Ukraines unsichtbare Waffe auf der Krim: Untergrundkämpfer melden Ziele – Drohnen treffen sie
wa.dePolitikStand: 21.07.2026, 20:01 UhrKommentareUns auf Google folgenEin Netzwerk des Widerstands gegen den russischen Angriffskrieg bildet sich auf der annektierten Krim. Informanten helfen indirekt, Schläge...
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Stand: 21.07.2026, 20:01 Uhr
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Ein Netzwerk des Widerstands gegen den russischen Angriffskrieg bildet sich auf der annektierten Krim. Informanten helfen indirekt, Schläge erfolgreich zu machen.
Simferopol – Auf der Krim leben mehrheitlich Russen; die 2014 von Wladimir Putin annektierte Halbinsel steht unter Kontrolle des Kremls. Der Widerstand der Ukrainer, die weiterhin auf der Schwarzmeerinsel wohnen, wurde nach der Annexion durch das repressive russische Regime immer leiser. Doch immer mehr von ihnen scheinen Wege zu finden, Kiew im Krieg gegen Russland zu unterstützen. Im Verborgenen, um sich nicht in Gefahr zu bringen.

Auf der Krim wächst im Ukraine-Krieg eine Widerstandsbewegung
Sowohl die Spezialeinheiten der Ukraine (Special Operations Forces, kurz SOF) als auch die Militärbewegung Atesh, die Ukrainer und Krimtataren in sich vereint, berichten von einem Trend: Mehr Menschen versuchen, Kontakt zu den Einheiten herzustellen und sie zu unterstützen, beispielsweise mit Informationen und Koordinaten. „Die Widerstandsbewegung verbreitet sich und gewinnt an Fahrt,“ zitiert Kyiv Independent die SOF. Auffällig seien vor allem Anstiege nach erfolgreichen Angriffen auf russische Ziele.
Diese Beobachtung ist von wissenschaftlichen Erkenntnissen gedeckt. Laut Jade McGlynn, die am King’s College London zu russischer Desinformation und Propaganda forscht, haben die militärischen Erfolge der Ukraine auch die Einstellung vieler Krim-Bewohner zum Widerstand verändert. Jahre der Repression und persönlicher Verluste haben mehr Menschen dazu ermutigt, das Risiko einzugehen, der Ukraine zu helfen – trotz der schwerwiegenden Konsequenzen, die im Falle einer Entdeckung drohen.
„Jahrelang war es die vernünftigste Entscheidung, still abzuwarten – denn aktiv zu werden konnte einen alles kosten und nichts bewirken. Doch wenn Umspannwerke ausfallen und Brücken gesperrt werden, verändert sich diese Rechnung sowohl für überzeugte Aktivisten als auch für jene, die sich eigentlich aus der Politik heraushalten wollten. Genau deshalb wächst der Widerstand, wenn sich die Position der Ukraine verbessert“, so McGlynn.

Ukraine-Erfolge ermutigen Menschen zum Widerstand
Die Ukraine konzentriert sich seit Wochen darauf, das Leben auf der Krim schwierig zu machen. Drohnenkampagnen greifen militärische Ziele, die Schifffahrt und Energieinfrastruktur an. Treibstoffknappheit, Stromausfälle und eine Kappung militärischer Nachschubwege sind das Resultat. Die örtlichen Behörden hatten einen Notstand ausgerufen.
„Für die Menschen ist das die Bestätigung, dass die Besatzungsverwaltung die Lage nicht vollständig unter Kontrolle hat und dass die von ihnen gelieferten Informationen tatsächlich Einfluss auf den Verlauf der Kampfhandlungen nehmen können“, so die SOF.
Atesh bemerke steigende Zahlen von Menschen, die der Bewegung beitreten wollen und die bereit sind, wichtige Informationen zu teilen. „Wir sehen, dass das Selbstbewusstsein in der Widerstandsbewegung wächst, und wir sind überzeugt, dass die Zahl solcher Meldungen in der Zukunft nur steigen wird“, sagte ein Atesh-Vertreter gegenüber der Zeitung.
„Unsere Leute dokumentieren die Bewegungen von Personal und Ausrüstung sowie die internen Arbeitsabläufe der Behörde. Die Besatzer sollten sich gut merken, dass ihr trügerisches Sicherheitsgefühl auf der Krim nur von kurzer Dauer ist“, schrieb Atesh in einem Telegram-Beitrag.
Die Helfer im Untergrund konnten der Ukraine schon manchen Erfolg bescheren: Offizielle hoben Kiews Angriff vom 23. Juni auf eine Eisenbahnbrücke über den Nord-Krim-Kanal hervor. Nach dem ersten Angriff am 22. Juni berichteten Untergrundaktivisten, dass russische Streitkräfte mit Reparaturarbeiten begonnen hätten – woraufhin die ukrainischen Streitkräfte einen weiteren Schlag ausführten, bevor die Brücke wiederhergestellt werden konnte.
Untergrund verhilft Ukraine zu Erfolgen gegen Putin auf der Krim
Untergrundmitglieder des SOF unterstützten zudem ukrainische Truppen am 14. Juli bei Drohnenangriffen auf das Wärmekraftwerk Balaklawa im besetzten Sewastopol. Das Wärmekraftwerk Balaklawa ist das Rückgrat der Energieversorgung der Halbinsel und erzeugt laut SOF fast 50 Prozent des Stroms auf der von Russland besetzten Krim.
Dank der Widerstandsbewegung hätten die ukrainischen Streitkräfte aktuelle Erkenntnisse zu Zielen in verschiedenen Teilen der von Russland besetzten Gebiete. Das wiederum helfe den Menschen auf der Krim für ihr Lebensgefühl, beschreibt Forscherin McGlynn. Denn so habe man das Gefühl, sich zu beteiligen, statt nur vom russischen Regime wie ein Objekt behandelt zu werden.
Ob es der russischen Bevölkerung auch so geht? Jedenfalls schrieb die Atesh-Einheit jüngst auf X, dass ihre Agenten auch in Smolensk, Miass, Krymsk und anderen Städten in der Region Krasnodar Flugblätter platzierten, und teilte Fotos. „Während mehr Russen den Krieg infrage stellen, wächst die Unterstützung für den Widerstand – selbst in Regionen, die der Kreml als vollkommen unter Kontrolle ansieht.“ (Quellen: Kyiv Independent, Bundeszentrale für politische Bildung, X) (ial)