„Verdeckter Stellenmarkt“: Die 10/10-Regel zeigt Jobs, die nicht ausgeschrieben sind
StartseiteWeltStand: 17.07.2026, 20:43 UhrKommentareUns auf Google folgenWenige Stellen, viele Bewerbungen: Wer auf Jobsuche ist, setzt gerne mal auf Masse statt Klasse. Doch auch ein anderer Ansatz klingt viel...
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Stand: 17.07.2026, 20:43 Uhr
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Wenige Stellen, viele Bewerbungen: Wer auf Jobsuche ist, setzt gerne mal auf Masse statt Klasse. Doch auch ein anderer Ansatz klingt vielversprechend.
Frankfurt – Wer in Deutschland gerade Arbeit sucht, wird auf die Probe gestellt: Stellen werden abgebaut, Verträge befristet und Homeoffice gestrichen. Und auch in vermeintlich zukunftssicheren Bereichen wie der Softwareentwicklung sorgt Künstliche Intelligenz (KI) für Druck. Auf den Jobportalen ist das Angebot dementsprechend dünn. Die wenigsten können es sich leisten, wählerisch zu sein und so geht eine Bewerbung nach der anderen raus, sobald irgendwo eine Stelle auftaucht. Ganz nach dem Motto: viel hilft viel.
Doch gerade in den Zeiten eines hart umkämpften Arbeitsmarktes geht ein eintöniges Anschreiben schnell in der Masse an Bewerbungen unter. Zudem werden viele Stellen ohnehin zunächst intern ausgeschrieben und nachbesetzt, ohne auf dem öffentlichen Jobmarkt zu landen. Die Karriereberaterin Beth Hendler-Grunt spricht beim US-Nachrichtensender CNBC von einem „versteckten Arbeitsmarkt“, der einen Großteil aller Stellen verschlucke. Um sich dazu Zugang zu verschaffen, empfiehlt Hendler-Grunt ein Vorgehen, das sie die „10/10-Regel“ nennt.
Eigenes Netzwerk aufbauen: 10/10-Regel soll bei Jobsuche helfen
Die Methode: Man sucht sich zehn Unternehmen und sucht in Jobnetzwerken nach jeweils zehn Personen, die dort im eigenen Fachbereich arbeiten. Im Idealfall gibt es neben demselben Fachgebiet weitere persönliche Bezugspunkte, wenn man beispielsweise dieselbe Hochschule besucht hat. Nun soll man den Kontakt herstellen und sich austauschen, vielleicht sogar in einem Videogespräch. Ziel ist es, in Erinnerung zu bleiben. „Eine Person bringt dich mit der nächsten in Kontakt, und plötzlich hast du dein eigenes Netzwerk“, sagt Hendler-Grunt. Die Chancen, von internen Stellenausschreibungen zu erfahren steigen, wer Glück hat, wird sogar von einem Kontakt empfohlen.

Die „10/10-Regel“ gibt Arbeitsuchenden einen klaren Plan an die Hand. Die Karriereberaterin und frühere Personalerin Silke Koppitz überzeugt dabei weniger der konkrete Fahrplan als der eigentlich Gedanke hinter der Methode: „Die Grundidee halte ich für sinnvoll. Wer heute hunderte nahezu identische Bewerbungen verschickt, geht in der Masse schnell unter“, sagt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Insbesondere in Zeiten, in denen Unternehmen mit KI-Bewerbungen geflutet werden, sei ein gutes Netzwerk aus ihrer Sicht wichtiger denn je, auch wenn es keine gute Bewerbung ersetzt. Im Kern sei Hendler-Grunts Idee deshalb durchaus gut: sich gezielt mit Unternehmen auseinanderzusetzen, Beziehungen aufzubauen und nicht nur auf Stellenanzeigen zu reagieren.
Die Zahl zehn sei letztlich willkürlich gewählt. Entscheidend sei nicht, wie viele Unternehmen oder Kontakte man anschreibe, sondern die Qualität der Verbindungen, die dabei entstehen. Wer beim ersten Kontakt direkt nach einem Job oder einer Empfehlung fragt, wirke schnell wie jemand, der nur eine Gefälligkeit suche. „Eine gute Kontaktaufnahme zeichnet sich durch ehrliches Interesse aus. Man stellt Fragen, tauscht sich fachlich aus oder interessiert sich für den Werdegang der anderen Person“, sagt Koppitz. Nachhaltiges Netzwerken beginne idealerweise lange vor der eigentlichen Jobsuche. Wer erst dann damit anfange, wenn der Druck groß ist, habe es deutlich schwerer.
Karriereberaterin: „Verdeckter Stellenmarkt“ ist real
Dabei ist der sogenannte „verdeckte Stellenmarkt“ durchaus real, auch wenn Koppitz die oft zitierten Zahlen von 70 oder 80 Prozent nicht extern ausgeschriebener Stellen für nicht belastbar hält. Fakt sei aber: Wer gut vernetzt ist, erfährt häufig früher von personellen Veränderungen oder geplanten Einstellungen – manchmal noch bevor eine Stelle offiziell existiert.
Besonders lohne es sich, Unternehmen in Wachstumsphasen im Blick zu behalten: „Wer verfolgt, welche Unternehmen kürzlich eine Finanzierungsrunde abgeschlossen haben, größere Investitionen ankündigen, neue Standorte eröffnen oder umfangreiche Projekte starten, kann häufig schon früh erkennen, wo in den nächsten Monaten zusätzlicher Personalbedarf entstehen wird“, sagt die Karriereberaterin. Auch die aktive Präsenz auf Berufsportalen wie Linkedin helfe dabei.
Für Berufseinsteiger sei die „10/10-Regel“ ein sinnvoller Impuls, sagt Koppitz, gerade weil die wenigsten zum Berufsstart bereits ein berufliches Netzwerk haben. Wer am Anfang seiner Karriere steht, findet hier jedoch eine konkrete Idee, um genau das aufzubauen. Wer schon länger berufstätig ist, sollte sich lieber auf sein bestehendes Netzwerk verlassen und dort aktiv werden. Am Ende sind zehn ehrliche Kontakte eben mehr wert als 100 erzwungene Kontaktanfragen. (Quelle: eigene Recherche, CNBC)