Laut Psychologie: Wer beim Lesen diesen Fehler vermeidet, trainiert eine wichtige Eigenschaft

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Laut Psychologie: Wer beim Lesen diesen Fehler vermeidet, trainiert eine wichtige Eigenschaft

Wer beim Lesen diesen Fehler vermeidet, verbessert seine emotionale Intelligenz

Stand: 04.09.2026, 19:25 Uhr

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Wer abends mit einem guten Buch auf der Couch sitzt und sich in eine Geschichte vertieft, trainiert eine Fähigkeit, die wir fast täglich anwenden.

Frankfurt – Die Brust wird schwer, wenn sich Frodo nach über 1.000 Seiten von uns verabschiedet und Mittelerde verlässt, um endlich seinen Frieden zu finden. Wir müssen schmunzeln, wenn Ron versucht, Malfoy mit einem kaputten Zauberstab zu verfluchen und stattdessen stundenlang Schnecken spuckt. Und der kleine Prinz hat Generationen dazu bewegt, sich zu fragen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Viele Bücher und Romane lassen uns in fremde Wirklichkeiten abtauchen und Erfahrungen machen, die uns sonst verwehrt bleiben. Ein Prozess ist beim Lesen aus psychologischer Sicht besonders spannend: das Mitfühlen.

Eine Frau sitzt auf der Couch und ließt

Lesen kann das Einfühlen und Verstehen von Emotionen verbessern und damit die sogenannten „emotionale Intelligenz“. (Symbolfoto) © Pond5 Images/Imago Images

Zahlreiche Studien zeigen, dass der Konsum von fiktionaler Literatur sich positiv auf die emotionale Intelligenz eines Menschen auswirken kann, also auf die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen, mit ihnen umzugehen und sie angemessen auszudrücken. Eine wichtige Grundlage dafür lieferten 2009 die Psychologen Raymond Mar, Keith Oatley und Jordan Peterson von der University of Toronto. Ihre Ausgangsfrage lautete: Sind Vielleser empathischer als Menschen, die seltener zum Roman greifen?

Emotionale Intelligenz besteht aus vier Kernbausteinen

Um das zu klären, erfassten sie die Lesegewohnheiten von 225 Personen und prüften anschließend, wie gut diese anhand von Personenfotos und deren Augenpartien die Gefühle anderer erkennen konnten. Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit rechneten sie dabei heraus. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin Communication. Sie kamen zu dem Schluss, dass diejenigen, die mehr Belletristik lesen, fremde Gefühle zuverlässiger erkennen, unabhängig von Persönlichkeit oder Geschlecht. Diese Ergebnisse bestätigten sich später in vielen weiterführenden Studien.

Emotionale Intelligenz besteht aus unterschiedlichen Bausteinen. Der Emotionsforscher Dirk Eilert unterscheidet zwischen „vier Kernfunktionen der Emotionsverarbeitung“: Wahrnehmung eigener Emotionen, Wahrnehmung der Emotionen anderer, Regulation von Emotionen und emotionaler Ausdruck. Bei der Wahrnehmung eigener Emotionen geht es darum, zu erkennen und benennen zu können, was in einem selbst vorgeht. Die Wahrnehmung der Emotionen anderer meint, nachzuvollziehen, was im Gegenüber passiert. Emotionsregulation beschreibt, ob man selbst entscheiden kann, wie man mit einer Emotion umgeht. Der emotionale Ausdruck betrifft, ob das eigene Gefühl zur Situation passt.

Alle vier Bausteine können sich unter anderem in Sprache und Gesichtsausdruck widerspiegeln. „Die Mimik ist ein nonverbales Rückmeldesystem“, erklärt Eilert der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die entscheidende Kompetenz bestehe nicht darin, möglichst viel Mimik zu zeigen, sondern in der Flexibilität. „Mal braucht Kommunikation sichtbare Resonanz, mal braucht sie Ruhe. Genau diese Anpassungsfähigkeit ist letztlich ein wichtiger Bestandteil sozialer und emotionaler Kompetenz.“ Das Gleiche gelte auch für die Ausdrucksweise: Emotionale Intelligenz zeichne sich dadurch aus, dass man die Emotionen des Gegenübers erkennt und miteinbezieht, während man auch das eigene Befinden wahrnimmt, einordnet und angemessen zum Ausdruck bringt.

Verbesserung der emotionalen Intelligenz durch Lesen braucht Zeit

Wie genau das Lesen von Fiktion die emotionale Intelligenz verbessert, hat eine Studie aus dem Jahr 2022 der University of Wisconsin-Madison untersucht. Im Fachmagazin Psychology Today erklärt die Studienautorin Maryellen MacDonald, dass unter anderem die verwendete Sprache entscheidend ist: Belletristik enthalte deutlich mehr komplexe Emotionsbegriffe wie „Erleichterung“ oder „Ekel“ als Sachtexte, dazu viele Beschreibungen von Gefühlsausdrücken wie „erröten“, „lachen“ oder „seufzen“. Während wir der Handlung folgen, lernen wir, aus diesen Signalen auf die Gefühle der Figuren zu schließen. Durch das wiederholte Lesen der Begriffe im passenden Kontext wird unbewusst die emotionale Intelligenz trainiert.

Laut MacDonald ist für einen merkbaren Effekt die Dauer des Lesens entscheidend: Fünf Minuten Lesen würden nicht ausreichen, um die emotionale Intelligenz zu verbessern. Nur wer sich über längere Zeit intensiv auf Geschichten und ihre Figuren einlässt, trainiert seine Fähigkeit, Gefühle zu erkennen. Außerdem sind es nicht einzelne Lesehäppchen, die zählen, sondern die über Jahre aufgebaute Leseerfahrung, die messbar mit schärferen mentalen Kategorien für Gefühle einhergeht.

Dem gegenüber steht der aktuelle Trend des Speed-Readings, bei dem es darum geht, Bücher so schnell wie möglich zu verschlingen. Unser Literatur-Experte Sven Trautwein kritisiert in seinem Kommentar: „Was bei der atemlosen Jagd nach Seitenzahlen verloren geht, ist das echte Eintauchen. Ein gutes Buch ist keine To-Do-Liste, sondern eine Welt, in der man verweilen muss. Man muss die Atmosphäre atmen, Zwischentöne wahrnehmen und die Sprache wirken lassen.“ Ob für das Trainieren der emotionalen Intelligenz anspruchsvolle Literatur oder Genreliteratur wirksamer ist, gilt unter Forschenden bislang als offene Frage. Klar ist, dass nicht allein das Einfühlen in Figuren entscheidend ist, sondern der wiederholte und intensive Kontakt mit echten Emotionsbegriffen im Text. (Quellen: eigene Recherche, Psychology Today, Communication)