Nach 7 Wochen WM: Dzemaili über seinen Job und das Heimweh
Während zu Hause in der Schweiz die Familie auf ihn wartet, rackert Ex-Nati-Star Blerim Dzemaili an der WM-Endrunde. Fast sieben Wochen ist der Blick-Experte schon in Nordamerika. Das bedeutet Stress, viele Reisen und Sehnsucht nach den Liebsten.
- 5 min read
«Wichtige Momente verpasst»
Dzemaili plagt nach fast sieben Wochen WM das Heimweh
Während zu Hause in der Schweiz die Familie auf ihn wartet, rackert Ex-Nati-Star Blerim Dzemaili an der WM-Endrunde. Fast sieben Wochen ist der Blick-Experte schon in Nordamerika. Das bedeutet Stress, viele Reisen und Sehnsucht nach den Liebsten.
Publiziert: 18:28 Uhr
|
Aktualisiert: 18:49 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Blerim Dzemaili ist wegen der WM seit fast sieben Wochen in Nordamerika
- Den Ex-Nati-Star plagt das Heimweh, denn er vermisst seine Familie sehr
- Der neue Blick-Experte sagt, wer für ihn Favorit ist im WM-Final
Die erfolgreiche WM der Schweiz ist Blerim Dzemaili (40) ein Stück weit zum Verhängnis geworden. Hätte sich die Nati früh aus dem Turnier verabschiedet, wäre der RSI- und Blick-Experte nach dem Ausscheiden zurück in die Schweiz zu seiner Familie gereist, um erst wieder für die Halbfinals und den Final in die USA zurückzukehren.
Doch weil es die Schweiz bis in den WM-Viertelfinal geschafft hat, wird Dzemaili nun fast sieben Wochen am Stück in Nordamerika verbracht haben. «Wenn ich ehrlich bin, war für mich von Anfang an klar, dass ich nicht mehr nach Hause gehen werde», sagt der langjährige Nationalspieler über die erfolgreiche Kampagne des Teams von Murat Yakin (51).
So kommt Dzemaili zwar um viel Reisestress herum, ist dafür aber über einen Monat von seiner Familie getrennt. Anfang des vergangenen Jahres ist der Zürcher zum zweiten Mal Vater geworden. Nach Sohn Luan, der 2015 auf die Welt kam, ist er mit seiner neuen Partnerin nun auch stolzer Papi einer kleinen Tochter. «Ich vermisse sie sehr. Das sind die einzigen wirklich schweren Momente in meinem Job.»
«Ich habe viele wichtige Momente meines Sohnes verpasst»
Sein Rezept gegen das Heimweh? Videoanrufe in die Schweiz. «Vor ein paar Monaten hat meine Tochter nur in die Kamera gestarrt. Inzwischen erkennt sie mich auf dem Bildschirm und lacht immer, wenn wir telefonieren», erzählt Dzemaili. Zu Beginn seiner USA-Reise haben ihn Partnerin und Tochter noch begleitet, seit dem zweiten Schweizer Gruppenspiel gegen Bosnien und Herzegowina ist er nun aber alleine unterwegs.
Zeit ohne seine Familie verbringt Dzemaili seit seinem Karriereende vor drei Jahren aber fast nur während der Länderspielpausen. Zwischenzeitlich stand Dzemaili zwar auch für Sky Italia als Experte im Einsatz, auf andere Projekte hat er in dieser Zeit aber bewusst verzichtet. «Ich war müde und brauchte einfach etwas Zeit ohne Fussball», blickt er zurück. «Während meiner Zeit als Profi im Ausland habe ich viele wichtige Momente im Leben meines Sohnes verpasst. Das möchte ich bei meiner Tochter nicht wiederholen.» Er habe sich als Vater enorm weiterentwickelt, erzählt Dzemaili. «Beim ersten Kind ist alles neu für dich. Beim zweiten ist alles etwas anders. Deine gesammelten Erfahrungen helfen dir, dich selbst immer weiter zu verbessern.»
