Unabhängigkeitstag der Ukraine - Kapitulation kommt nicht in Frage

Mitten im russischen Angriffskrieg feiert die Ukraine ihre Unabhängigkeit. Präsident Selenskyj pocht auf die Stärke seines Landes - und erhält weitere Rüstungshilfe der EU und aus Großbritannien.

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Unabhängigkeitstag der Ukraine - Kapitulation kommt nicht in Frage
Wolodymyr Selenskyj

Stand: 24.08.2026 • 18:48 Uhr

Mitten im russischen Angriffskrieg feiert die Ukraine ihre Unabhängigkeit. Präsident Selenskyj pocht auf die Stärke seines Landes - und erhält weitere Rüstungshilfe der EU und aus Großbritannien.

Florian Kellermann

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj empfing die Gäste aus dem Ausland auf dem Platz vor der Sophien-Kathedrale im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Dort ehrte Selenskyj auch Soldaten und freiwillige Helfer der Armee, einige von ihnen posthum.

Selenskyj sagte, die ukrainische Unabhängigkeit sei aus einem Traum von Freiheit entstanden. "Das ist der Traum, das Leben selbst zu gestalten, dafür zu sorgen, dass unsere Kinder nicht der Asphalt unter jemandes Stiefeln sind, unter jemandes Panzern, unter jemandes Imperium. Heute können wir hier eine Tatsache verkünden, bewiesen durch die Kraft und die Standhaftigkeit unserer Leute in diesem Krieg", so Selenskyj. "Die Ukrainer werden sich nicht unterwerfen." Die Botschaft: Eine Kapitulation komme nicht in Frage.

Großveranstaltungen waren nicht geplant an diesem Unabhängigkeitstag, wegen der Gefahr von Luftangriffen. Zentrales Ereignis in Kiew war ein Galakonzert am frühen Abend in der Oper. Außerdem gab es landesweit kleinere Veranstaltungen, neben Konzerten etwa Handwerkermärkte und Marathonläufe. Viele Menschen müssen arbeiten, arbeitsfreie Feiertage sind in der Ukraine wegen des Kriegs abgeschafft.

Burnham leitet Sitzung der "Koalition der Willigen"

Für den britischen Premierminister Andy Burnham war es der erste Auslandsbesuch im Amt. Burnham leitete dann auch zum ersten Mal von Kiew aus mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Sitzung der sogenannten "Koalition der Willigen", also der Unterstützerländer.

Schon im Vorfeld sprach Burnham den Ukrainern Dank aus für ihren Kampf. Sie verteidigten sich nicht nur selbst gegen Russland, sondern ganz Europa. Bei einer Rede sagte Burnham: "Ich bin entschlossen, dass wir zusammenarbeiten, um ihnen die Unterstützung zu liefern, die sie brauchen." Das bedeute nicht nur Luftverteidigung, sondern auch, "Russland daran zu hindern, seine Raketen überhaupt erst starten zu lassen. Mit Sanktionen, die ihre militärischen Lieferketten durchtrennen", so Burnham.

Die Ukraine ist russischen ballistischen Raketen derzeit weitgehend schutzlos ausgeliefert. Gegen sie hat sich nur das US-System Patriot als wirksam erwiesen. Doch die Ukraine kann kaum mehr Abfangraketen für dieses System kaufen, weil es davon weltweit zu wenige gibt. Die Ukraine hofft, dass bald auch das französisch-italienische System SAMP/T in der Lage sein wird, ballistische Raketen abzufangen - durch eine verbesserte Radareinheit.

Ukraine-Hilfen aus Brüssel und London

Beim Treffen der "Koalition der Willigen" sei vor allem über Flugabwehr gesprochen worden, sagte Selenskyj im Anschluss. Außerdem versucht die Ukraine schon jetzt, russische Abschussvorrichtungen für ballistische Raketen mit Marschflugkörpern und Drohnen zu zerstören. Auch hier könnte Großbritannien bald eine größere Rolle spielen. Es erlaubt der Ukraine künftig, selbst Teile für die französisch-britische Rakete vom Typ "Storm Shadow", herzustellen. Das teilte Burnham in der Videokonferenz der "Koalition der Willigen" mit.

Die EU sagte der Ukraine am Montag weitere Finanzhilfen von 6,1 Milliarden Euro zu. Sie sind Teil des 90-Milliarden-Euro-Pakets, das die Ukraine in diesem und im kommenden Jahr von den EU-Staaten erhält.

Während der Feierlichkeiten gab es in Kiew keinen Luftalarm. Allerdings griff Russland auch an diesem Tag andere Regionen an. In Pawlohrad in der Region Dnipropetrowsk wurde bei einem russischen Angriff eine Person getötet und zwei weitere wurden verletzt, wie die Behörden mitteilten.