Trump eskaliert den Iran-Krieg: Angriffe auf US-Stützpunkte – jetzt droht der Ölpreisschock

Es war eine Nacht der Explosionen – nicht nur an einem Ort, sondern quer über die Golfregion verteilt. Während US-Kampfflugzeuge, Drohnen und Marineschiffe die vierte Nacht in Folge Ziele im Iran unter Beschuss...

  • 6 min read
Trump eskaliert den Iran-Krieg: Angriffe auf US-Stützpunkte – jetzt droht der Ölpreisschock

Es war eine Nacht der Explosionen – nicht nur an einem Ort, sondern quer über die Golfregion verteilt. Während US-Kampfflugzeuge, Drohnen und Marineschiffe die vierte Nacht in Folge Ziele im Iran unter Beschuss nahmen, schlug Teheran gleichzeitig in mehrere Richtungen zurück. Das US-Zentralkommando meldete den Abschluss einer siebenstündigen Angriffswelle gegen Dutzende militärische Ziele nahe der Straße von Hormus. Fast im selben Moment brannten in Kuwait und Bahrain US-amerikanische Militäranlagen.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten Kommando-, Logistik- und Treibstoffeinrichtungen der 5. US-Flotte in Bahrain getroffen und ein US-Versorgungszentrum im kuwaitischen Mina Abdullah in Brand gesetzt. Kuwaits Luftabwehr fing nach eigenen Angaben eine ballistische Rakete, fünf Marschflugkörper und 33 Drohnen ab. Jordaniens Luftwaffenbasis Azraq wurde – zum zweiten Mal – zum Ziel iranischer Drohnen.

Der eigentliche Bruch aber vollzog sich in Washington: Präsident Trump ließ die Seeblockade sämtlicher iranischer Häfen um 20 Uhr GMT (22 Uhr deutscher Zeit) wieder in Kraft treten. Von einer brüchigen Waffenruhe ist nichts mehr übrig.

Ein Krieg, der sich nicht mehr eindämmen lässt

Bislang drehte sich alles um die Straße von Hormus – jene Meerenge zwischen Iran und Oman, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öls floss. Doch der Konflikt hat seine Geometrie verändert. Teheran signalisiert, dass es einen zweiten Hebel ziehen könnte: die Bab el-Mandeb, das Tor zum Roten Meer.

Ein hochrangiger jemenitischer Vertreter drohte, die verbündeten Huthi könnten die Bab el-Mandeb schließen, sollte Saudi-Arabien seine Angriffe auf den Jemen fortsetzen – ein Schritt, der die Ölpreise auf 200 Dollar je Barrel treiben würde. Werden beide Meerengen „in einer operativen Allianz“ gleichzeitig gesperrt, so die Kalkulation, entstünde ein Schock, den kein Markt kurzfristig abfedern könnte.

Trump und Iran: It’s the Oil, Stupid!

Energiekriege

Trump und Iran: It’s the Oil, Stupid!

Analysten deuten diese Drohung als das, was sie ist: eine strategische Reserve. Etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung passierte Hormus, bevor die USA und Israel am 28. Februar ihre Angriffe auf den Iran starteten. Über Bab el-Mandeb wiederum laufen saudische Exporte und ein erheblicher Teil des globalen Seehandels. Wer beide Nadelöhre gleichzeitig bedroht, verwandelt einen bilateralen Schlagabtausch in einen Angriff auf die Lebensadern des Welthandels.

Der Fachbegriff dafür lautet „mission creep“: kein plötzlicher Sprung in den totalen Krieg, sondern ein schleichendes Höhertreiben des Einsatzes, bei dem jede Seite die Spirale weiterdreht, ohne die letzte Schwelle zu überschreiten. Gefährlich ist genau diese Langsamkeit.

Was jeder Akteur will – und warum keiner nachgibt

Um die Dynamik zu verstehen, muss man die widersprüchlichen Ziele nebeneinanderlegen.

Washington will Iran zurück an den Verhandlungstisch zwingen und beharrt darauf, dass Teheran niemals eine Atomwaffe besitzen dürfe. Trumps Mittel: militärischer Druck plus die Drohung, kommende Woche Kraftwerke und Brücken anzugreifen, falls Iran nicht einlenke. Angriffe auf zivile Infrastruktur allerdings verstoßen gegen die Genfer Konventionen von 1949 – ein Punkt, an dem sich Rhetorik und Völkerrecht gefährlich reiben.

Trump beendet Waffenruhe mit Iran: Warum jetzt Benzin, Gas und Heizkosten deutlich steigen könnten

Iran-Krieg

Trump beendet Waffenruhe mit Iran: Warum jetzt Benzin, Gas und Heizkosten deutlich steigen könnten

Teheran wiederum verlangt ein Ende der Sanktionen und die Anerkennung seiner Kontrolle über die Meerenge. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Der stellvertretende Außenminister erklärte, es sei ein Irrtum zu glauben, verschärfte Militäraktionen und eine Wirtschaftsblockade könnten Iran zurück an den Verhandlungstisch zwingen.

Und die Golfstaaten? Sie sind zwischen die Fronten geraten – buchstäblich, denn ihre Militärbasen dienen als Ziele. In den Hauptstädten am Golf, so ein saudischer Forschungsdirektor, setze sich die Überzeugung durch, die Diplomatie mit Iran habe ihre Grenzen erreicht. Der bittere Zusatz: Sowohl ein siegreicher als auch ein besiegter Iran berge Risiken für die Region – nur halten manche Golfstaaten die Kosten eines geschwächten Iran mittlerweile für das kleinere Übel.