Dzemaili wagt die Final-Prognose
Was in seinem Fall fürs Elternsein gilt, treffe auch auf die Schweizer Nati und ihren Fussball zu. Und dort habe das Team von Murat Yakin im Rahmen dieser WM noch einmal einen grossen Schritt nach vorne gemacht. «Wir sind eine Fussball-Nation geworden», sagt Dzemaili. Bis vor ein paar Jahren hätten nur die wenigsten die Schweiz an grossen Turnieren auf der Rechnung gehabt. «Inzwischen haben wir uns aber auf der ganzen Welt Respekt verschafft.» Trotz des historischen Vorstosses in den WM-Viertelfinal sei das Out gegen Argentinien (1:3 n. V.) darum auch für ihn schmerzhaft. «Weil wir die bessere Mannschaft waren», findet Dzemaili.
Doch statt der Schweiz duelliert sich am Sonntag die Albiceleste mit Spanien um den WM-Titel. Und das nicht unverdient, wie Dzemaili nach dem Halbfinal gegen England (2:1) findet. «Argentinien hat sein mit Abstand bestes Spiel in der K.o.-Phase gezeigt.» Im Final setzt er trotzdem auf Spanien. «Sie haben die Abgeklärtheit, die den Engländern gefehlt hat. Sie werden die Argentinier nicht noch einmal ins Spiel zurückkommen lassen.» Dzemaili sollte mit seinem Tipp recht behalten. Die Spanier gewinnen 1:0 nach Verlängerung und krönen sich zum Weltmeister.
Trotz Stress: Dzemaili weiss die kleinen Dinge zu schätzen
Während die Schweizer die Endphase des Turniers aus den Ferien verfolgen müssen, ist die letzte WM-Woche für Dzemaili die mit Abstand stressigste. Von Kansas City, wo die Nati den Viertelfinal bestritten hatte, ging es zu den beiden Halbfinalspielen nach Dallas und Atlanta, von dort weiter nach New York, wo er am Sonntag während des WM-Finals im Tessiner Fernsehen als Co-Kommentator zu sehen und zu hören ist.
Drei Spiele, drei Städte, drei Flüge, alles innerhalb von ein paar Tagen. Zeit für andere Dinge als Fussball bleibt da kaum noch. Auch wenn Dzemaili jede freie Minute genau dafür zu nutzen versucht. «Der Fussball bringt mich an Orte, an die ich sonst vielleicht nie kommen würde. Darum versuche ich immer, auch etwas von den Städten zu sehen.» Ein Abstecher am Nachmittag in ein belebtes Café oder ein abendlicher Besuch in einem Steakhouse mit einem Glas guten Weins – Momente, die Dzemaili heute sehr geniesst. «Als Profi bin ich praktisch nie raus. Darum weiss ich solche Dinge jetzt umso mehr zu schätzen», sagt er.
Fussball-Rentner Dzemaili ist noch immer in Form
Gehen lassen hat sich der Fussball-Pensionär aber keineswegs. Dzemaili ist noch immer topfit. Mehrmals die Woche ist er im Kraftraum unterwegs. Auch die Laufschuhe hat Dzemaili mit nach Nordamerika genommen. Genau wie seine Golfschläger – seine zweite ganz grosse Leidenschaft neben dem Fussball.
Seit er 2017 das erste Mal auf dem Golfplatz stand, ist er von der Sportart fasziniert. Während seiner Aktivzeit blieb aber kaum Zeit, seinem neu entdeckten Hobby nachzugehen. «Bis vor zwei Jahren habe ich es vielleicht einmal im Monat auf den Platz geschafft», so Dzemaili. Heute sieht das ganz anders aus. Inzwischen hat er sich auf ein Handicap von 8 heruntergespielt und steht in der Regel einmal pro Woche auf dem Golfplatz.
Wenn es nach dem WM-Final zurück in die Schweiz geht, werden seine Schläger aber zuerst für ein paar Tage in der Tasche bleiben. Die ersten fussballfreien Tage gehören endlich wieder seiner Familie.
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.