Übergriff auf 13-Jährige in Turin: Richter lässt Verdächtigen nach zwei Nächten frei – Meloni schaltet sich ein

StartseitePolitik„Wer erklärt das der Familie?“ Richter lässt Verdächtigen nach Übergriff auf 13-Jährige frei – Meloni tobtStand: 03.09.2026, 18:32 UhrKommentareUns auf Google folgenZwei Nächte Haft, dann vorer...

  • 3 min read
Übergriff auf 13-Jährige in Turin: Richter lässt Verdächtigen nach zwei Nächten frei – Meloni schaltet sich ein

„Wer erklärt das der Familie?“ Richter lässt Verdächtigen nach Übergriff auf 13-Jährige frei – Meloni tobt

Stand: 03.09.2026, 18:32 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Zwei Nächte Haft, dann vorerst in Freiheit: Der Richter sah keine Fluchtgefahr. Italiens Ministerpräsidentin Meloni greift ihn jetzt öffentlich an.

Turin/Rom – Die Entscheidung eines Richters sorgt in Italien für heftige Diskussionen. Sogar die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte sich. Konkret geht es um einen 42-jährigen Angestellten eines kleinen Supermarktes in Turin. Ihm wird vorgeworfen, ein 13-jähriges Mädchen, das in dem Laden einkaufen wollte, sexuell missbraucht zu haben, wie die italienische Zeitung La Repubblica berichtet. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Untersuchungshaft beantragt, der zuständige Richter entschied jedoch anders. Nach zwei Nächten Haft, war der mutmaßliche Täter wieder auf freiem Fuß.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bei einem Termin im Bundeskanzleramt.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisiert die Justiz in einem Fall, der in Italien für große Diskussionen sorgt. © Kay Nietfeld/dpa

Auf Facebook schrieb Meloni: „Die Ordnungskräfte haben ihre Pflicht getan, in wenigen Stunden. Ausgezeichnet. Die Staatsanwaltschaft hat die härteste Maßnahme beantragt. Die gesamte Kette hat funktioniert.“ Den Richter griff Meloni aufgrund seiner Entscheidung an. Dieser habe die Arbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft „in 48 Stunden zunichtegemacht“. Weiter kündigte Meloni eine Untersuchung des Falles an. „Wer erklärt das der Familie? Wer erklärt das dem Stadtteil, der heute Nacht weiß, dass dieser Mann wieder dort ist?“

Brisanter Fall sorgt für Kontroverse in Italien: Meloni und Justizminister schalten sich ein

Der Richter erkannte zwar „schwerwiegende Indizien“ gegen den Mann an, sah jedoch keine begründete Fluchtgefahr, die für eine Untersuchungshaft erforderlich gewesen wäre. Er begründete seine Entscheidung damit, dass der Mann Reue gezeigt, mit den Behörden kooperiert und die Videoaufnahmen der Überwachungskamera zur Verfügung gestellt habe. Der Mann ist laut italienischen Berichten nicht vorbestraft.

Neben der italienischen Ministerpräsidentin äußerte sich auch Justizminister Carlo Nordio. Er ordnete die Entsendung von Ministeriumsinspektoren zum Turiner Gericht an. „Ich stelle fest, dass die Entscheidung des Vorverfahrensrichters in den Bereich der Autonomie und Unabhängigkeit der Justiz fällt, in den ich nicht eingreifen kann und darf. Angesichts der außergewöhnlichen Natur des Falles und der dadurch ausgelösten gesellschaftlichen Besorgnis habe ich jedoch die Entsendung von Ermittlern angeordnet, um alle relevanten Informationen einzuholen“, erklärte Nordio, wie die italienische Zeitung La Stampa berichtet.

Kritik am Einmischen der italienischen Regierung in die Justiz

Die nationale Vereinigung italienischer Richter und Staatsanwälte, Associazione Nazionale Magistrati (ANM), kritisierte unterdessen die Einmischung der italienischen Regierung in den Fall scharf. In einer Pressemitteilung schrieb ANM, Maßnahmen dürften kritisiert werden, aber unkontrollierte Angriffe seien tabu. Es handele sich bei der Anordnung des Richters um keine endgültige Entscheidung und es sei auch noch kein Urteil gesprochen. „Angesichts dieser Situation kam es zu mehreren unkontrollierten Angriffen von hochrangigen Regierungsbeamten, die jeglicher Grundlage entbehren.“ Dies verurteile man aufs Schärfste, wie Guiseppe Tango, Präsident der ANM, erklärte.

Melonis Partei Fratelli d‘Italia hatte am Dienstag (1. September) eine Demonstration vor dem Polizeipräsidium in Turin organisiert, unter dem Motto „Schließt den Pädophilenmarkt!“, wie die Welt schreibt. Ein Parteivertreter erklärte gegenüber La Stampa, man müsse in Erwägung ziehen, das Geschäft, in dem sich der Vorfall zugetragen hatte, schließen zu lassen. (Quellen: ANM/La Stampa/La Republica/Welt/Facebook) (sischr)