Die Verzwergung der Super League
Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne Die Verzwergung der Super League68 Mannschaften spielen in der Champions League oder in der Europa League. Die Schweiz fehlt. Die Kolumne von Felix Bingesser.Publiziert: 18:...
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Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Die Verzwergung der Super League
68 Mannschaften spielen in der Champions League oder in der Europa League. Die Schweiz fehlt. Die Kolumne von Felix Bingesser.
Publiziert: 18:36 Uhr
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Aktualisiert: 18:41 Uhr
Es war einmal. So beginnen alle Märchen. Schon seit dem 15. Jahrhundert, als die ersten dieser magischen Geschichten überliefert wurden. Um der leidenden Menschheit eine gerechtere, schönere und wundersamere Welt vorzugaukeln.
Eines der schönsten Märchen schrieb zuletzt der FC Thun. Das grau melierte Schneewittchen Hanspeter Latour hat einst die Saat ausgeworfen. Jahre später haben elf Fussballzwerge geerntet. Und den Meistertitel gewonnen. Fast zu schön, um wahr zu sein. Auch Rapunzel Andres Gerber hat ungläubig die Locken geschüttelt.
Aber Märchen sind Märchen. Wenn sie fertig erzählt sind, befindet man sich wieder in der Realität. Und die ist dann meist noch unerbittlicher als zuvor. Der Kater nach dem Märchen hat auch das Berner Oberland mit ganzer Härte erfasst.
Die Fussballzwerge, die kurzzeitig zu Riesen geworden sind, sind zu begehrten Objekten geworden. Und auf der Suche nach Goldtalern in alle Himmelsrichtungen entschwunden.
Nur noch Kanonenfutter
Die verbliebenen Zwerge wehren sich mit Händen und Füssen. Erfolglos. Sie sind auf dem internationalen Parkett Kanonenfutter. Das Märchen des FC Thun hat damit auch Auswirkungen auf den ganzen Schweizer Klubfussball.
Denn die internationale Verzwergung der Super League schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran. Das ist nicht in erster Linie die Schuld des FC Thun.
Sondern das Ergebnis einer Abwärtsspirale, die die Schweiz im Uefa-Ranking von Platz 11 auf Platz 16 gespült hat. Hinter Länder wie Zypern, Norwegen und Tschechien. 68 (!) Mannschaften haben sich für die Gruppenphase der Champions League und der Europa League qualifiziert. Einen Schweizer Vertreter findet man nicht.
Vielschichtige Gründe
Wenig TV-Gelder, mangelnde Infrastruktur (Zürich) und die aus wirtschaftlichem Zwang erfolgte Fokussierung auf schnelle Transfererlöse anstelle eines kontinuierlichen Aufbaus sind einige Gründe dafür.
Unser österreichischer Nachbar schickt sich hingegen an, von der Skination zur Fussballnation zu werden. Der Meister Linzer ASK hat sich dank einem Husarenstück gegen Celtic Glasgow für die Champions League qualifiziert. Die Norweger sind dort mit Bodö und Viking Stavanger doppelt vertreten. Auch die Slowakei und Aserbaidschan spielen im Konzert der Grossen mit.
Die internationalen Fussballmärchen gibt es nördlich des Polarkreises bei Bodö. Oder in Österreich. Meister LASK hat mit lokalen und regionalen Sponsoren ein nachhaltiges Konzept verfolgt. Auf den Trikots steht «Original Kornspitz». Ein Gebäck für den Frühstückstisch. Kein internationaler Konzern, sondern eine regionale Grossbäckerei ist Hauptsponsor.
Transfers zeigen in falsche Richtung
Sucht man nach weiteren Indizien für die fortschreitende internationale Verzwergung der Super League, dann kann man auch einen Blick auf die Transfers werfen. Die belgische Liga ist längst Sprungbrett für talentierte Spieler aus der Super League geworden. Aber mittlerweile scheinen viele Destinationen attraktiver.
Dominik Schmid, die Integrationsfigur des FC Basel, geht nach Österreich. Wie der Thuner Meister-Held Matoshi. Michael Heule geht in die zweite deutsche Bundesliga, wie schon einige vor ihm. Das grösste Sturmtalent von Lausanne wechselt in die zweite französische Liga. Eine beängstigende Entwicklung.
Die Super League droht international den Anschluss zu verlieren. Das ist alles andere als märchenhaft.
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