stärksten Anbietern gehören. Apotheken sind und bleiben deshalb unsere wichtigsten Partner.
Wir haben bereits ein wenig über Innovationen und die Veränderungen auf dem Markt gesprochen. Welche Bedeutung hat Innovation für Stada?
Ich würde das Thema Innovation in zwei Bereiche unterteilen. Zum einen Innovationen für Verbraucher und Kunden, also im Portfolio, und zum anderen künstliche Intelligenz als unterstützendes Werkzeug. Aus Sicht des Portfolios bringen wir in allen drei Segmenten Innovationen hervor. Bei Consumer Healthcare, Generika und Spezialpharmazeutika. Bei den Spezialpharmazeutika sind unsere Markteinführungen per Definition Innovationen für die Behandlung von Patienten.
Und in Bezug auf KI?
Wir glauben, dass sowohl unser Unternehmen als auch die gesamte Branche weiterhin von Menschen getragen werden. Mithilfe künstlicher Intelligenz können diese Menschen aber effizienter arbeiten – insbesondere bei der Verarbeitung und Auswertung großer Datenmengen. Die Fähigkeiten unserer Beschäftigten bleiben dennoch unverzichtbar: in der Qualitätssicherung, in der Produktion und im kaufmännischen Bereich. Diese Kompetenzen werden wir auch in Zukunft unbedingt benötigen.
Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten, wenn Sie an die Zukunft von Stada denken?
Wenn man sich die Marktdaten und die Situation in Europa ansieht, gibt es nicht viele Unternehmen, die sich in einer vergleichbaren Lage befinden. Wir wachsen kontinuierlich stärker als der Markt. Auch beim Gewinn entwickeln wir uns besser als der Markt beziehungsweise als vergleichbare Unternehmen. Diesen Weg setzen wir fort. Wir wissen außerdem, dass sowohl organisches als auch anorganisches Wachstum Teil unserer Strategie und auch der Strategie unseres neuen Eigentümers sind. Stada ist deshalb einfach ein besonders großartiges Unternehmen. Wir können neue Marken und neue Geschäftsmöglichkeiten erwerben und zugleich unsere bereits sehr starken Marken weiterentwickeln. Diese Wachstumsmöglichkeiten sind wirklich beeindruckend. Und ich freue mich darauf, mein Deutsch bis zur Perfektion zu lernen.