Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Kimi Antonelli

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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Kimi Antonelli

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser,

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Kimi Antonelli bejubelt seinen Sieg beim Formel-1-Rennen in Spa-Francorchamps 2026 Zoom

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wer erinnert sich noch an das Abschneiden von Kimi Antonelli 2025 in Spa-Francorchamps?

Vor zwölf Monaten drehte er sich im Sprint-Qualifying, startete als Letzter und beendete den Sprint als 17. - nur vor Nico Hülkenberg im Sauber und den beiden Alpine (den Aston Martin des Vorjahres, wenn man so will). Im Qualifying für den Grand Prix fehlte ihm anschließend schlicht das Tempo, sodass er bereits in Q1 ausschied. (Hier alle Ergebnisse aus Spa 2025 abrufen!)

Im normalen Ablauf eines Formel-1-Wochenendes gehen die Fahrer direkt nach ihrer Session in die Medienzone, um den TV-Teams und den schreibenden Journalisten Rede und Antwort zu stehen. Antonelli war damals jedoch der letzte Fahrer, der dort erschien - obwohl er zu den ersten Ausgeschiedenen gehörte.

Immer wieder blinzelnd und bemüht, keine weiteren Tränen zu vergießen, sprach er über sein fehlendes Vertrauen ins Auto und eine schwierige Phase. Spa war nur eines von mehreren enttäuschenden Wochenenden jenes Sommers. Nach diesem Belgien-Grand-Prix wurden die Stimmen besonders laut, die behaupteten, Antonelli sei noch nicht bereit für die Formel 1.

Zwölf Monate später wirkt Antonelli wie eine unaufhaltsame Naturgewalt.

Wo Antonelli bislang Punkte verloren hat

Auch diesmal reiste er nach einer schwierigen Phase nach Spa. Der Unterschied: Diesmal waren nicht eigene Fehler die Ursache, sondern technische Defekte. (Fotostrecke: Wo Antonelli im WM-Kampf 2026 die meisten Punkte verloren hat)

In Barcelona verlor er einen wahrscheinlichen zweiten Platz, in Silverstone möglicherweise sogar den Sieg. Trotzdem kam er trotz dieser beiden Nullnummern mit einem Vorsprung von 25 Punkten auf George Russell nach Spa.

Wie Antonelli sein eigenes Abschneiden bewertet

Auch die Stimmen hatten sich verändert: In der Pressekonferenz am Donnerstag wurde Antonelli gebeten, seine bisherige Saison zu bewerten. Schon die Fragestellung sagte mehr über seine Leistungen aus als die eigentliche Antwort:

"Würdest du deine Saison bisher mit 10 von 10 Punkten bewerten - so bescheiden und selbstkritisch, wie wir dich kennengelernt haben? Und falls nicht: Warum nicht?"

Antonelli ist tatsächlich bescheiden und selbstkritisch. Deshalb zählte er ausführlich alles auf, was aus seiner Sicht nicht perfekt gewesen war: den Unfall im Training in Melbourne, den schwachen Start in Japan, die Tracklimits-Strafe im Sprint von Miami, die ihn Punkte kostete, und sogar seine Qualifyings in Barcelona und Österreich, bei denen er Dritter beziehungsweise Zweiter geworden war, die er dennoch nicht als zufriedenstellend einstufte.

So bescheiden und selbstkritisch er auch ist - schlechter als mit einer 8 konnte er seine Saison dennoch nicht bewerten.

WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli: Besser geht es kaum

Nach Spa dürfte er diese Einschätzung wohl anheben müssen. Denn an jenem Kurs, der ihm vor nur einem Jahr einen der Tiefpunkte seiner Karriere beschert hatte, hätte er kaum etwas besser machen können.

Es gibt dieses alte Klischee, das Spitzensportler gerne bemühen: Pech existiere eigentlich nicht. Meist sagen sie das unmittelbar, bevor sie aufzählen, bei welchen Gelegenheiten sie tatsächlich Pech hatten. Gemeint ist damit jedoch, dass außergewöhnliche Athleten letztlich trotzdem den Unterschied ausmachen können.

Antonellis Spa-Wochenende - ebenso wie seine bisherige Saison - ist das perfekte Beispiel dafür, dass am Ende nichts den besten Fahrer aufhalten kann.

Alles deutete auf Sieg beim Grand Prix von Belgien

Am Freitag war er der Schnellste, anschließend sicherte er sich souverän die Poleposition. Selbst etwas so Banales wie ein ungünstig ausgelöstes virtuelles Safety-Car konnte daran letztlich nichts ändern.

