Warum Männer Angst vor Diäten haben
Machen wir einen kleinen Test: Welcher der folgenden Sätze könnte eher aus dem Mund eines Mannes kommen, welchen könnte eher eine Frau sagen, einfach vom Gefühl her? Satz Nummer 1: "Ich mache gerade eine Diät." Satz Nummer 2: "Ich bin gerade im Cut." Oder auch: "Ich komme gerade in Form." Na? Denken Sie bei Satz 1 eher an eine Frau, bei den zweiten beiden hingegen eher an einen männlichen Sprecher? Das passt zum Ergebnis einer aktuellen Studie aus Großbritannien.
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Stand: 31.08.2026 14:06 Uhr
Machen wir einen kleinen Test: Welcher der folgenden Sätze könnte eher aus dem Mund eines Mannes kommen, welchen könnte eher eine Frau sagen, einfach vom Gefühl her? Satz Nummer 1: "Ich mache gerade eine Diät." Satz Nummer 2: "Ich bin gerade im Cut." Oder auch: "Ich komme gerade in Form." Na? Denken Sie bei Satz 1 eher an eine Frau, bei den zweiten beiden hingegen eher an einen männlichen Sprecher? Das passt zum Ergebnis einer aktuellen Studie aus Großbritannien.
von Daniela Schmidt
Wie denken Männer über Diäten? Warum nutzen sie Gesundheitsprogramme zur Gewichtsreduktion so selten? Immerhin sind sie nicht nur in Deutschland deutlich häufiger von Übergewicht betroffen als Frauen. Trotzdem gibt es hierzulande bisher kaum Forschung zu diesen Fragen. Zwar befassen sich große Forschungszentren wie das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen in Leipzig eingehend mit den Ursachen für und Folgen von Übergewicht und Fettleibigkeit sowie der Wirkung möglicher Therapien; um kulturelle Vorstellungen von "Diät" und Männlichkeit geht es bisher aber selten. Aufschluss darüber geben könnte nun eine Untersuchung aus dem Vereinigten Königreich.
"Nicht gerade typisches Männerthema"
Forschende der englischen Anglia Ruskin University (ARU) fanden heraus: Auch bei Männern ist das Interesse durchaus verbreitet, Gewicht zu reduzieren, fit zu werden, ein attraktives körperliches Erscheinungsbild zu haben. Aber: Sie brauchen offenbar andere Begrifflichkeiten, um sich mit dem Konzept "Diät" wohlzufühlen. "Diät ist ein sehr negatives Wort, ich denke dabei sofort an: Verzicht, Verzicht, Verzicht", so einer der Teilnehmer der Studie. Und ein weiterer: "Es herrscht ein großer Druck durch Social Media, Magazine und so weiter – und zwar nicht gerade als typisches Männerthema." Es wird sogar von Unwohlsein berichtet, offen über dieses vermeintliche "Frauenthema" zu sprechen.
"Challenge" statt "Diät"
Kommt das Thema Gewichtsreduktion Männern also wie anstrengender Weiberkram vor? Die Studie zeigt: Es scheint vor allem um das Wording zu gehen. Mit Begriffen und Ansätzen wie "Challenge", "Transformation" oder "Wettbewerb" scheinen sich die Befragten deutlich wohler zu fühlen. Sie machen keine "Diät", sie betreiben "gesunde Ernährung und Fitness". Inhaltlich geht es am Ende um das Gleiche: weniger Kalorien aufnehmen, Sport treiben, den Körperfettanteil reduzieren, Muskeln aufbauen. Aber Männer müssen offenbar anders angesprochen werden, um von dem Vorhaben nicht abgeschreckt zu werden.
Warum das Argument "Gesundheit" nicht zieht
Dass das Thema Gewichtsreduktion bei den befragten Männern vor allem eine Sorge um Oberflächlichkeiten triggert, zeigt sich auch in ihrer Motivation: Hauptziel einer Diät ist für die Befragten weniger die eigene Gesundheit, sondern das Aussehen. Eine Mehrheit gibt an, attraktiv wirken zu wollen. Mit Gesundheitsargumenten sind Männer also anscheinend ebenso wenig zu erreichen wie mit der Überschrift "Diät".
Support kommt von: Frauen!
Ebenfalls interessant: Zwar tun die befragten Männer den Begriff "Diät" eher als "Frauenthema" ab – doch wenn es drum geht, wer sie bei einer Gewichtsreduktion am stärksten unterstützt und von ihnen als große Hilfe wahrgenommen wird, dann ist das am Ende oft die Partnerin. Einige der Befragten geben sogar an, dass die eigene Partnerin die treibende Kraft und Organisatorin ihrer Diät, pardon, Abnehm-Challenge sei.
Wenig Aussagekraft für alle Männer
Die Aussagekraft der Studie ist jedoch begrenzt: Die Stichprobe umfasst "nur" 24 Männer mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren und einem Body-Mass-Index von im Schnitt 28,5 (also deutlich übergewichtig, aber noch nicht fettleibig). Diese Männer wurden in vier Fokusgruppen-Interviews befragt und ihre Antworten schließlich einer qualitativen Inhaltsanalyse unterzogen. Die Ergebnisse sind also keinesfalls repräsentativ. Und wer weiß: Vielleicht kann eine Mehrheit der Frauen mit dem Begriff "Diät" auch längst nichts mehr anfangen, sondern braucht ebenfalls eine "Challenge", um die nötige Motivation zum Abspecken zu finden.