Wie Frankfurt am Mainufer zwischen Handkäs und Pantomime feiert

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Wie Frankfurt am Mainufer zwischen Handkäs und Pantomime feiert

Stand: 27.07.2026, 06:10 Uhr

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FOTO TAGESSATZFrankfurt: Osthafenfestival 2026Foto aufgenommen am 25.07.2026Foto: Rolf Oeser

Beim Osthafen-Festival herrscht am Samstag großer Andrang. © ROLF OESER/Rolf Oeser

Am Frankfurter Mainufer feiern an diesem Wochenende Zehntausende Menschen bei zwei Festivals. Die Sommerwerft setzt dabei auf Umweltbildung und kostenlose Komposttoiletten.

Frankfurt – Am Frankfurter Mainufer feiern Zehntausende Menschen trotz großer Hitze. Eingeladen haben zwei Festivals, wie sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Das Osthafen-Festival hat ganz klar eine kommerzielle Ausrichtung. Die Lindleystraße, in der sonst meist Lastwagen Vorfahrt haben, hat sich an diesem Samstag in eine Fressmeile verwandelt. Geboten wird alles, was der Magen begehrt, und noch viel mehr. Die „kleinste Disco der Welt“ bietet Sprühnebel. Auf den Plastikstühlen darunter rekeln sich ein paar Menschen.

FOTO TAGESSATZFrankfurt: Sommerwerft, Akrobatikvotführung im Kulturfreiraum mit Ana Jordao und Vincent Kollar.Foto aufgenommen am 25.07.2026Foto: Rolf Oeser

Auf der Sommerwerft braucht es keine großen Worte. © ROLF OESER/Rolf Oeser

Deutlich mehr los ist in den Querstraßen, denn dort gibt es kostenlosen Schatten. Wer eine schwache Blase hat, muss allerdings in die Tasche greifen. Der Toilettengang im professionellen Wagen kostet einen Euro, das Zwölferticket ist aber schon für zehn Euro zu haben.

Coverbands hier, Pantomime dort

Auf der Bühne der Hafen- und Marktbetriebe spielen gerade „Die Drei Deppe“. Sie haben beliebte Melodien mit Texten versehen, in denen es fast ausnahmslos um Handkäs oder Ebbelwoi geht. Auch auf den anderen beiden Bühnen im Osthafen wird an diesem Samstagnachmittag eifrig gecovert, dazu gibt es weitere Musik an zwei Spots.

Wer dem Trubel entfliehen möchte, muss schon aufs Wasser flüchten. Das geht wahlweise mit dem Kanu, dem Stand-up-Board oder dem Waterbike. Später wird am gleichen Ort noch ein großes Löschboot für Aufsehen sorgen.

Ein paar Hundert Meter mainabwärts geht es deutlich geruhsamer zu. Zwar hat die 25. Auflage der Sommerwerft zur Eröffnung am Freitagabend bereits mehrere Tausend Menschen angelockt, doch am Samstagnachmittag wird erst mal gechillt. Statt Coverbands führt ein italienisches Ensemble ein pantomimisches Stück auf, und auch das Akrobatenduo „A body and other objects“ kommt ohne Worte aus.

Im Beduinenzelt ist noch keine Veranstaltung, doch es ist bereits voll mit Menschen, die Schatten suchen. Denn passend zum Motto „The ocean starts in Frankfurt“ rollt die nächste Hitzewelle auf die Stadt zu. Geschwitzt wurde bei der Sommerwerft zuletzt wenig, das weiß auch Organisator Bernhard Bub. „Die beiden vorigen Festivals fielen in eine Kaltwetterphase“, sagt er und ergänzt: „Und da kamen immer noch 100.000 Leute.“ Bub bereitet es daher keine Sorge, dass sich ein Stück weiter mainaufwärts gerade Tausende Menschen drängeln, während auf seinem Festival noch große Ruhe herrscht.

Das Osthafen-Festival sei halt so ein Konsumfest. „Wir haben hier einen ganz anderen Ansatz, kein Zirkus und bunte Stelzen.“ Der Gang auf die Komposttoilette sei übrigens kostenlos, sagt Bub, der sich noch daran erinnert, dass die Stände bei der Sommerwerft von seinen Leuten alle selbst entwickelt und gebaut worden seien.

Gütesiegel von der Unesco erhalten

Immer mehr rückt bei der Sommerwerft der Umweltaspekt in den Vordergrund. Vom 29. Juli an bietet das internationale Theaterfestival die Initiative „Blue Lab“, die Kultur und die Umweltbildung miteinander verbinden soll. Stolz blättert Bub durch die Jubiläumsbroschüre und verweist auf das Gütesiegel, mit dem die Unesco das fünftägige Programm auszeichnete.

An so etwas hat bei der Sommerwerft vor 25 Jahren auch noch niemand zu denken gewagt. „Damals war hier Dead End Frankfurt, und alle zwei Stunden kam mal ein Radfahrer“, erinnert sich Bub. Die Menschen in den Häusern, die entlang des Geländes hochgezogen wurden, seien froh, dass es keine durchgehende Beschallung gebe. „Unsere Tendenz ist eher, noch weiter weg vom Konsum zu gehen.“