Valtteri Bottas leistete Antonelli unbeabsichtigt sogar einen kleinen Gefallen, als er Charles Leclerc aufhielt. Doch die wenigen Zehntelsekunden, die der Monegasse hinter dem Cadillac verlor, rechtfertigen kaum das komplette Abendessen, das Bottas anschließend scherzhaft als Gegenleistung von Kimi einforderte. Allenfalls hätte es für ein gutes belgisches Bier gereicht. Ein kleines.

Antonelli würde dieses Rennen schlicht nicht verlieren. Er nutzte seine erste echte Gelegenheit, die Führung zurückzuholen, die ihm nach seiner Pace eigentlich zustand.

Das schnellste Auto allein reicht nicht

Bemerkenswert ist außerdem, dass dieser Sieg vor allem Antonellis eigener Verdienst war. Natürlich fährt er weiterhin das beste Auto im Feld. Doch das Rennen verlief deutlich schwieriger, als viele erwartet hatten. Ferrari - und zeitweise sogar Red Bull - konnten sein Tempo mitgehen. Nicht genug, um ihn ernsthaft zu gefährden, aber durchaus ausreichend, um ihn permanent unter Druck zu setzen.

Dieser Sieg verlangte dem Italiener vom Start bis ins Ziel absolute Höchstleistung ab. Und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Antonelli des Jahres 2025 um diesen Erfolg wahrscheinlich gar nicht erst gekämpft hätte.

Foto zur News: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Kimi Antonelli

© Getty Images Europe

Kimi Antonelli, Charles Leclerc, George Russell beim Formel-1-Rennen in Belgien 2026 Zoom

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Es ist eben nicht nur so, dass Mercedes in diesem Jahr das schnellste Auto besitzt. Entscheidend ist die Kombination aus Fahrzeug und Fahrer, die in den meisten Rennen den Maßstab gesetzt hat.

Hätte Antonelli alle bisherigen Rennen gewinnen können?

Rein von der Geschwindigkeit her hätte Antonelli in dieser Saison beinahe jedes Rennen gewinnen können. In Barcelona war er schnell genug, um Lewis Hamilton herauszufordern, in Österreich war er am Sonntag letztlich der schnellste Fahrer, und in Silverstone wäre es für Charles Leclerc äußerst schwierig geworden, ihn in den Schlussrunden hinter sich zu halten.

Mit etwas mehr Rennglück hätte seine Siegesserie sogar bis zum Großen Preis von China zurückreichen können. Stattdessen - weil ihn das Pech häufiger verfolgt hat als die meisten anderen - beträgt sein Vorsprung in der Weltmeisterschaft "nur" 45 Punkte. Kein schlechter Zwischenstand für einen 19-Jährigen.

Was Toto Wolff über Kimi Antonelli sagt

"Wir sind alle überrascht", sagte Toto Wolff am Sonntagabend in seiner Medienrunde über seinen Fahrer. "Ich denke, die erste Saison verlief genau wie erwartet. Es gab großartige Momente, in denen sein Talent aufblitzte, aber auch sehr schwierige Phasen - insbesondere diese längere Durststrecke ohne gute Ergebnisse. Das war alles erwartbar."

"Nach dem Winter verlief seine Entwicklung ebenfalls so, wie wir es erwartet hatten. Er kannte inzwischen das Umfeld, den Druck, die technischen Anforderungen des Teams, die Marketingtermine und auch die Strecken, auf denen wir fahren würden."

"Aber womit niemand gerechnet hatte, war die Ruhe und Struktur, die er in seine Arbeit gebracht hat. Egal ob eine Session gut oder schlecht lief - in den Nachbesprechungen war bei Kimi emotional praktisch kein Unterschied zu erkennen."

"Er arbeitet völlig sachlich: 'Wo liegt das Problem? Wie lösen wir es? Wie geht es weiter?' Das ist neu. Deshalb sieht man ihm selbst nach einem Sieg nicht diese überschäumende Begeisterung an, die man bei einem 19-Jährigen eigentlich erwarten würde."

"Und genauso verhält es sich, wenn einmal etwas schiefläuft. Als wir in Barcelona wegen des technischen Defekts ausfielen oder auch in Silverstone - da kam er zurück in die Box und war derjenige, der dem Team sagte: 'Das ist ein mechanischer Sport. Solche Dinge passieren.' Mit 19 Jahren! Das ist wirklich außergewöhnlich."

"Ich glaube, genau diese Denkweise und diese Einstellung sind einer der Hauptgründe dafür, dass sein Talent bereits so früh in seiner Karriere voll zur Geltung kommt."

Was für einen Unterschied ein einziges Jahr machen kann.

Euer
Oleg Karpow