Drei Akteure, drei Kalküle, die einander ausschließen. Genau hier liegt der Grund, warum kein Ausgang in Sicht ist.

Warum ein Präsident hier an Grenzen stößt

Trump ist es gewohnt, andere Staaten seinem Willen zu unterwerfen. Im Iran hat er einen Gegner gefunden, der sich nicht beugt. Sein 180-Grad-Schwenk bei den Hormus-Gebühren ist dafür das aufschlussreichste Symptom: Am Montag verkündete er eine 20-Prozent-Abgabe auf Ladungen als Preis für militärischen Schutz – ein Bruch mit der monatelangen Linie seiner eigenen Regierung, die solche Gebühren als völkerrechtswidrig bezeichnet hatte. Trump ruderte zurück, nachdem die Schifffahrtsbranche die Gebühr weitgehend ablehnte und die Internationale Seeschifffahrtsorganisation, eine UN-Behörde, erpresste Gebühren in der Meerenge für illegal erklärte.

An ihre Stelle sollen nun „Handels- und Investitionsdeals“ der Golfstaaten treten – ohne dass klar wäre, welche Länder, in welcher Höhe, wofür. Für die Schifffahrt ist der eigentliche Schaden bereits angerichtet: Wenn eine Führungsmacht das Prinzip der freien Passage antastet, könnten andere Anrainerstaaten weltweit versucht sein, ihre Meerengen ebenfalls zu monetarisieren. Das Ergebnis wären steigende Transportkosten – und am Ende Inflationsdruck.

Die Logik des Fanatismus: Warum dieser Iran-Krieg jede ökonomische Vernunft sprengt

Weltkriegsordnung

Die Logik des Fanatismus: Warum dieser Iran-Krieg jede ökonomische Vernunft sprengt

Iran hat den Schwenk sofort als Bestätigung der eigenen Position gefeiert. Wer sichere Passage garantiere, dürfe dafür kassieren – so die Lesart Teherans. Damit hat Washington der Gegenseite unfreiwillig ein rhetorisches Geschenk gemacht.

Wer die Rechnung zahlt

Die Folgen reichen längst über die Region hinaus – und treffen zuerst jene, die selten in den Schlagzeilen stehen. Indische Seeleute stellen rund zwölf Prozent der weltweiten Handelsschifffahrtsbelegschaft und tragen einen überproportionalen Anteil der Gewalt auf See. Beim jüngsten Angriff auf zwei emiratische Tanker in der Meerenge kam ein indischer Seemann ums Leben, zehn weitere wurden verletzt; Neu-Delhi bestellte den iranischen Vizebotschafter ein.

Für die USA hat der Krieg eine innenpolitische Dimension. Die Benzinpreise sind gestiegen, im November stehen Kongresswahlen an – und im Senat blockierten die Demokraten ein Verteidigungsbudget von 1,15 Billionen Dollar aus Protest gegen einen Krieg, den Trump ohne Ermächtigung des Kongresses begann.

Ein Verteidigungsgesetz, das seit über sechs Jahrzehnten jährlich fraktionsübergreifend verabschiedet wurde, ist zum zentralen Motiv eines innenpolitischen Kräftemessens geworden. Das ist mehr als ein parlamentarisches Ritual: Es zeigt, wie tief der Krieg die politische Statik in Washington erschüttert.

Auch Europa spürt die Erschütterung, wenn auch anders. Die EU-Luftfahrtbehörde warnte Airlines, Teile des Nahen Ostens zu meiden; Aktien europäischer Fluglinien gaben nach. Und Washington drängt die Europäer, sich an der Sicherung der Meerenge zu beteiligen – mit der kaum verhüllten Botschaft: Wer vom offenen Seeweg profitiert, soll auch die Kosten mittragen.

Die gefährlichste Woche steht womöglich noch bevor

Was kommt als Nächstes? Trump hat eine klare Drohung ausgesprochen: In der kommenden Woche sollen Kraftwerke und Brücken folgen, falls Iran nicht verhandle. Sollte er sie wahrmachen, überschritte er nicht nur eine völkerrechtliche Linie, sondern riskierte eine iranische Antwort, die – so das analytische Kalkül von Beobachtern – bis zur „zweiten nuklearen Option“ reichen könnte: dem Einsatz der Huthi gegen Bab el-Mandeb. Dies bleibt eine Einschätzung, kein bestätigter Plan – doch die Logik der Eskalation weist in diese Richtung.

Das gefährlichste Element ist die Zeitrechnung beider Seiten. Trump glaubt, den Iran aussitzen zu können, weil dessen Wirtschaft am Boden liegt. Teheran glaubt, Trump aussitzen zu können, weil die Benzinpreise vor den Zwischenwahlen an ihm zerren. Zwei Uhren, die gegeneinanderlaufen – und keine Instanz, die sie synchronisiert.

Bleibt die nüchterne weltwirtschaftliche Bilanz. Solange nur eine der beiden Meerengen bedroht ist und Chinas Zurückhaltung sowie geleerte, aber nicht ganz erschöpfte Reserven den Markt stützen, bleibt der Schock beherrschbar.

Fällt jedoch das zweite Nadelöhr – oder springt die asiatische Nachfrage an, während die Reserven versiegen –, dann verwandelt sich ein regionaler Krieg endgültig in eine globale Krise.

Die Mücke und der Elefant: Warum Amerikas Übermacht im Iran-Krieg an Grenzen stößt

Kriegslogik

Die Mücke und der Elefant: Warum Amerikas Übermacht im Iran-Krieg an Grenzen stößt

Lesen Sie mehr zum Thema